Da Konrad
Der Mann, ohne den bei der Feuerwehr nichts lief
Er war mit der Natale verheiratet und wohnte zuletzt bei der Schindler Berta. Was war das Besondere an ihm, er war ganz einfach der Konrad, und er ist es auch geblieben? Ihm wurde der Hausname seiner Frau nicht angehängt, wie dies bei meinem Vater der Fall war, der zumindest von den jüngeren Pechgrünern nicht mehr Hanrich, sondern Wickn Adolf gerufen wurde.
Konrad war Schlosser in der Bohemia. Er ging oder fuhr jeden Tag nach Neurohlau zur Arbeit. Von Statur war er mittelgroß, untersetzt und hatte leichte O-Beine. Wenn er etwas breitspurig daherkam, konnte man sofort erkennen, daß er an schwere Arbeit gewöhnt war. Konrad ging leicht nach vorne gebeugt und machte den Eindruck eines Kraftsportlers, eines Gewichthebers.
Sein Fahrrad schob er öfter neben sich her, als daß ich ihn damit fahren sah. Das ergab sich, weil er eine sehr große Übersetzung fuhr. Das vordere Kettenrad hatte mindestens einen Durchmesser von 30 cm, das hintere dagegen nur einen von höchstens 5 cm. Mit einer solch großen Übersetzung konnte man nur auf ebenen Wegen oder bergab fahren. Schon bei der kleinsten Anhöhe, wie bei dem Bergerl hinter der Schule, mußte er vom Rad steigen. Deshalb schob er meistens das Rad auf den letzten Metern seines Heimweges, von der Schule bis zu seiner Wohnung. Beim Rad fiel auch noch der Lenker auf. Dieser war nach unten gebogen und verlieh dem Fahrer eine Vorlage, wie bei einem Rennfahrer. Beim Schieben des Rades wirkte sich diese Form des Lenkers auch günstig aus, gerade bei untersetzten Personen, wie der Konrad eine war.
Bei der Feuerwehr lief nichts ohne ihn. Er war nach dem Kommandanten und dessen Stellvertreter der wichtigste Mann, denn er beherrschte die Handdruckspritze, einem Modell aus der Zeit um die Jahrhundertwende, aus dem ff. Ohne das Wissen und Können des Konrad wäre selten Wasser aus dem Bach auf ein brennendes Hausdach gekommen. Er verstand viel von Kolben, Ventilklappen, Druckkesseln und Saugern. Das Ventil dieser Spritze, ein Wunderwerk der Feinmechanik aus purem Messing, war oft Anlaß zu stundenlangen Diskusionen im Feuerwehrstadel. Als Bub war ich oft dabei und lauschte mit offenem Mund Konrads sachkundigen Erklärungen.
Konrad war ein Experte auf diesem Gebiet und blieb es auch noch als die Pechgrüner freiwillige Feuerwehr längst mit einer Motorspritze ausgerüstet war.
Im November 1989