Steinberg

Der „Vulkankegel“ am Horizont

Der Steinberg – ein Orientierungspunkt in der Landschaft

Der Steinberg war für die Menschen in Pechgrün ein fester Bezugspunkt in der Landschaft. Von Voigtsgrün aus gesehen lag der Berg nahe – dort wurde er früher G’stoinich genannt. Heute ist er vor allem als Steinbruch bekannt – nicht mehr als Berg, sondern als selbstverständlicher Teil der Landschaft, so wie er sich seit Jahrzehnten zeigt.

In den Erinnerungen und Beschreibungen der Pechgrüner taucht er dennoch als markante Erhebung auf. In einem Text meines Onkels wird er ausdrücklich als Voigtsgrüner Vulkankegel bezeichnet: ein unbewaldeter Berg, der sich deutlich vom Umland abhob und den Blick festhielt, wenn man von der Leitn in Richtung Pechgrün ging.

Wer den Steinberg heute kennt, kann sich diese Wirkung kaum noch vorstellen.

Blick von Pechgrün zum Steinberg

Was sich heute zeigt, erklärt den Zweifel. Der Steinberg erscheint nicht mehr als klarer Höhenpunkt, sondern als veränderter Geländekörper. Die helle, braune Abbruchkante markiert jene Stelle, an der der Berg einst weiter nach oben führte. Dass hier einmal ein markanter Kegel stand, ist ohne weiteres Wissen kaum noch zu erkennen.

Der Blick in die Gegenrichtung

Der Steinberg war jedoch nicht nur sichtbar – er war Teil eines gegenseitigen Blickbezugs. Von dort aus öffnete sich der Blick nach Pechgrün und auf die Halde, die heute das Landschaftsbild prägt.

Blick vom Steinberg nach Pechgrün

Dieser Blick macht verständlich, warum der Steinberg in Erinnerungen und Beschreibungen eine Rolle spielte – nicht als abgelegener Punkt, sondern als Teil eines zusammenhängenden Landschaftsraums.

Nachschauen statt vermuten

Gerade der Widerspruch zwischen Erinnerung und heutigem Erscheinungsbild hat mich neugierig gemacht. Ohne feste Erwartung begann ich nachzuschauen: zuerst in der geologischen Karte, dann in historischen Karten und schließlich in alten Luftbildern.

Geologische Karte des Steinbergs

Die geologische Karte ist eindeutig: Der Steinberg besteht aus vulkanischem Gestein. Der Vulkanismus, dem er entstammt, liegt zeitlich weit zurück; er gehört zum tertiären Vulkanismus des Egergrabens und entstand im Oligozän bis Miozän, also vor rund 30 bis 15 Millionen Jahren. Für die Menschen der Region war der Steinberg daher nie ein Vulkan im aktiven Sinn, sondern ein markanter, längst erstarrter Kegel.

Der verlorene Kegel

Besonders aufschlussreich sind frühe Luftbilder aus der Zeit vor oder um 1950. Sie zeigen den Steinberg noch als klar erkennbare Erhebung, weitgehend unbewaldet und mit einer Form, die seine Beschreibung als Kegel nachvollziehbar macht.

Historisches Luftbild des Steinbergs um 1950

Zeitgenössische Wahrnehmung

Auch auf Karten des 19. Jahrhunderts erscheint der Steinberg nicht als unscheinbare Erhebung, sondern als markanter, regelmäßig geformter Berg. Seine Darstellung folgt der typischen Kegelform, wie sie für vulkanische Berge verwendet wurde.

Steinberg auf einer Karte des 19. Jahrhunderts

Der heutige Zustand

Steinbruch am Steinberg

Was heute sichtbar ist, ist kein Berg mehr, sondern sein Inneres.

Der frühere Vulkankegel – der G’stoinich – ist bis auf einen offenen Abbaukörper verschwunden. Die helle Abbruchkante markiert jene Höhe, an der der Berg einst weiter nach oben führte. Von hier aus lässt sich kaum noch erahnen, dass dieser Ort einmal als klarer, unbewaldeter Kegel aus der Landschaft ragte und von Pechgrün aus deutlich wahrnehmbar war.

Erst mit dieser Recherche wird verständlich, wie präzise die damalige Beobachtung war – und warum der „Vulkankegel“ im Erinnerungsbuch eine reale Erscheinung beschreibt.