Die Pechgrüner Teiche

Eine verschwundene Teichlandschaft am Rand des Dorfes

2025-12-30

Die Teiche von Pechgrün existieren heute nicht mehr.
Was von ihnen geblieben ist, sind Beschreibungen, Namen und wenige historische Karten.
Aus diesen lässt sich eine Landschaft rekonstruieren, die einst den Dorfrand prägte – funktional, alltäglich und für Pechgrün charakteristisch.

Entstehung der Teichlandschaft

Über die frühe Geschichte Pechgrüns, so schreibt der Lehrer Anton Fäustl in der Gemeindechronik der Jahre 1925–27, liege ein „undurchdringliches Dunkel“. Dennoch lässt sich ein Zusammenhang erkennen, der für die Landschaft rund um das Dorf entscheidend wurde.

Pechgrün gilt als deutsche Gründung. Die zerstreute Lage der Höfe deutet darauf hin. Wahrscheinlich entstand der Ort im Zuge der Kolonisation des Gebietes um Chodau, nachdem Kaiser Friedrich I. dem Kloster Waldsassen dieses Land überlassen hatte. Ziel war die wirtschaftliche Erschließung einer Landschaft, die stellenweise sumpfig und nur schwer nutzbar war.

Gerade das Gebiet nördlich und nordwestlich von Chodau erforderte besondere Maßnahmen. Um das Gelände trockenzulegen und nutzbar zu machen, legten die Zisterzienser Teiche an. Diese erfüllten mehrere Aufgaben zugleich: Sie entwässerten den Boden, machten angrenzende Flächen landwirtschaftlich nutzbar und sicherten die Versorgung mit Fisch – ein wichtiger Bestandteil der klösterlichen Eigenwirtschaft.

„Um nun das Sumpfgebiet nördlich von Chodau trockenzulegen, schritten sie zur Anlage von Teichen. Damit haben sie nicht nur ihr Ziel erreicht, sondern auch ihren Eigenverbrauch an Fischen gedeckt.“
(Gemeindechronik Pechgrün, 1925–27)

Die Pechgrüner Teiche waren damit kein beiläufiges Element der Landschaft, sondern Teil eines gezielt angelegten Systems zur Umgestaltung des Geländes. Ihre Anlage reicht vermutlich bis in das Mittelalter zurück und erfolgte über einen längeren Zeitraum.

Erste kartografische Sichtbarkeit – 1765

Obwohl die Teiche bereits seit Jahrhunderten bestanden, tauchen sie erst vergleichsweise spät auf Karten auf. Die militärische Landesaufnahme von 1765 ist die erste kartografische Darstellung, auf der die Teichlandschaft von Pechgrün überhaupt sichtbar wird.

Diese Karten entstanden im Auftrag der österreichischen Armee. Offiziere kartierten das Gelände nach der Methode à la vue, also nach Augenschein. Die Darstellung ist nicht maßstabsgetreu im modernen Sinn, vermittelt jedoch ein zuverlässiges Bild der Landschaft, ihrer Wege, Gewässer und markanten Strukturen.

Pechgrün und Umgebung auf der militärischen Karte von 1765
Militärische Landesaufnahme von 1765. Die Teichlandschaft um Pechgrün erscheint hier erstmals kartografisch, noch ohne Benennung der einzelnen Gewässer.

Die Karte zeigt, dass die Teiche bereits damals einen zusammenhängenden Landschaftsraum bildeten. Sichtbar ist ihre Lage vor dem Dorf und ihre Einbettung in das umliegende Gelände – Namen sind noch nicht verzeichnet.

Die Teiche als erlebte Landschaft

Eine ganz andere Perspektive bieten die Erinnerungen von Erich Heinzl. Er beschreibt nicht die Entstehung der Teiche, sondern ihre Wahrnehmung im Alltag.

Wer von Chodau nach Pechgrün kam, näherte sich dem Dorf über die Leitn. Nach dem Anstieg öffnete sich der Blick auf den Kessel von Pechgrün und das Erzgebirge, bevor die Straße wieder sanft bergab führte – direkt auf die Teiche zu.

„Gleich nach der Einmündung der Alten Leitn kamen schon die ersten Teiche, die recht zahlreich dem Dorf vorgelagert waren; sie wurden schon im 14. Jahrhundert angelegt.“

Die Teiche lagen nicht abseits, sondern bildeten den Übergang vom offenen Land zum Dorf. Zwischen ihnen erstreckten sich sumpfige Wiesen, die landwirtschaftlich kaum nutzbar waren. Die Gewässer waren stufenweise dem Gelände angepasst, so dass das Überlaufwasser jeweils in den darunterliegenden Teich floss.

„An all diesen Teichen wuchsen Eichen, nur am Kleeteich gab es Birken.“

Dämme, Wege, alte Bäume und Wasserflächen prägten diesen Dorfrand. Erst nach den Teichen erreichte man die ersten Häuser von Pechgrün.

Der Kastenteich bei Pechgrün, historisches Foto
Der Kastenteich bei Pechgrün. Blick über den Damm mit Schleudersteinen, wie er in den Erinnerungen beschrieben wird.

Wer die Pechgrüner Teiche nicht nur als rekonstruierte Landschaft, sondern als gelebten Alltag sehen möchte, findet in den Erinnerungen von Karl Redelbach einen persönlichen Zugang.
Karl Redelbach: „Über unsere Teiche – Wie ich sie als junger Mensch erlebt habe“

Benennung und Vermessung – 1842

Erst im 19. Jahrhundert werden die Pechgrüner Teiche nicht nur dargestellt, sondern auch namentlich erfasst. Der stabile Kataster von 1842 zeigt die Teiche präzise vermessen und einzeln bezeichnet. Zu dieser Zeit gehörten sie noch zur Gemeinde Ober-Chodau.

Die Pechgrüner Teiche im stabilen Kataster von 1842
Stabilisierter Kataster von 1842. Die Teiche sind exakt vermessen und erstmals verbindlich benannt; sie gehören zu diesem Zeitpunkt noch zu Ober-Chodau.

In dieser Karte erscheinen die Teiche erstmals mit festen Namen. Bezeichnet werden der Straß Teich, der Hirsch Teich, der Säu Teich, der Fliegen Teich, der Kasten Teich, der Herren Teich, der Frauen Teich, der Mucken Teich, der See Teich und der Klee Teich.
Wie die Teiche zuvor genannt wurden – oder ob sie überhaupt feste Namen trugen – lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die Benennungen spiegeln eine gewachsene Alltagssprache des 19. Jahrhunderts wider.

Eine verschwundene Landschaft

Die Pechgrüner Teiche waren über Jahrhunderte Teil der Landschaft und des täglichen Weges ins Dorf. Heute sind sie verschwunden, ebenso wie das Dorf selbst. Geblieben sind Beschreibungen, Karten und Namen – genug, um eine Landschaft zumindest in Umrissen wieder sichtbar zu machen.

Diese Seite versucht nicht, mehr zu erklären, als die Quellen hergeben. Sie zeigt, was überliefert ist – und macht zugleich deutlich, wie viel verloren gegangen ist.