Die Schule in Pechgrün

Schulhaus, Eckl Huaf und die nähere Umgebung

Der »Eckl Huaf« war ursprünglich der Hof des Gründers von Pechgrün, er müßte eigentlich Hanrich oder Huinzl Huaf heißen. Anfang des 19. Jahrhunderts heiratete ein Sättler, aus der großen Sättlerfamilie von der »Ecklmühle« in diesen Hof ein, der Hausname »Eckl« setzte sich im Laufe der Zeit bei der Bevölkerung durch. Dieser Stammsitz bestand eigentlich aus zwei Höfen, sie bekamen bei der Hausnummerierung die Nummern 1 und 2. Nummer 2 muß der Hof des »Neibauern« gewesen sein. In diesem Hof sind alle mir bekannten Hanrichvorfahren bis zurück ins Jahr 1766 geboren. Diese beiden Höfe standen sich gegenüber und waren einstöckige Egerländer Einheitsbauernhäuser mit reichlich Fachwerk. Die Scheunen dieser beiden Höfe standen im Winkel zum Wohn- und Stallgebäude und bildeten einen großen, zum Bach hin offenen Hof. Das Haus Nr. 2 wurde 1875 an die Gemeinde verkauft, es wurde die erste Pechgrüner Volksschule darin untergebracht. Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts wurde das einstöckige Schulgebäude der zweiklassigen Volksschule gebaut. Es war im Winkel an den ehemaligen »Neubauernhof« gebaut. Ein Teil des offenen. Hofraums wurde zum Schulgarten umfunktioniert und ein Zaun trennte von nun an die beiden Stammhöfe der Nachkommen des »Hedenricus de Pethgrün«.

Volksschule von Pechgrün im Haus #2
Schulklasse 1935/36, Jahrgang 1922-26
Schulklasse 1935/36, Jahrgang 1922-26

Das Haus Nr. 1 der »Eckl Huaf« stand mit seiner Rückseite nach Süden. Die Giebelseite hatte reichlich Fachwerk, bis dieser 1932 mit Eternitplatten verdeckt wurde. Zur gleichen Zeit wurde das Strohdach durch ein Eternitschieferdach ersetzt. Damals war ich Schüler im 4. Schuljahr und der Unterricht fand in der zweiten Klasse statt. Durch die beiden rückwärtigen Fenster des Klassenzimmers konnte man die Arbeit der Dachdecker gut beobachten. Neben einem großen zweiflügeligen Tor führte noch ein »Gårtntürl« in den Hofraum. Vom »Türl« bis zur Scheune gab es eine breite »Stoa(n)bruck«, sie war niveaugleich mit dem Hofraum. Gegenüber der Haustür führte im »Brunnahaisla« eine »Sttoa(n)stejch« hinab zur »Grou«, Neben dem Brunnenhäuschen gegenüber der Stalltür war der Misthaufen. Die Doppelscheune hatte zwei große »Sto(d)ltåua«, man konnte vom Hof als auch vom Neurohlauer Weg aus hineinfahren. Neben der Scheune und der Umzäunung der Schule gab es ein zweites Tor, durch das man in den Hof gelangen konnte. Hinter dem Haus durch den Bach begrenzt, begannen die Wiesen, die zum Anwesen gehörten. Unmittelbar am Haus gab es einige Obstbäume, längs des Baches standen Erlen. Im Winkel zwischen Haus und Bach gab es Jahr für Jahr einen großen »Strouhaffm«.

Im Haus Nr. 2 war die Wohnung des Schulleiters; wir nannten ihn »Oberlehrer« und man brauchte schon einige Phantasie, um sich vorzustellen, daß früher in den Gewölben, in denen das Brennmaterial für die Schulheizung lagerte, Kühe und Kälber gehalten wurden. Im oberen Stockwerk befanden sich Wohn- und Schlafräume. Vor der Fertigstellung des angebauten, einstöckigen Schulgebäudes wurde in diesen Räumen Schule gehalten. Das Schulhaus selbst war einstöckig und hatte an der Gartenfront neben der Doppeltür vier Fenster. Im ersten Stock waren es fünf. Das erste in der Reihe brachte Licht ins »Kabinett«. In diesem Raum wurden Lehr- und Lernmittel, wie: Landkarten, ausgestopfte Tiere, in Spiritus konservierte Kreuzottern und Frösche sowie zwei physikalische Demonstrationsgeräte aufbewahrt. Der besondere Stolz war eine »Induktionsmaschine«. Mit ihr konnte man statische Elektrizität erzeugen und kleine Blitze simulieren. Mit Hilfe dieses Gerätes konnte man auch bei dazu geeigneten Schülern elektrische Funken aus der Nasenspitze ziehen. Die Klassenzimmer waren hoch und hell. 1929 bekam das untere, 1932 das obere Klassenzimmer elektrisches Licht. Zwischen dem alten und neuen Schulhaus in einem Winkel, gab es einen sogenannten Turnplatz, auf dem früher einmal ein Reck aus Holzpfosten stand. Dieser Platz lag wesentlich tiefer als der vorbeiführende Weg und maß im günstigsten Fall drei mal vier Meter. Am Zaun des Schulgartens entlang standen Apfel- und Birnbäume, es gab auch Beerensträucher. Während der Erntezeit hatte der Oberlehrer mehr Mühe, die Kinder von seinen Sträuchern fernzuhalten, als ihnen das ABC beizubringen. Vom »Eingangstürl« bis zur Schulhaustür war der Weg mit Granitplatten gepflastert. Vor der »Schoelltür« gab es eine »Bruck«, von der führte eine Stufe ins neue und zwei Stufen ins alte Schulhaus. Ein schmales Beet lief am Hause entlang. Auf ihm konnte deshalb nichts wachsen, weil es von den Kindern beim Verlassen der Schule als Trampelpfad benutzt wurde. Den Erstklässlern erzählte der Oberlehrer immer, daß er in dieses Beet »Nahnåu(d)lsåuma« gesät hätte und daß es streng verboten sei, das Beet zu betreten.

Hinter der Schule fiel der Weg zum »Eckl Huaf« etwas ab. In diese Erhöhung war das »Äidana Haus«, Haus Nr. 65, teilweise hineingebaut. Dieses Häuslerhaus hatte zu irgendeiner Zeit einmal einen Stall, den der »Wickn Seffn« vor der Jahrhundertwende zu einem Laden umgebaut hatte, denn in diesem Haus gründete und betrieb er sein Gemischtwarengeschäft. Die Scheune mit Ziegenstall stand an der Rückseite der Schule und ganz nah am hinteren Tor des »Eckl Hofes«, Der letzte Besitzer dieses Hauses war der »Äidana Seff«, er handelte mit Milch. Er brachte die Milch in einem Handwagen, den er selbst ziehen mußte, nach Chodau, wo er sie an seine Stammkunden verkaufte.

Der Weg nach Neurohlau führte in einem engen Bogen so um die Schule herum, daß er fast eine perfekten Kreis beschrieb. Gleich neben der Brücke beim »Eckl Huaf« stand am Bach eine große »Huulerstaun«. Auf der anderen Seite des Weges gab es am Bachrand zwei Apfelbäume und einen Kirschbaum. Vor der Schule und bei der »Pumpm« verbreiterte sich der Weg. Dann stieg er bis zur Abzweigung in den »Wiezenzen Huaf« leicht an, um dann zwischen dem »Aidana Haus« und dem »Hiacha Richardn« wieder abzufallen. Von dort führte der Weg in einem flachen Linksbogen bis zum »Homer Tone«. Gegenüber der hinteren Einfahrt zum »Eckl Huaf« stand eine alte Birke im »Kölwer Gartn«. Dieser Kölwergarten war etwa 50 m lang und ca. 20 m breit. Noch auf der Ebene grenzte »Hiacha Richards« Obstgarten an. Dieser war gleich lang, jedoch schmäler. Nur am unteren Ende war er um die Breite des »Wiezenzen Gartens« tiefer. Eine »Möhlpamperlhecke« trennte diesen Garten von einem Kartoffelacker, welcher der »Schindler Mare« gehörte. Auch »Wiezenzens« Obstgarten war nur wenige Meter breit, er stieg allmählich an und erreichte beim Haus seine höchste Erhebung.