Siehrfelsen

Ein Findling mit eingraviertem Namen – ein Ort der Erinnerung

Siehrfelsen

Der Siehrfelsen ist ein großer Findling am steilen Hang oberhalb des Wolfsschlagbachs. Er ist kein offizieller Kartenpunkt, aber ein Ort, der in den Pechgrüner Geschichten und Erinnerungen ausdrücklich erwähnt wird: Heinrich Siehr hat seinen Namen dort in den Stein geritzt – eine kleine, einfache Geste, die bis heute sichtbar geblieben ist.

Wenn man von Pechöfen, Hammerhäusern und Raubsack her nach Pechgrün kam, also von Nordnordosten, führte ein Waldweg durch die »Wulfslauch« (Wolfsschlag), ohne Brücke über den von Kofel kommenden Wolfsschlagbach, unten vorbei am Katzensilberloch (Glimmer). Dort hat unser Freund Heinrich Siehr, mitten im Zweiten Weltkrieg, während seines letzten Urlaubs, seinen Namen in einen großen Findling gemeißelt. Als wenn er geahnt hätte, dass er aus diesem mörderischen Gemetzel nicht mehr heimkehren würde. Heinrich, der im Wald daheim war wie nicht viele andere, wollte wenigstens mit diesem Stein in der Heimat bleiben.

Anton Strunz, Pechgrün – Geschichte und Erinnerungen, Band 1

Claus vor dem Siehrfelsen mit der eingravierten Inschrift
Der Findling mit der eingeritzten Inschrift. (Foto: Claus, 2024)

Der Siehrfelsen ist damit zu einem Gedenkstein geworden – nicht nur für Heinrich Siehr, sondern auch für Pechgrün selbst. Heinrich ist im Krieg umgekommen, Pechgrün ist verschwunden. Der Felsen mit seinem Namen ist geblieben.

Udo vor der eigenen Gravur am Affenfelsen
Eine spätere Fortsetzung derselben Idee: unsere eigenen Initialen am Affenfelsen (Mai 2025).

Der Siehrfelsen wurde für uns auch deshalb wichtig, weil er auf dem Weg lag, auf dem Claus ursprünglich nach dem Affenfelsen gesucht hat. Als wir den Affenfelsen später gemeinsam fanden, war die alte Inschrift am Siehrfelsen eine stille Inspiration: Auch wir haben dort unsere Namen hinterlassen – nicht aus demselben Anlass, aber mit dem Bewusstsein, dass solche Spuren in dieser Landschaft schon lange existieren.

Der Siehrfelsen steht damit zwischen zwei Ebenen: als konkret auffindbarer Ort im Gelände – und als Erinnerungspunkt an ein Leben, das sehr früh abgebrochen ist.