Chodau

Ein fotografischer Stadtbummel

Chodau - Gemeindegebiet
Gemeindegebiet von Chodau mit Braunsdorf, Stelzengrün, Pechgrün und Neuhäuser

Chodau, heute tschechisch Chodov genannt, ist ein Nachbarort von Pechgrün und der größte Ort in dessen näherem Umfeld. Die Stadt liegt rund zehn Kilometer westlich von Karlsbad im Tal des Chodauer Baches und war über lange Zeit das wirtschaftliche, schulische und administrative Zentrum der umliegenden Dörfer. Auch für die Bewohner von Pechgrün spielte Chodau eine zentrale Rolle im Alltag.

Die erste urkundliche Erwähnung reicht bis ins späte 12. Jahrhundert zurück. Über Jahrhunderte blieb Chodau ein ländlich geprägter Ort, bevor es sich im 19. Jahrhundert durch Industrialisierung grundlegend wandelte. Besonders die Porzellanherstellung und der Braunkohlebergbau prägten das Wachstum der Stadt. 1894 wurde Chodau zur Stadt erhoben. Diese Entwicklung setzte sich auch im 20. Jahrhundert fort, wurde jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg durch Vertreibung, Neubesiedlung und einen tiefgreifenden Strukturwandel stark überlagert. Das heutige Stadtbild ist daher wesentlich von Nachkriegsbebauung und funktionaler Stadtplanung geprägt; von der historischen Altstadt ist nur wenig erhalten geblieben.

Für meine Familie war Chodau über Generationen hinweg ein wichtiger Bezugspunkt. Meine Mutter und ihre Geschwister besuchten hier die Bürgerschule und legten den täglichen Weg von Pechgrün zu Fuß zurück. Mein Vater ist in Chodau aufgewachsen, ging hier zur Schule und absolvierte später eine kaufmännische Lehre. Der Chodauer Friedhof ist zudem Begräbnisort vieler Pechgrüner, darunter auch einer meiner Urgroßmütter. In der evangelischen Kirche wurde meine Schwester getauft – ein letzter biografischer Fixpunkt in Chodau vor der Vertreibung 1946.

Im Juni 2023 habe ich die Heimat meiner Vorfahren besucht. Bei dieser Gelegenheit bin ich durch Chodau gegangen und habe einen fotografischen Stadtbummel gemacht. Die folgenden Bilder zeigen Eindrücke dieser Stadt: bekannte Orte, alltägliche Straßen, öffentliche Gebäude und auch jene Nachkriegsbauten, die das Gesicht von Chodau heute bestimmen. Es ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein ruhiger Gang durch einen Ort, der für viele aus Pechgrün ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens war.

Katholische Pfarrkirche St. Laurentius in Chodau

Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius (Kostel svatého Vavřince) prägt bis heute das Stadtbild von Chodau. Die barocke Kirche wurde im frühen 18. Jahrhundert unter Franz Flamm von Plankenheim errichtet und war über lange Zeit ein religiöser Mittelpunkt der Stadt.

Blick vom Turm der katholischen Kirche über Chodau

Blick vom Turm der katholischen Kirche über Chodau. Von der früheren Altstadt rund um den Marktplatz und die ehemalige Hauptstraße (heute Staroměstská) ist nur wenig erhalten geblieben. Das Stadtbild wird heute vor allem von Plattenbauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren geprägt. Rechts im Bild sind die evangelische Kirche sowie – am Bildrand angeschnitten – die ehemalige Bürgerschule zu erkennen. Der Fabrikschornstein in der Bildmitte ist ein Überrest der Porzellanfabrik Haas & Cžjžek („Alte Fabrik“), die zeitweise mehrere hundert Arbeiter aus Chodau und der Umgebung beschäftigte und bis in die Zeit nach 2000 in Betrieb war.

Chodauer Friedhof hinter der Laurentiuskirche

Der Chodauer Friedhof liegt hinter der Laurentius-Kirche (Kostel sv. Vavřince). Er ist bis heute gut gepflegt und war über Generationen hinweg Begräbnisort vieler Pechgrüner. Auch meine Urgroßmutter ist hier begraben.

Stadtverwaltung Chodau (Městský úřad Chodov)

Die Stadtverwaltung von Chodau (Městský úřad Chodov). Das heutige Rathaus liegt unweit des Zentrums und steht für die gegenwärtige, funktionale Seite der Stadt, wie sie sich nach den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts entwickelt hat.

Ehemalige Bürgerschule von Chodau

Die ehemalige Bürgerschule von Chodau. Hier gingen sowohl meine Mutter als auch mein Vater zur Schule. Heute ist in dem Gebäude eine Kunstschule (Základní umělecká škola Chodov) untergebracht, in der Musik, Zeichnen, Schauspiel und Tanz unterrichtet werden.

Evangelische Kirche in Chodau

Die evangelische Kirche in Chodau. Hier wurde meine Schwester Richarda getauft. Die Kirche entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung, als mit den neuen Arbeitsplätzen auch evangelische Familien, vor allem aus Sachsen, nach Chodau kamen.

Ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus der Familie Kronberger in Chodau

Ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus der Familie Kronberger, die hier auch einen Lebensmittelgroßhandel betrieb. Bei Eduard Kronberger machte mein Vater seine kaufmännische Lehre. Heute ist in dem Gebäude eine Polizeistation (Policie ČR – Obvodní oddělení Chodov) untergebracht.

Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus der Familie Kronberger in Chodau

Vor dem ehemaligen Haus der Familie Kronberger erinnern Stolpersteine an jüdische Bewohner von Chodau, die zwischen 1940 und 1945 deportiert und ermordet wurden. Unter ihnen ist auch ein Großteil der Familie Kronberger, bei der mein Vater seine kaufmännische Lehre gemacht hat.

Straße entlang des Chodauer Baches Richtung Pechgrün

Straße entlang des Chodauer Baches. Dieser Weg führte früher über die „Leitn“ nach Pechgrün, dem Heimatort meiner Mutter. Heute gelangt man hier zum Badesee Bílá voda. Für meine Mutter und ihre Geschwister war dies der rund vier Kilometer lange Schulweg und kam in ihren Erzählungen oft vor. Die frühere Landschaft mit steilem Hang, Wiesen und Fischteichen existiert heute nicht mehr. Pechgrün liegt unter einer massiven, stellenweise bis zu 180 Meter hohen Abraumhalde begraben. Der Ort ist vollständig verschwunden. An seine Stelle ist die Halde getreten.