Da Drrrn

Ein Gedicht von Erich Heinzl über das Pepperl, seinen kleinen Bruder

Das Gedicht ist im Egerländer Dialekt geschrieben. Für jemanden, der mit dieser Mundart nicht vertraut ist, ist es vermutlich kaum möglich, den Text auf Anhieb zu verstehen. Obwohl meine Großeltern – und etwas weniger auch meine Eltern – so gesprochen haben, muss selbst ich mir die Verse laut vorlesen, um sie einigermaßen zu erfassen.

Wenn du möchtest, kannst du das Egerländer Wörterbuch benutzen, das mein Onkel Erich verfasst hat, um einzelne Wörter nachzuschlagen. Oder du klickst einfach auf eine Zeile, die dir nicht ganz klar ist – dann wird erklärt, was dort gemeint ist.

Es lohnt sich jedenfalls, sich Zeit zu nehmen und das Gedicht Zeile für Zeile zu verstehen, vielleicht sogar zu versuchen, den Klang der Sprache nachzuahmen. Es ist sehr schön, witzig und liebevoll geschrieben und beschreibt auf beispielhafte Weise, wie der große Bruder seinen kleinen Bruder erlebt und in Erinnerung behalten hat.
Da Drrrn
S Bejwl woa nuu recht kloa(n,
Koa Mänsch denkt, dasma dåu scho(n Ra(d)lfåhrn koa(n,
San Bodvadda owa håut dåu ånnascht denkt
Uu håut nan z’Weihnåchtn a Fåhrr(a)d’l gschenkt.
S’ Ra(d)l woa råut uu d’ Gråiß håut påßt,
S’ håut an Freilauf ghått, uu s’ Bremsen wåa aa koa Låst.
S’ Fåhrnlerna woa füas Bejwl aa recht leicht,
A Bißl am Såttl haltn håut schon greicht.
Sua long da Voda dees håut denkt,
S’ Bejwl scho(n aloin in da Stråuß oi lenkt.
A Motoa füas Ra(d)l waa holt aa nu schäjn,
Waals owa neat san koa, mouß Drrn, Drrrn va sölwa gåjhn.
S’ Peppal startet s’ Ra(d)l wej an Motoa,
Waal ma ba dean Ra(d)la zruckwårts tre(t)n koa.
Drrrn, drrrn schnurrt ea ban Drehgasge(b)m,
Denn suaran Start håust mejn mietdale(b)m.
Båal drrrnt ea durchs Dorf uu ims Haus,
Füa d’ Nåchbern woa dees a rechta Graus.,
Unna olwara Harras håut dåzou nu baalt,
håut afs Bejwl gwårt, is voa da Loontüa ghaalt.
Leit gets assn Wech, da Wickn Drrrn kinnt,
Waal s’ Bejwl uu dea Huund koa Rücksicht nimmt.
Wickn Drrrn hoo neat ii dafunna,
Af dean Nåuma san Dorfleit va sölwa kumma.
Waa s’ Pepperl neat gwaxn, waa dahoim ea bliem,
Nu heint täjtm(a)n häjan, mietn Drrn håut-a-se Zeit vatriem.
Sechzich Gåua san seit dåmåls vagonga,
Owa oan dej Drrrnzeit håuta quies oft nuu s’ Valonga.

Quelle: Pechgrün – Geschichte und Erinnerungen, Band 2 (1993)

Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Egerländer Wörterbuch einzelne Begriffe erklärt, die heute kaum noch geläufig sind. Und wer den Dialekt nicht nur lesen, sondern auch hören will, kann ihn auf einer weiteren Seite in gesprochener Form erleben. Denn gerade der Klang der Sprache gehört untrennbar zu dem, was dieses Gedicht ausmacht.
Josef Heinzel mit seinem Fahrrad in Pechgrün auf der Dorfstraße (mittleres Dorf), vor Haus 24.
Josef Heinzel („Pepperl“, „Da Drrrn“), der kleine Bruder von Erich Heinzl – fotografiert in Pechgrün auf der Dorfstraße (mittleres Dorf), mit seinem neuen Fahrrad vor Haus 24. Im Hintergrund: Schleudersteine am Schwarzebach.