Pechgrüner Glocke

Und sie läutet immer noch

Ein unerwarteter Kontakt

Im Frühjahr 2026 begegnete Claus Kircheiss auf der ehemaligen Pechgrüner Halde einem Mann, der sich als Jaroslav Karban aus Nová Role (Neurohlau) vorstellte. Er hatte die Pechgrün-Website im Internet entdeckt und sich für unser Projekt zur Geschichte des verschwundenen Dorfes interessiert.

Aus dieser zufälligen Begegnung entwickelte sich ein regelmäßiger Austausch. Jaroslav unterstützte uns bei unseren Recherchen, stellte Fotos zur Verfügung und half uns immer wieder mit Informationen und Kontakten vor Ort. Als wir für Ende Juni 2026 erneut einen Besuch im Egerland planten, fragte uns Jaroslav, ob wir Zeit für einen Termin im Rathaus von Chodov hätten. Er hatte die Möglichkeit organisiert, die Originalglocke der ehemaligen Pechgrüner Kapelle zu besichtigen und sogar selbst zu läuten.

Claus und Jaroslav begegnen sich zufällig auf der Halde
Claus und Jaroslav treffen sich zufällig auf der Halde.

Empfang im Rathaus von Chodov

Zum vereinbarten Termin wurden wir im Rathaus von Chodov von Luděk Soukup, dem Zweiten Bürgermeister der Stadt, empfangen. Bei Kaffee und Gebäck unterhielten wir uns zunächst über Pechgrün, unsere Website und die Geschichte der Region.

Nach dem Gespräch wurde die Originalglocke der ehemaligen Pechgrüner Kapelle auf einem hölzernen Rollgestell in den Besprechungsraum gebracht. Nun hatten wir Gelegenheit, sie aus nächster Nähe zu betrachten und selbst zum Klingen zu bringen.

Treffen im Chodauer Rathaus
Im Rathaus von Chodov: Jaroslav Karban, Claus Kircheiss, Udo Dengler und Luděk Soukup.

Die Originalglocke der Pechgrüner Kapelle wurde 1827 in Eger gegossen. Fast 140 Jahre lang gehörte sie zum Alltag der Pechgrüner Bewohner. Als Pechgrün 1968 der Braunkohlenförderung weichen musste, rettete Jiří Troup die Glocke in letzter Minute vor der Zerstörung und brachte sie nach Chodov. Heute wird sie im Rathaus von Chodov auf einem eigens angefertigten Holzgestell aufbewahrt und kann noch immer geläutet werden. Zu den jährlichen Gedenkfeiern an der Bílá Voda wird sie an den Erinnerungsort zurückgebracht, wo ihr Klang bis heute an das verschwundene Dorf erinnert. Die Glocke zählt zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen des ehemaligen Pechgrün. Sie aus nächster Nähe betrachten und läuten zu dürfen, war für uns ein besonderer Moment.

Nahaufnahme der Glocke mit ihrer Inschrift und dem Relief.

Natürlich wollten wir auch hören, wie die Glocke heute klingt. Jeder von uns durfte sie selbst läuten. Dabei stellte sich heraus, dass dies ohne Seil gar nicht so einfach war – man musste erst den richtigen Rhythmus finden.

Claus lässt die Glocke erklingen.

Zum Abschluss unseres Besuchs überreichte uns Luděk Soukup mehrere Bücher und Informationsbroschüren zur Geschichte Chodovs und seiner Umgebung. Wir freuten uns sehr über diese freundliche Geste und bedankten uns für die Gastfreundschaft und die Möglichkeit, die Glocke selbst läuten zu dürfen.

Der Zweite Bürgermeister überreicht Geschenke
Ein herzliches Abschiedsgeschenk der Stadt Chodov.

Unser besonderer Dank gilt Jaroslav Karban, der dieses Treffen organisiert und den Kontakt zur Stadt Chodov hergestellt hat. Ohne sein Engagement wäre dieser Besuch nicht möglich gewesen. Die Gastfreundschaft, die wir im Rathaus von Chodov erleben durften, wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Glocke erklingt weiter

Seit 2019 hängt an der Gedenkstätte an der Bílá Voda dauerhaft eine Replik der Pechgrüner Glocke. Die Originalglocke wird im Rathaus von Chodov aufbewahrt und zu den jährlichen Gedenkfeiern an den Erinnerungsort gebracht. Dort können die Teilnehmer sie auf einem mobilen Glockenstuhl selbst läuten. So erklingt bis heute jedes Jahr wieder die Originalglocke des untergegangenen Dorfes.

Der Zweite Bürgermeister überreicht Geschenke
Bei den jährlichen Gedenkfeiern an der Bílá Voda kommen beide Glocken zum Einsatz: Die Replik hängt dauerhaft an der Gedenkstätte, während die Originalglocke aus Chodov an den Erinnerungsort gebracht und dort auf ihrem mobilen Glockenstuhl geläutet wird.

Fotoalben der Gedenkfeiern

Die Facebook-Seite Chodauer – z dějin města Chodova dokumentiert mehrere Gedenkfeiern an der Gedenkstätte Bílá Voda. Die folgenden Fotoalben zeigen unter anderem die Originalglocke, ihre Replik sowie Eindrücke von den Gedenkfeiern und ihren Teilnehmern.