Der Chodaublick

Auf der Suche nach dem verschwundenen Pechgrün

Der Chodaublick (tschechisch Chodovská vyhlídka) liegt auf dem Föllerberg (Liščí kopec, 616 m) oberhalb von Dotterwies (Tatrovice). Für die Bewohner des nahe gelegenen Chodau war er früher ein beliebtes Ziel für Spaziergänge und Sonntagsausflüge. Auf einer Informationstafel vor Ort heißt es, dass man von hier einst die Landschaft von Pechgrün (Smolnice) und Poschetzau (Božičany) bis nach Falkenau (Sokolov) überblicken konnte. Der Name „Chodaublick“ verweist auf den Blick über das Chodauer Tal. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Aussichtspunkt weitgehend in Vergessenheit. Erst 2014 wurde er durch den Bergbaugeschichtsverein Solles wieder zugänglich gemacht. Eine Informationstafel, Sitzgelegenheiten und Wegweiser erinnern heute an seine frühere Bedeutung.

Orientierungskarte
Das ehemalige Pechgrün lag nur rund zwei Kilometer östlich des Chodaublicks.

Blick auf eine veränderte Landschaft

Blick vom Chodaublick
Chodau heineigezoomt

Wer den Chodaublick heute besucht, erwartet vielleicht einen Überblick über die Landschaft, in der Pechgrün einst lag. Tatsächlich sind viele der für die Geschichte des Dorfes wichtigen Bereiche heute von Bäumen verdeckt.

Sichtbar sind vor allem die Absetzbecken von Vřesová und das Chodauer Tal. Der Blick fällt auf das heutige Chodov, dessen Stadtbild heute weitgehend von den Wohngebieten der Nachkriegszeit geprägt wird. Von dem historischen Chodau ist nur noch wenig erhalten; die Pfarrkirche St. Laurentius gehört zu den wenigen markanten Bauwerken, die noch an das frühere Ortsbild erinnern.

Die Absetzbecken im Vordergrund dienen der Ablagerung von Rückständen aus der Braunkohleverarbeitung. Heute wird untersucht, ob sich die dort abgelagerten Aschen künftig als Rohstoffquelle für Metalle und seltene Erden nutzen lassen.

Die Pechgrüner Halde, das Kraftwerk Vřesová und die großen Tagebaue des Falkenauer Beckens liegen dagegen weitgehend außerhalb der heutigen Sichtachsen. Gerade jene Orte also, die für das Verständnis des Schicksals von Pechgrün besonders wichtig wären, lassen sich von hier aus kaum erkennen.

Ein Aussichtspunkt über dem Chodauer Tal

Chodau Zoom
Aussichtsbereich

Ein etwa 1,25 Kilometer langer Fußweg führt von Dotterwies durch den Wald zum Chodaublick. Freigeschnitten wurde nur ein kleiner Teil des Aussichtspunktes; viele frühere Sichtachsen sind inzwischen von Bäumen und Sträuchern verdeckt. Die Informationstafel erinnert an die Geschichte des Aussichtspunktes und seine Bedeutung für die früheren Bewohner von Chodau.

Der Chodaublick vermittelt heute nur noch einen begrenzten Ausschnitt der Landschaft. Wie weit der ursprüngliche Blick tatsächlich reichte, lässt sich schwer beurteilen. Sicher ist jedoch, dass große Teile der früher beschriebenen Sichtachsen heute durch Bewuchs verdeckt werden.

Nur zwei Kilometer bis Pechgrün

Dabei liegt das ehemalige Dorf erstaunlich nahe. Nach einem Besuch des Chodaublicks schrieb mir Jaroslav Karban aus Nová Role, der die meisten der auf dieser Seite gezeigten Fotografien freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

„Von hier aus war Pechgrün in Luftlinie etwa 2 km entfernt und im Osten sichtbar. Leider müssen wir heutzutage unsere Fantasie bemühen, um Vegetation und Erde wegzudenken.“

Dieser Satz beschreibt die Situation treffend. Wer heute nach Pechgrün sucht, muss gleich zwei Dinge ausblenden: die Vegetation, die viele frühere Sichtachsen verdeckt, und die mächtige Halde, unter der das Dorf seit Jahrzehnten begraben liegt.

Kleine Lücke im Bewuchs
Kleine Lücke im Bewuchs

Während eines Besuchs im Jahr 2023 gelang es mir nicht, Pechgrün vom Chodaublick aus überhaupt zu erkennen. Erst Jaroslav Karban entdeckte später eine kleine Lücke im Bewuchs, die einen Blick in Richtung des ehemaligen Dorfes ermöglichte. Auf seiner Aufnahme kennzeichnete er die frühere Lage der Kapelle von Pechgrün und des Gemischtwarenladens der Familie Heinzl (Hausname Wickn). Die Pfeile verdeutlichen, dass sich beide Gebäude heute nicht mehr an der Oberfläche befinden. Sie wurden beim Aufschütten der Smolnitzer Halde überdeckt und liegen heute tief unter der Haldenoberfläche begraben.

Ein Ort der Erinnerung

Wer den Chodaublick zum ersten Mal besucht, erwartet einen Überblick. Schließlich wurde dieser Ort einst wegen seiner Aussicht geschätzt.

Heute ist davon nur noch ein kleiner Ausschnitt geblieben. Ausgerechnet jene Teile der Landschaft, die ihre Geschichte im 20. Jahrhundert am stärksten geprägt haben – die Tagebaue, das Kraftwerk Vřesová und große Teile der Haldenlandschaft – bleiben dem Blick verborgen.

Der Chodaublick macht damit deutlich, wie schwer es geworden ist, die Veränderungen dieser Landschaft noch zu erkennen. Selbst an einem Aussichtspunkt, von dem aus man die Region einst überblicken konnte, bleiben heute viele ihrer wichtigsten Spuren verborgen.