Josef Moder erzählt

„Ich war weder Tscheche noch Deutscher“

Josef Moder, der von seinen Freunden Pepp genannt wird, wurde 1938 in Ober-Chodau geboren. Das benachbarte Pechgrün war bis zum Ende der Grundherrschaft im Jahr 1850 den Gütern Ober-Chodau beziehungsweise Unter-Chodau untertan. Anders als die meisten Sudetendeutschen wurde Josef Moder mit seiner Familie nach dem Zweiten Weltkrieg in der Tschechoslowakei zurückgehalten. Erst 1966 konnte er mit seiner Familie nach Bayern übersiedeln.

Für diese Website ist Josef Moder weit mehr als ein Zeitzeuge. Durch ihn gelangten die drei Bände Pechgrün – Geschichte und Erinnerungen in meine Hände. Sie wurden zur wichtigsten Grundlage meiner Recherchen und gaben schließlich den Anstoß zur Entstehung dieser Website. Bis heute unterstützt Josef Moder Claus Kircheiss und mich mit seinem umfangreichen Wissen über Chodau, Pechgrün und das Egerland. Ebenso wertvoll sind seine langjährigen persönlichen Kontakte zu Heimatforschern, Zeitzeugen und Verantwortlichen in der Region, durch die sich immer wieder neue Hinweise und Recherchemöglichkeiten ergeben.

Josef Moder erinnert sich an seine ersten Schuljahre während des Zweiten Weltkriegs. Das 2025 aufgezeichnete Interview wurde auf Tschechisch geführt. Deutsche Untertitel können über die CC-Schaltfläche eingeblendet werden.
Quelle: Paměť národa – Zeitzeugenporträt Josef Moder (2025)

Deutsche Übersetzung

„An diese Zeit habe ich eine ganz besondere Erinnerung. In die Schule gegenüber dem heutigen Rathaus kam ich 1944. Schon nach Weihnachten mussten wir bei jedem Fliegeralarm den Unterricht verlassen.

Vor dem Schulgebäude mussten wir antreten, während über uns amerikanische oder sowjetische Flugzeuge flogen. Die Lehrer forderten uns auf, ‚Heil Hitler‘ zu rufen. Können Sie sich das vorstellen? Das war schrecklich. Diese Szene bekomme ich bis heute nicht aus dem Kopf. Wahrscheinlich wurden die Lehrer selbst dazu gezwungen.“


Ein Leben zwischen zwei Welten

Josef Moder wurde 1938 in Ober-Chodau geboren und erlebte als Kind Krieg, Zusammenbruch und die schwierige Nachkriegszeit. Während die meisten Sudetendeutschen ihre Heimat verlassen mussten, wurde seine Familie zurückgehalten, weil Josefs Vater als unentbehrliche Fachkraft in der Chodauer Porzellanfabrik benötigt wurde. Für Josef bedeutete dies jedoch ein Leben zwischen zwei Welten: Als Deutscher in der Tschechoslowakei blieb ihm trotz guter Leistungen der Zugang zu einer höheren Schulbildung verwehrt.

Josef Moder - Familie 1943
Josef Moder mit seinem Bruder und den Eltern Emma und Anton Moder zu Beginn der 1940er Jahre.

Obwohl Josef Moder in seiner Heimat verwurzelt war, wuchs in ihm der Wunsch, die Tschechoslowakei zu verlassen. Entscheidend waren weniger wirtschaftliche Gründe als die Erfahrung, als Angehöriger der deutschen Minderheit dauerhaft benachteiligt zu sein. Trotz guter Leistungen blieb ihm der Zugang zu einer höheren Schulbildung verschlossen, und er sah für sich und seine Familie keine gleichberechtigte Zukunft.

Josef Moder - 1957
Josef Moder im Jahr 1957 in Chodau.

Besonders wichtig war ihm, dass seine Kinder unter anderen Bedingungen aufwachsen können als er selbst. Den Antrag auf Ausreise stellte Josef Moder bereits viele Jahre vor seiner Ausreise. Erst nach mehreren Anträgen erhielt er schließlich die Genehmigung, die Tschechoslowakei zu verlassen und übersiedelte 1966 nach Regensburg.

Mit der Übersiedlung nach Bayern begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Durch Fleiß, Beharrlichkeit und ständige Weiterbildung arbeitete er sich vom Gärtner zum Landschaftsplaner und schließlich zum gerichtlich bestellten Sachverständigen für Garten- und Landschaftsbau empor – ein beruflicher Weg, der ihm in seiner alten Heimat kaum offen gestanden hätte.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs setzte sich Josef Moder mit großem Engagement für die Wiederannäherung zwischen seiner Heimatstadt Chodov und den ehemaligen deutschen Bewohnern der Region ein. Für seinen Einsatz wurde er sowohl von der Stadt Chodov als auch vom Bistum Pilsen ausgezeichnet. Sein umfangreiches Wissen über Chodau, Pechgrün und das Egerland sowie seine langjährigen persönlichen Kontakte machen ihn bis heute zu einem wertvollen Ansprechpartner für die regionale Heimatforschung.

Josef Moder - mit Claus und mir bei sich zu Hause
Bei einem Besuch im Jahr 2025. Von links: Udo Dengler, Josef Moder und Claus Kircheiss.

Mit seiner Offenheit, seinem Wissen und seiner Bereitschaft, seine Erinnerungen und Erfahrungen weiterzugeben, trägt Pepp Moder dazu bei, dass die Geschichte Chodaus, Pechgrüns und des Egerlandes auch für künftige Generationen lebendig bleibt.