Unter der Halde
Was vom Dorf geblieben ist – und was darüber liegt
Im Erzgebirge wurden schon seit dem Mittelalter Bodenschätze aus unterirdischen Minen abgebaut.
Ab etwa 1950 begann man in der Umgebung von Falkenau (heute Sokolov), Braunkohle in großem Maßstab im Tagebau zu gewinnen. Um an die tiefer liegenden Kohleflöze zu gelangen, mussten zunächst gewaltige Mengen an Erd- und Gesteinsschichten abgetragen werden.
Dieses sogenannte Abraummaterial wurde mit Schaufelradbaggern gelöst, über Grubenbahnen abtransportiert und an eigens dafür vorgesehenen Deponien aufgeschüttet. Der Eingriff veränderte die Landschaft dauerhaft und in einem Ausmaß, das bis dahin unbekannt war.
Anfang der 1960er Jahre begann die Bergbaugesellschaft auch im Bereich des Dorfes Pechgrün systematisch Häuser aufzukaufen.
1967 wurde schließlich die Abraumdeponie Smolnická výsypka eröffnet. Die Aufschüttung erfolgte zunächst mit Schaufelbaggern, später mit Großgeräten des Tagebaus, darunter ein Absetzer des Typs ZD 2100/11 – ein mehrere Stockwerke hohes Raupenfahrzeug mit langem Ausleger, das den Abraum schichtweise verteilte.
Über Jahre hinweg wuchs die Halde Lage um Lage in die Höhe.
Pechgrün verschwand vollständig unter den aufgeschütteten Massen.
Industrie und Prozess
Dimensionen
Auf der Deponie Smolnická wurden insgesamt 186,6 Millionen Kubikmeter loses Material abgelagert.
Dies entspricht etwa dem Rauminhalt von 75 Cheops-Pyramiden.
Der höchste Punkt der Halde liegt bei 555 Metern, ihre maximale Mächtigkeit beträgt 102,5 Meter.
Der gesamte Deponiebereich umfasst rund 616 Hektar.
Erinnerung und Rekultivierung
Heute ist vorgesehen, den gesamten Bereich schrittweise zu rekultivieren und als Naherholungslandschaft zu nutzen.
Gleichzeitig wird versucht, die Erinnerung an das verschwundene Dorf wachzuhalten.
Weitere verschwundene Orte
Pechgrün war kein Einzelfall. Durch den Braunkohlentagebau und die daraus folgenden Abraumaufschüttungen verschwanden in der Region zahlreiche weitere Orte. Dazu zählen:
- Alberov (Albernhof)
- Bukovany (Buckwa)
- Čistá – obec (Lauterbach Dorf)
- Dolní Rozmyšl (Deutschbundesort)
- Dvory (Maierhöfen)
- Horní Rychnov (Ober Reichenau)
- Jehličná (Grasseth)
- Kytlice (Kitlitzdorf)
- Lesík (Waldl)
- Lipnice (Littmitz)
- Lísková (Haselbach)
- Lvov (Löwenhof)
- Nové Sedlo (Neusattl)
- Podhoří (Hunschgrün)
- Stará Chodovská (Stelzengrün)
- Tisová (Theißau)
- Týn (Thein)
- Vúžlabí (Kahr)
- Vítkov (Wudingrün)
- Vřesová (Doglasgrün)
Was bleibt
Die Halde ist heute als künstlicher Berg präsent – als Narbenfläche, als Rekultivierungsprojekt und als Naherholungsgebiet.
Zugleich bleibt sie ein Ort, an dem sich die Frage nicht abschütteln lässt, was hier unter Schichten aus Abraum verschwunden ist: Häuser, Wege, Alltag – und ein Dorf, das auf Karten nicht mehr existiert.