Dotterwies

Geschichte, Kirche und Chodaublick

Dotterwies – Gemeindegebiet
Gemeindegebiet von Dotterwies

Dotterwies gehört zu den älteren Siedlungen im südwestlichen Erzgebirge. Der Ort entstand wahrscheinlich im Zuge der hochmittelalterlichen Kolonisation der Gebirgsregion und wird erstmals 1356 schriftlich erwähnt. Frühere Annahmen über ein bereits im 12. Jahrhundert bestehendes Hammerwerk oder eine Schmelzhütte gelten heute als nicht belegt; archäologische Untersuchungen deuten vielmehr auf ein kleineres Pochwerk im Zusammenhang mit späterem Zinnbergbau hin.

Über Jahrhunderte war Dotterwies ländlich geprägt. Die Bewohner lebten zunächst von Forstwirtschaft und Holzflößerei, später auch vom Steinabbau. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen Quarzitabbau und landwirtschaftliche Nutzung hinzu; um 1740 wurde der Kartoffelanbau eingeführt und größere Waldflächen gerodet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Ort mit der Ansiedlung einer Wirkerei eine kurze industrielle Phase, blieb jedoch insgesamt kleinstrukturiert.

Von zentraler Bedeutung für den Ort ist die Kirche, deren heutige Gestalt 1555 durch den Ausbau einer älteren Kapelle entstand. Mit ihr setzte auch die kontinuierliche Führung von Kirchenbüchern ein, die für die Ortsgeschichte und die genealogische Forschung bis heute eine wichtige Quelle darstellen.

Dotterwies - Kirche
St. Nepomuk Statue und Kirche des Hl. Erhard von 1555.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Geschichte Dotterwies’ grundlegend. Die deutschsprachige Bevölkerung wurde größtenteils vertrieben, der Ort kam wieder zur Tschechoslowakei und erhielt 1948 den tschechischen Namen Tatrovice. In den folgenden Jahrzehnten führten Verwaltungsreformen, der Bau des Stausees (Drohnenbild auf Mapy.cz) sowie die Eingriffe des Braunkohleabbaus in der Umgebung zu einem tiefgreifenden Wandel von Landschaft und Lebensraum.

Orthofoto der Landschaft südlich von Dotterwies
Orthofoto der südlich von Dotterwies gelegenen Landschaft mit deutlich veränderter Geländestruktur und heute eingeschränktem Blickwinkel vom Chodaublick. Quelle: ČÚZK.

Im Juni 2023 war ich selbst in Dotterwies.

Ein wichtiger Teil dieses Besuchs war der alte Friedhof des Ortes. Dort sind noch zahlreiche Grabsteine der früheren deutschsprachigen Bevölkerung erhalten – vielfach schief stehend oder beschädigt, aber noch lesbar. In vielen anderen Orten der Umgebung sind diese Zeugnisse verschwunden; hier jedoch sind sie geblieben. Bei dieser Gelegenheit habe ich die Grabsteine fotografiert und später mit genealogischen Unterlagen abgeglichen, wodurch sich einzelne Personen und familiäre Zusammenhänge einordnen ließen.

Dotterwies - Alter Friedhof
Alter Friedhof in Dotterwies.

Von Dotterwies aus führt ein etwa eineinhalb Kilometer langer Weg zunächst über Wiesen und anschließend durch Wald hinauf auf den Föllerberg zum Chodaublick. Dieser Aussichtspunkt war früher ein beliebtes Ausflugsziel für die Bevölkerung aus Chodau. An Wochenenden wanderte man hierher, um den weiten Blick über die Landschaft zu genießen; von hier aus konnte man bis nach Pechgrün sehen. Darüber hinaus reichte der Blick hinüber zum Kaiserwald, über das gesamte Egerbecken und bei guter Fernsicht bis zum Fichtelgebirge.

Heute ist der Blick vom Chodaublick stark eingeschränkt. Die früher freien Sichtachsen sind weitgehend zugewachsen. Auch in Richtung Falkenau öffnet sich kein weiter Panoramablick mehr; nur am rechten Bildrand sind im Hintergrund Teile der Abbaugebiete zu erahnen. Deutlich erkennbar sind dagegen im Vordergrund die großflächigen Industrie- und Absetzbecken der Braunkohleverarbeitung, die das Landschaftsbild nachhaltig prägen. Der Blick zur Pechgrüner Halde ist heute ebenfalls weitgehend von Bewuchs verdeckt.

Dotterwies - Chodaublick
Am Chodaublick, heute stark eingeschränkte Aussicht.