D' Bud
Die Süßigkeitenbude im Dorfzentrum
Sie war kein besonderes Bauwerk, eben nur eine Bretterbude, allerdings an einem markanten Platz und das wiederum war das Besondere. D’ Bud war mitten im Dorf über dem Bach erbaut und dafür gab es Gründe.
Der Bossn Knopp, Karl war sein Vor- und Kunstmann sein Familienname, war ein eigenwilliger Zeitgenosse mit den verrücktesten Ideen. Sein Vorhaben, eine Bude zum Verkauf von Süßigkeiten irgendwo im Dorf aufzustellen, fand beim Gemeinderat keine Zustimmung. Es wurde ihm kein Bauplatz zugeteilt, auch keiner verkauft.
Hartnäckig wie er war, ließ er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen und kam auf die Idee, die geplante Bude über dem Bach zu errichten. An diesem Platz war keine Konkurrenz interessiert und der Gemeinderat mußte letztendlich zustimmen. Es entstand eine Einrichtung, die der Jugend von Pechgrün viel Freude und Spaß brachte. Leider wurde d’ Bud im 3. Reich an einen Platz verlegt – der Bach wurde reguliert –, der für die jungen Leute und Kinder nicht mehr interessant war.
D’ Bud war ein recht stabiles Stück Handwerksarbeit. Vier starke Baumstämme waren über den Bach gelegt und darauf ein Häuschen mit der Grundfläche 2,5 auf 3,5 Meter errichtet worden. Zur Straßenseite hatte d’ Bud ein Fenster und eine Tür. Das Fenster war mit einem zweigeteilten Laden aus Brettern verwahrt, der so gestaltet war, daß er geöffnet um die linke Ecke der Bude gelegt werden konnte. Dieser Fensterladen war mit einer raffinierten, dennoch sehr einfachen Vorrichtung zu verschließen.
An einem Eisenband war ein beweglicher Metallstab so angebracht, daß er durch den Türrahmen gesteckt und von innen verriegelt werden konnte. Die Inneneinrichtung war einfach und sparsam. Aus rohen Brettern war links von der Tür eine Theke, a Pu(d)l, eingebaut. Hinter die Pu(d)l kam man durch eine Aussparung in der Theke, die mit einer Klappe, welche mit Scharnieren an der Rückwand verschraubt, zu verschließen war. Rechts vom Eingang war eine schmale Bank über die ganze Breite der Bud angebracht.
In meiner Kindheit verkaufte dort an Sonntagen, nicht der Bossn Knopp, sondern sein Teilhaber mit seiner Mare gar viele köstliche Süßigkeiten. Diese süßen Sachen waren auf der Pu(d)l ausgelegt und verleiteten zum Kaufen. Wenn ich von guten Sachen spreche, dann weiß ich wovon ich rede. Die gleichen Süßigkeiten gab es auch bei uns im Laden, aber die vom Budkärl waren eben besser, denn ich bekam sie nicht umsonst; ich mußte dafür mein „Fuchzgerl“ ausgeben, welches ich an Sonntagen von meinem Großvater, dem Wickn Seffn, geschenkt bekam.
Es gab in der Bud auch Artikel, die der Großvater nicht im Sortiment hatte, wie Zuckerlsschachteln, Gummischlangen und Zuckerstengel. Es blieb für mich Geheimnis, warum diese Dinge nicht auch bei uns im Laden verkauft wurden, obwohl sie beim Budkärl reißenden Absatz fanden. Auch den türkischen Honig, rot oder blau verpackte quadratische Scheiben, gab es beim Großvater nicht. Milchschokolade, eine Rippe kostete 50 Heller, gab es auch bei uns im Laden, dennoch kaufte ich mir die gleiche fast jeden Sonntag in der Bud, die vom Budkärl war eben besser. Diese Schokolade war wirklich köstlich und man durfte sie nicht einfach nur verschlingen, man mußte sie genüsslich auf der Zunge zerschmelzen lassen.
Welche Freude machte eine Zuckerlsschachtel. Es waren Spanschachteln aus Holz, gefüllt mit sauren Bonbons, es gab auch welche mit Anis- bezw. Fenchelgeschmack, ich hatte die mit Veilchenzuckerl am liebsten. Es waren runde Schachteln aus ungefärbtem Holz, nur der Deckel hatte einen roten Rand.
In seinem Angebot hatte der Budkärl, er hieß Kreuzer und wohnte im „iawan“ Dorf, auch noch Rumkugeln, Kaiserfleisch, „Kremhe(j)tla“, Brustzucker und bunte Eisschokolade, die einem im Nu zwischen den Fingern schmolz. Im Sommer verkaufte er Brausepulver, gelbes und rotes. Zum Anrühren der „Brauser“ stellte er Henkelgläser zur Verfügung. Das Wasser für die Limonade mußte man allerdings aus dem nahen „Brunnahaisla“, das zwischen Schindler Bertas „Huulzplatz“ und dem Glöcknerhof lag, glasweise holen. Auf diese Weise hatte man immer ganz frisches Quellwasser für die Zubereitung der Brauselimonade zur Verfügung.
Die Bud war fast immer mit Kindern überfüllt, die ihr spärliches Taschengeld sofort nach dem Empfang in Süßigkeiten umsetzten. Um einen Platz auf der schon erwähnten Budenbank zu ergattern, gab es oft heftige Raufereien und nur die Stärksten hatten immer einen Sitzplatz. Als der Kreuzer Karl den Verkauf in der Bud nicht mehr betrieb und d’ Bud auf den Schoellberch verlagert worden war, war es vorbei mit der schönen „Bud’romantik“.