Poschetzau
Geprägt vom Kaolinabbau
Poschetzau (tschechisch Božičany) ist ein kleiner Ort im Vorland des Erzgebirges, nur wenige Kilometer nordöstlich von Chodau gelegen. Als unmittelbarer Nachbar von Pechgrün gehörte er über Jahrhunderte zu derselben kleinräumigen Kulturlandschaft des Egerlandes. Trotz der räumlichen Nähe entwickelten sich die beiden Orte jedoch unterschiedlich. Während Pechgrün durch die Ablagerung von Abraum vollständig zerstört wurde, prägten in Poschetzau der Abbau von Kaolin und die damit verbundene Industrie die weitere Entwicklung des Ortes.
Die erste urkundliche Erwähnung Poschetzau stammt aus dem Jahr 1359 und findet sich im Loketer Urbarium. Die eigentliche Besiedlung reicht jedoch weiter zurück. Der Ort wurde vor 1359 als langgestreckte Dorfsiedlung entlang eines Baches angelegt, ein für diese Region typischer Siedlungstyp. Der historische deutsche Name Poschetzau erscheint in den Quellen in wechselnden Schreibweisen, was weniger auf Ortsverlegungen als auf die Unsicherheiten früher Schreiber zurückzuführen ist. Der heute gebräuchliche tschechische Name Božičany wird erst seit 1945 offiziell verwendet.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein blieb Poschetzau ein bäuerlich geprägtes Dorf mit überschaubarer Größe. Erst mit der Entdeckung mächtiger Kaolinlagerstätten – des sogenannten „weißen Goldes“ der Region – änderte sich das Erscheinungsbild grundlegend. Der Abbau des Rohstoffs setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein und führte nicht nur zur landschaftlichen Umgestaltung, sondern auch zur Ansiedlung von Industrie.
1890 entstand in Poschetzau eine Porzellanfabrik, die eng mit dem Kaolinabbau verbunden war. Sie entwickelte sich rasch zu einem leistungsfähigen Betrieb und exportierte ihre Erzeugnisse weit über die Region hinaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik verstaatlicht, später wurde die Produktion schrittweise verlagert und schließlich eingestellt. Die Fabrikgebäude wurden vollständig abgerissen. Was blieb, sind die Spuren des Rohstoffabbaus, die bis heute das Umland des Ortes prägen.
Die Entwicklung Poschetzau steht exemplarisch für viele Orte der Region: ein ursprünglich kleinbäuerliches Dorf, dessen Struktur durch Bergbau und Industrialisierung tiefgreifend verändert wurde. Anders als Pechgrün blieb Poschetzau jedoch erhalten. Der Ort existiert bis heute – wenn auch in einer Landschaft, die ihre ursprüngliche Gestalt verloren hat.