Die Pechgrüner Linden
Drei Linden am Weg nach Köstldorf – ein verschwundenes Wahrzeichen
Die sogenannten Pechgrüner Linden standen am nordwestlichen Rand des Dorfes, am Weg nach Köstldorf, dort, wo sich mehrere Fuhrwege verzweigten. In den überlieferten Berichten werden sie übereinstimmend als ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Ortes beschrieben. Eigene Anschauung liegt nicht vor; die folgenden Angaben beruhen auf schriftlichen Quellen, insbesondere auf Erinnerungsberichten, Tagebuchaufzeichnungen und Briefen ehemaliger Bewohner und Nachbarn aus Pechgrün und der Umgebung.
Die Linden bestanden aus drei sehr alten, eng beieinander stehenden Bäumen, die aufgrund ihrer Wuchtigkeit wie ein einzelner großer Baum wirkten. Unter den ersten beiden Linden befand sich ein Marterl. Zwischen der zweiten und der dritten hatte sich durch jahrhundertelanges Befahren ein tief eingeschnittener Weg gebildet. Die Bäume standen nicht abseits, sondern unmittelbar an den täglich genutzten Fuhrwegen und waren damit fest in den alltäglichen Verkehrsfluss des Dorfes eingebunden. Die Pflanzung der Linden wird – gestützt auf eine überlieferte Jahreszahl an einem benachbarten Hof – in die Zeit um 1648, also an das Ende des Dreißigjährigen Krieges, datiert.
Zwischen der Schwarzweißaufnahme und dem späteren Farbfoto liegen rund drei Jahrzehnte. Während das ältere Bild noch eine intakte Hof- und Siedlungsstruktur zeigt, dokumentiert das spätere Foto bereits einen weitgehend zerstörten Zustand, wenige Jahre vor dem Fällen der Linden.
Nach übereinstimmenden Angaben wurden die Linden am 12. Februar 1976 gefällt. Der aus Köstldorf stammende Rudolf Häuser, der zu diesem Zeitpunkt noch in der Region lebte, vermasste die gefällten Bäume und hielt den Ablauf in seinem Tagebuch fest. Er beschreibt, dass die Wurzeln rings um die Stämme freigelegt und abgesägt wurden und die drei Bäume mit Hilfe eines in etwa 14 Meter Höhe befestigten Drahtseils und einer Zugmaschine umgerissen wurden.
Die stärkste Linde hatte eine Höhe von etwa 27,5 Metern. Knapp unter der Erdoberfläche betrug der Stammdurchmesser rund 2,72 Meter; selbst in 15 Metern Höhe war der Stamm noch etwa 55 Zentimeter stark. Rudolf Häuser zählte 278 eindeutig erkennbare Jahresringe und schätzte, dass aufgrund der nicht mehr klar sichtbaren äußeren Ringe weitere 20 bis 30 Ringe hinzuzurechnen seien. Er hielt daher fest, dass man mit guter Begründung von etwa 300-jährigen Linden sprechen könne. Diese Aufzeichnungen wurden später durch einen Brief von Karl Brandner vom 7. Februar 1990 an den Herausgeber der Pechgrüner Erinnerungsbücher weitergegeben.
Die Pechgrüner Linden existieren nicht mehr. Durch die überlieferten schriftlichen und bildlichen Quellen lassen sich ihr Standort, ihre Dimensionen und ihre Bedeutung als Wahrzeichen des Dorfes jedoch weiterhin nachvollziehen.