Das Ende des Stahlriesen von Pechgrün
Die letzten Monate des Absetzers ZD 2100/11 auf der Smolnicer Halde
Neulich besuchte Claus wieder einmal die Halde und wurde dort von einem tschechischen Wanderer angesprochen, der ihn aufgrund unserer „Haldenabenteuer“-Geschichte auf der Pechgrün-Website erkannt hatte. Claus hat sich darüber sehr gefreut.
Wenig später erhielten wir von Jaroslav Karban zwei historische Fotos, die die letzten Monate der gigantischen Verteileranlage ZD 2100/11 dokumentieren. Fast fünfzig Jahre lang wurde diese gewaltige Maschine eingesetzt, um den Abraum aus dem Falkenauer Braunkohlenrevier auf der Pechgrüner Halde aufzuschütten und zu verteilen.
Das erste Bild zeigt den ZD 2100/11 am 6. April 2019 – bereits etwas verrostet, aber noch weitgehend intakt. Knapp drei Monate später, am 29. Juni 2019, ist das einstige Stahlmonster bereits weitgehend zerlegt.
Auf YouTube fand ich außerdem ein kurzes Video der Sprengung des Abraumverteilers am 7. Mai 2019. Die Sprengung diente dazu, die anschließende Zerlegung der riesigen Stahlkonstruktion zu erleichtern.
Der ZD 2100/11 war ein sogenannter Absetzer – eine riesige Förder- und Verteileranlage auf auf einem gewaltigen Schienenfahrwerk. Mit Hilfe eines langen schwenkbaren Auslegers wurde der Abraum über große Bereiche der Halde verteilt. Der Abraum wurde über Werkbahnzüge und Förderanlagen aus dem Falkenauer Revier zur Halde transportiert und dort vom ZD 2100/11 verteilt. Über Jahrzehnte hinweg entstanden auf diese Weise die charakteristischen terrassenförmigen Ebenen der Smolnicer Halde.
Luftbilder verschiedener Jahre zeigen, wie sich die Arbeitsbereiche der Halde langsam nach oben verlagerten. Gleise, Förderanlagen und Arbeitsebenen mussten dabei immer wieder angepasst und neu verlegt werden. Noch heute lassen sich auf der Halde die terrassenförmigen Ebenen, alte Arbeitsspuren und die Logik dieses jahrzehntelangen Aufschüttungsprozesses erkennen – auch wenn die gewaltigen Maschinen selbst inzwischen verschwunden sind.
ZD 2100/11 aus der Nähe betrachtet
Da man im Internet kaum Fotos des riesigen Absetzers findet, der Pechgrün unter sich begraben hat, besitzen die zusätzlichen Bilder, die mir Jaroslav geschickt hat, einen außergewöhnlichen dokumentarischen Wert. Im April 2019 war der Stahlriese bereits außer Betrieb. Da das Gelände damals offenbar nicht bewacht wurde, nutzte Jaroslav die Gelegenheit, sich den ZD 2100/11 aus nächster Nähe anzusehen und zahlreiche Details der Anlage zu fotografieren.
Besonders interessant ist ein im Inneren angebrachter End- und Notschalterplan, der einen seltenen Einblick in den Aufbau der Maschine ermöglicht.
Man erkennt darauf, dass der Absetzer aus einem gekoppelten Drei-Wagen-System auf Schienen bestand. Im vorderen Bereich befand sich der schwenkbare Turm mit dem langen Abwurfausleger, über den der Abraum auf der Halde verteilt wurde. Dahinter folgte der sogenannte Aufnahmewagen. Dort wurde der von Zulieferzügen angelieferte und neben den Gleisen abgekippte Abraum mit Hilfe einer gewaltigen rotierenden Eimerkette aufgenommen und anschließend über eine Förderbandbrücke zum Abwurfausleger transportiert. Am hinteren Ende befand sich schließlich der Umspannwagen, der den Strom aus den Hochspannungsleitungen der Werkbahn übernahm und für den Betrieb des ZD 2100/11 umwandelte.
Der ZD 2100/11 war die mit Abstand größte Maschine der Smolnicer Halde. Seine Bezeichnung bezog sich auf eine maximale Leistung von 2100 m³ Abraum pro Stunde. Das genaue Gesamtgewicht der gesamten Maschinenanlage konnte bisher nicht ermittelt werden, dürfte aber weit über 1.000 Tonnen gelegen haben. Der zentrale Turm erreichte eine Höhe von etwa 35 bis 38 Metern, während der Abwurfausleger allein rund 70 Meter lang war. Die gesamte gekoppelte Einheit maß vermutlich deutlich über 130 Meter Länge.
Direkt unterhalb des Absetzers erkennt man, wie das enorme Gewicht der Anlage auf zahlreiche vergleichsweise kleine Räder verteilt wurde, die auf zwei parallel verlaufenden Gleisen liefen. Die Räder besaßen einen Doppelkranz, der ein Abrutschen der schweren Konstruktion von den Schienen verhinderte. Gut sichtbar ist außerdem die Förderbandbrücke, die vom links außerhalb des Bildes liegenden Aufnahmewagen hinauf zum Abwurfausleger führte, der rechts aus dem Bild hinausragt. Dadurch bekommt man einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen der gesamten Anlage.
Blick hinauf zum Führerhaus des Abwurfauslegers und zum Turm, über den die Stahlseile laufen, welche den rund 70 Meter langen Ausleger tragen.
Blick entlang des langen Auslegers, auf dem das Förderband lief, mit dem der Abraum zur Abwurfstelle transportiert wurde. Im Hintergrund erkennt man die Goldene Leitn, die teilweise kahlgeschlagen wurde, und rechts daneben den Kösteldorfer Spitzberg.
Rechts das Führerhaus des schwenkbaren Auslegers, links daneben vermutlich ein kleiner Werkzeug- oder Lagerraum.
Leiter hinauf zur Turmspitze. Im Gegensatz zu Jaroslav wäre ich dort allerdings nicht hinaufgestiegen.
Jaroslavs Blick von ganz oben über die Halde in südlicher Richtung.
Blick hinunter auf den Aufnahmewagen. Links unten erkennt man das Umlenkrad der Eimerkette, mit der der abgekippte Abraum aus dem Braunkohletagebau aufgenommen wurde. Oben rechts befindet sich ein kleiner verfahrbarer Hilfskran, der sich direkt über den Bereich des Umlenkrads bewegen ließ und vermutlich für Wartungsarbeiten an der Eimerkette diente. Etwas erhöht neben dem Umlenkrad erkennt man die zugehörige Bedienerkabine. Gut sichtbar ist außerdem die Förderbandbrücke, über die der aufgeschaufelte Abraum hinauf zum Verteilerturm transportiert wurde.
Die riesige, bereits abmontierte Eimerkette, mit der der von den Zubringerzügen abgekippte Abraum aufgenommen wurde.
Jaroslav schickte mir außerdem ein kurzes Video mit dem Titel: „Auf der stillgelegten Maschine kam ich mir vor wie diese Ameise.“ Am Ende des Videos sieht man eine tote Zauneidechse, über die kleine Ameisen laufen – ein Bild, das Jaroslav offenbar an den längst stillgelegten Großabsetzer erinnerte.