Pechöfen

Zwischen Voigtsgrün und Pechgrün

Pechöfen - Gemeindegebiet
Gemeindegebiet von Pechöfen

Pechöfen ist ein Nachbarort von Pechgrün. Trotz dieser räumlichen Nähe besteht für mich jedoch keine persönliche oder genealogische Beziehung zu diesem Ort. Mir ist nicht bekannt, dass Vorfahren aus Pechöfen stammen, und auch in den überlieferten Erzählungen meiner Familie spielte der Ort – soweit ich mich erinnere – keine Rolle.

Wenn man von Neurohlau nach Neudek fährt, folgt man einer schmalen Straße, die sich eng an die eingleisige Bahnstrecke zwischen Karlovy Vary und Jáchymov anschmiegt. Straße, Bahnlinie und der Fluss Rohlau (Rolava) drängen sich hier gemeinsam durch ein enges Tal. Die Strecke führt überwiegend durch Wald, die Bahnlinie wird mehrfach gekreuzt.

Mühlgraben der Rolava in Pechöfen
Mühlgraben der Rolava (Rolau) in Smolné Pece; der Kanal führt zu einem kleinen Wasserkraftwerk.

Irgendwann zweigt rechts eine kleine Straße ab – erst dort liegt Pechöfen. Vom Durchgangsweg aus ist der Ort nicht sichtbar; man muss bewusst abbiegen und ein Stück bergauf fahren, um ihn zu erreichen. Ich kenne diesen Weg nur virtuell, aus Fahrten mit Google Maps oder Mapy.cz; selbst vor Ort war ich bislang nie. Gerade dieses Verborgene und Abseitsliegende prägt meinen Eindruck von Pechöfen.

Gemeindeamt von Smolné Pece
Gemeindeamt von Smolné Pece (Pechöfen) mit angeschlossener kleiner Gastwirtschaft.

Der Name Pechöfen ist sprachlich eng mit Pechgrün verwandt. Beim Lesen von Karten, Listen oder genealogischen Notizen kann es dabei leicht zu Verwechslungen kommen. Umso wichtiger ist es, beide Orte klar zu trennen: Pechgrün als verschwundener Heimatort, Pechöfen hingegen als eigenständige, deutlich jüngere Waldsiedlung.

Pechöfen entstand im Jahr 1872 und zählt damit zu den jüngeren Siedlungen der Region. Der Name verweist auf seine wirtschaftlichen Ursprünge: In den ausgedehnten Wäldern wurden harzreiche Nadelhölzer genutzt, um Pech beziehungsweise Harz zu gewinnen – sei es in eigenen Pechöfen oder als Nebenprodukt der Holzkohlegewinnung.

Eine weitere Verbindung ergibt sich über Voigtsgrün, zu dem Pechöfen anfangs gehörte. Voigtsgrün ist für mich wiederum über meinen Freund Claus präsent, dessen Familie eng mit diesem Ort verbunden ist. Wenn Claus von Voigtsgrün aus in Richtung Pechgrün beziehungsweise zur heutigen Abraumhalde wandert, führt der Weg typischerweise über Pechöfen. In diesem Zusammenhang erscheint Pechöfen weniger als Ziel, sondern eher als Ort „auf dem Weg“ – ein stiller Übergang zwischen Wald, Tal und der Gegend um Pechgrün.