Wehrmühle
Mühle am Schwarzebach zwischen Pechgrün und Kösteldorf
Wehrmühle
Die Wehrmühle lag am Schwarzebach westlich von Pechgrün, an dem Weg, der vom Dorf zur Wehrmühle und weiter nach Kösteldorf führte. Sie befand sich bereits außerhalb der eigentlichen Ortslage von Pechgrün und gehörte verwaltungsmäßig zur Gemarkung Kösteldorf, war jedoch eng mit dem Alltag und der Geschichte Pechgrüns verbunden. Die Kinder der Wehrmühle gingen in Pechgrün zur Schule, und der Weg dorthin führte über vertraute Pechgrüner Fluren.
Die Mühle lag idyllisch im Tal des Schwarzebachs, umgeben von Wald, Wiesen und Teichen. Der Bach trat hier aus dem Wald heraus und wurde durch ein Wehr aufgestaut, das den Betrieb der Mühle ermöglichte. Der Ort war abgelegen, zugleich aber ein selbstverständlicher Bestandteil der dörflichen Umgebung und des Wegenetzes rund um Pechgrün.
Geschichte und Nutzung
Die Wehrmühle existierte nachweislich seit der frühen Neuzeit. Sie wird bereits im Zusammenhang mit Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges erwähnt und wurde nach dieser Zeit wieder aufgebaut. Obwohl sie im Kataster zu Kösteldorf geführt wurde, gehörte sie zum Gut Ober-Chodau.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Mühle in Betrieb. Mit den tiefgreifenden landschaftlichen Veränderungen im Zuge des Bergbaus verlor sie ihre Funktion. Der Bachlauf wurde umgeleitet, und der Mühlenstandort aufgegeben. Die Gebäude wurden schließlich abgerissen.
Im Unterschied zu großen Teilen von Pechgrün wurde der Standort der Wehrmühle nicht von der Abraumhalde überdeckt. Der Ort liegt bis heute außerhalb der Halde, auch wenn die ursprüngliche Landschaft stark verändert ist.
Überlieferung und Legende
Zur Wehrmühle existiert eine überlieferte Legende, die in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückreicht. Der Erzählung nach fand im Mai 1632 in der Wehrmühle eine große Hochzeit statt. Die Tochter des Müllers sollte einen Jäger heiraten, als während der Feier schwedische Deserteure, die in jener Zeit in Gruppen durch die Region zogen, die Mühle angriffen.
Die meisten Hochzeitsgäste flohen, doch der Bräutigam stellte sich gemeinsam mit den Müllergesellen und seinen Freunden den Angreifern entgegen. Er setzte seine Braut auf ein weißes Pferd und befahl ihr, auf dem Forstweg in Richtung Rájec zu reiten. Entgegen seinem Befehl kehrte sie jedoch nach einiger Zeit zur Mühle zurück und geriet bei ihrer Ankunft in den heftigsten Teil des Kampfes. Eine verirrte Kugel traf ihr Pferd, das stürzte und die Braut unter sich begrub.
Während des Gefechts brannte die Mühle nieder. Der Müller soll es schließlich geschafft haben, die Angreifer zu besiegen. Als wütender und halb verzweifelter Bräutigam brachte er die gefangenen Soldaten zu einer nahe gelegenen Quelle, wo er sie erschlug und begraben ließ.
Der Legende nach erscheint seit jener Zeit gelegentlich ein weißes Pferd in den Wäldern zwischen Kösteldorf und Pechgrün, besonders in dunklen, stürmischen Nächten. Es soll so schnell sein, dass man es kaum sehen könne, wohl aber das Klopfen seiner Hufe und ein dunkles, klagendes Wiehern höre.
Erinnerung heute
Die Wehrmühle ist heute aus der Landschaft verschwunden, lebt jedoch in Erzählungen, Zeichnungen und Erinnerungen fort. Sie war ein Ort des Arbeitens, des Durchgangs und der Begegnung – und zugleich ein Ort, an dem sich Geschichte und Überlieferung überlagern.
Im Mai dieses Jahres wurde am Standort der Wehrmühle eine Gedenktafel angebracht. Sie erinnert an die Mühle selbst, an ihre Bedeutung für die Region und an einen Ort, der zwar nicht verschüttet wurde, aber dennoch aus dem alltäglichen Landschaftsbild verschwunden ist.