Mittleres Dorf
Vom Pleierhaisla zur Pumpm
Im mittleren Dorf bildet der Bach die eigentliche Achse: an ihm liegen Wasserlöcher, Brücken, kleine Plätze und die eng gestaffelten Höfe, von denen der Text erzählt. Zwischen Friedls Weja, Sahler Kårls Wåsserluach und dem Platz bei Wickns Lo(d)n verdichtet sich Pechgrün zu einem Geflecht aus Straße, Ufermauer, Stegen und kurzen Wegabzweigen. Der Dorfanger mit Steigerhaus, Trafik und den Aufgängen zu P(ü)lzns Berch und Kutscherberch erweitert diesen Raum um eine zweite Ebene. Das Luftbild ordnet die Lage der Häuser und macht die räumlichen Sprünge der Beschreibung nachvollziehbar.
Die Ufermauer des Baches war zwischen »Friedls Weja« und »Sahler Kårls Wåsserlouch« rechtseitig mindestens zwei Meter hoch und beim »Boochhuppn«, einem beliebten Spiel der Dorfbuben, bedurfte es einer besonderen Technik, vom niedrigen auf das höhere Ufer zu springen, was nur wenigen von uns gelang. Bei jedem Fehlversuch landete man im Wasser des Baches. Nicht nur die Bachmauer war an dieser Stelle sehr hoch, auch die Schleudersteine, die die Straße säumten, waren die höchsten, die ich kannte. Außer »Boochhuuppn« (siehe Abb. 91) war auch das »Stoanhuppn«, das Überkrätschen der Schleudersteine sehr beliebt. Bei der letzten dieser Steinsäulen war das Überspringen sehr schwierig, weil sie die höchste war und die Aufsprungstelle nicht nur sehr klein, sondern auch Teil der Treppe war, die zu »Sahler Kårls Wåsserluach« führte. Verfehlte man diese Platte, so landete man auf den Stufen dieser Staffel oder im Bach. Die Landung im Wasser nach 2,5 m Luftfahrt war nicht sehr sanft. Mir ist allerdings nicht bekannt, daß sich einer der Dorfbuben bei dieser Übung ein Bein oder einen Arm gebrochen hätte. Da diese Hüpferei meistens im Sommer betrieben wurde, zu einer Zeit, wo alle Buben barfuß liefen, gab es höchstens verstauchte Zehen oder zerschnittene Fußsohlen.
- Nr. 9: Gasthof "Grüner Baum" der Fam. Franz Moder (später Ernst Moder)
- Nr. 22: "Friedl Haus" der Fam. Redelbach
- Nr. 23: "Schouster Lang Haus" der Fam. Aloisia Lang
- Nr. 42: "Sahler Kårl Haus" der Fam. Karl Kraus
- Nr. 53: Wohnhaus der Witwe Unger, auch "Schindler Berta" genannt
- Nr. 73: "Pleierhaisl" des Bäckers Josef Stöckner
An der Abzweigung nach Stelzengrün, zwischen dem »Pleierhaisla« und dem Weg, war ein Sammelkasten für das Regenwasser mit einer Unterführung zum Bach eingerichtet. Straße, Weg und »Pleierhaisl« bildeten ein nur wenige quadratmetergroßes Plätzchen. Auf dem wurde der Maibaum aufgestellt, wenn der Pleierwirt ein Maibaumkränzchen veranstaltete. Das zum Gasthaus gehörende große Wiesenstück hinter dem »Pleierhaisla« wurde bei großen Veranstaltungen, wie »Feuerwehr-Gautag«, als Festwiese verwendet. Einen Teil dieses Grundstücks kaufte der »Siegert Franz«, um sein Haus darauf bauen zu lassen.
Früher war das »Pleierhaisl«, Haus Nr. 73 nur Wohnhaus, zuletzt auch noch Bäckerei. Jahrzehntelang gab es in Pechgrün keinen Bäcker. Das Brot und die Semmeln wurden von Bäckern aus den Nachbardörfern geliefert und im Laden verkauft. Die Hanrich Emma holte jeden Morgen bei einem Bäcker in Chodau frische Semmeln und brachte sie den Interessenten ins Haus. Der »Stöckner Pepp« kaufte dieses Haus und baute einen Backofen ein. Von der Straße aus führten einige Stufen zur Haustür, und an der Rückseite des Hauses hatte der Hausflur auch noch einen Ausgang. Die Wohnräume, in denen früher die »Möhlmattls« wohnten, wurden Backstube, der Hausflur wurde zum Verkaufsraum umgestaltet. Es war ein guter Standort für einen Bäckerladen. Zuvor gaben viele Kleinbauern und Häusler das angebaute Korn in kleineren Mengen dem Doglasgrüner Bäcker, der den Roggen mahlen ließ und dann aus dem Mehl Brote gebacken hat, welches er zweimal in der Woche mit einem kleinen überplanten Pferdegespann ins Haus lieferte.
Das »Friedlhaus«, Haus Nr. 22, war ebenfalls nur Wohnhaus und grenzte mit seinem Garten, in dem einige Birnbäume standen, an das »Schouster-Lang« Grundstück. Hinter dem Haus begann »Euins Paint«, ein größeres Wiesengrundstück mit einer sumpfigen »Suttl« gleich hinter dem Heuschuppen, der beim »Friedl« im Garten stand. Etwas weiter entfernt, schon näher beim »Euin Huaf«, stand ein Vogelbeerbaum, unter diesem Baum gab es einen Brunnen. Die »Bruck« vor »Friedls Haus« war ein gern besuchter Versammlungsplatz. Bei gutem Wetter saßen dort ältere Männer zusammen und redeten von Politik oder vom »Aafstölln«, womit man die Beschäftigung mit dem Singvogelfang bezeichnete. Die Jüngeren, besonders die Buben saßen dabei und lauschten den Erzählungen der Männer. Von der Bruck führten drei Stufen zur Haustür. Auf beiden Seiten der Tür gab es zwei Fenster zur Straße. Nur wenige Zentimeter über der Tür begann das schwarze »Påppdooch«. Auf der Giebelseite schauten zwei und in der »Schöißn« ein Fenster in den Garten. In der Ecke dieses Gartens, an der Einfahrt zu »Langs« Hinterhof, stand ein Marterl, das der »Euinbauer« dort aufstellen ließ. Der Ziegenstall und das gewisse Örtchen befanden sich hinter dem Haus.
- Nr. 23: "Schousta Lang Haus" der Familie Aloisia Lang
- Nr. 24: "Wickns Loa(d)n" der Famile Adolf und Frieda Heinzl
- Nr. 40: "Howara Wenzl Haus" der Fam. Wenzl Lochschmidt
- Nr. 42: "Sahler Kårl Haus" der Fam. Karl Kraus
- Nr. 46: Gemeindehaus (früher auch Armenhaus genannt)
Ein einstöckiges Egerländer Kleinbauernhaus war das »Schouster-Lang Haus«, Haus Nr. 23, mit Stall und Scheune unter einem Dach. Allerdings hatte dieses Haus, obwohl eines der ältesten Pechgrüner Häuser, kein Fachwerk. Der Giebel war mit Brettern verschalt. Das ursprüngliche Strohdach wurde später mit Dachpappe gedeckt. Das Haus war etwas von der Straße abgesetzt. Vor der Haus- und der Stalltür gab es eine kleine Bruck, die jedoch nicht bis zum Straßenrand reichte. Eine zweite Scheune war so nah an das Wohnhaus gebaut, daß man gerade noch einen Schubkarren in den Hinterhof durchschieben konnte.
Die linke vordere Ecke von »Langs« Scheune und das rechte, hintere Hauseck von »Schouster Mares« und »Sahler Kårls Haus«, Haus Nr. 42, berührten sich fast. Dadurch entstand ein viereckiger Platz vor der Scheune. Ein grasüberwachsener Hügel war an der rechten Giebelseite vom »Schousta-Sahler Haus« aufgeschüttet. Unter diesem Hügel befand sich ein Teil von »Sahlers« Keller. Durch ein kleines, steinumrandetes Loch in diesem Haufen konnten die Feldfrüchte, Rüben und Kartoffeln in den Keller gebracht werden, in welchen man durch eine Falltür in der »Stu(b)m« gelangen konnte. Das Schousta/Sahla Haus« war ebenerdig und hatte zur Straße links der Tür zwei und rechts davon ein Fenster. Das Dach war ohne Dachrinne und war mit »Doochpåpp« gedeckt. Über der Haustür war aufs Dach ein winziger Erker aufgesetzt. Durch dieses Fensterchen bekam die Stiege ins Dachgeschoß Tageslicht. Auf der Giebelseite gab es zwei Fenster im Erd- und ein Fenster im Dachgeschoß. Die Scheune mit Stall, die zum Anwesen gehörte, war richtungsgleich mit dem Haus gebaut (allerdings war das rechte, vordere Scheuneneck etwa 3 m vom linken, hinteren Hauseck, entfernt). Meine Mutter und auch meine Großmutter waren in dem Haus Nr. 42 geboren. In diesem Zwischenraum stand an der hinteren Grundstücksgrenze ein Schuppen fürs Brennmaterial. Das Terrain hinter dem Haus, auf dem ein paar Obstbäume standen, war etwas höher als vor dem Haus. Ein Fenster aus der »Stu(b)m« in den Garten befand sich nur wenige cm über dem Gartenboden, es war für die »Schousterboum« eine günstige Gelegenheit die »Stu(b)m« zu verlassen, wenn sie die Tür nicht benutzen wollten. Im Garten war ein Brunnen, der Wasser für die Familie und das Vieh lieferte. Das Stück Land hinter der Scheune war verwildert und wurde wirtschaftlich nicht genutzt. Unkraut wie Brennesseln und Doggenblätter verdrängten jeden Grashalm, der versuchte dort zu wachsen. Die Scheune hatte ein Tor zur Straße und ein anderes auf der Rückseite des Stadels. Ein dreieckiger Platz. wurde vom Haus, der Scheune und der Straße gebildet. Er war festgetreten wie eine Tenne. Eine mit Steinen ausgelegte Rinne, beginnend beim »Friedl Haus«, brachte das Regenwasser bis zu einem Gully (Senkkasten) auf der rechten Straßenseite in unmittelbarer Nähe von »Sahlers« Scheunentor. Von dort lief er unterirdisch zum Bach. Von diesem Plätzchen aus hatte man eine schöne Sicht ins »Intara Dorf«.
Bei »Sahler Kårls« Wasserloch änderte der Bach seine bisherige Laufrichtung. Er bildete im Verein mit der Straße den Vorplatz bei »Wickns Lo(d)n« (Haus Nr. 24). Am linken Eck dieses Platzes führte eine Holzbrücke mit Geländer über den Bach. Zwischen »Schindler Bertas Brückl« und dieser Brücke war »Bossen Knopps Bud« über den Bach gebaut. Wegen der Errichtung dieser Bude gab es im Gemeinderat heftige Auseinandersetzungen, bis sie schließlich doch an dieser Stelle gebaut werden durfte. Die »Bud« war ein aus Brettern gebautes Häuschen, in dem der »Knopp« Süßwaren verkaufte. Wenn sie an Sonntagen geöffnet war, war die Bud voll mit Kindern, die dort ihr Sonntagsgeld verpraßten. Stand man vor der Bud, so konnte man entlang der Straße ins »Iawara Dorf« sehen. Im Vordergrund standen die beiden großen Ahornbäume vor Glöckners Wirtshaus, dann folgten die Kastanienbäume beim »Wåstlwirtshaus« und dem Kriegerdenkmal, darüber hinaus ragte der Wipfel von »Ruasns Poopl«, ein Stück vom Mitterberg und der Knickerhau schloß die Szenerie ab.
Auf der linken Seite des Baches, von »Schindler Bertas« (Nr. 53) bis zu »Möhl Mares« (Nr. 4) Haus erstreckte sich der Dorfanger, ein Platz auf dem sich die Dorfjugend vergnügte, auf dem die Reitschule (Karussell) aufgebaut wurde, wenn ein solches Unternehmen einmal in Pechgrün gastierte. Auf diesem Platz war das »Steicherhaisl« (siehe Abb. 99) der Pechgrüner Feuerwehr erbaut, eine Holzkonstruktion auf einem 3x2 m großen Betonfundament. Es war 6 m hoch mit einem nach hinten abgeschrägten Flachdach. Ebenerdig hatte das »Steicherhaisl« eine Tür, an der Seite zum Bach Holzläden in 2,5 und 5 m Höhe; sonst war es fensterlos. Es diente zum Trocknen der Schläuche nach einem Brand oder einer Übung der Feuerwehr mit Wasser; es wurden auch Trockenübungen zum Erlernen der erforderlichen Handgriffe an der Spritze und im Gebrauch der Schläuche durchgeführt. Die Steiger, nach denen das »Haisl« benannt war, waren Wehrmänner, die bei einem Brand mit Leitern und Haken eingesetzt wurden und deshalb den Umgang mit Leitern beherrschen mußten. Diese Übungen wurden am Streicherhaus ausgeführt. Hinter dem Steigerhaus begann »Pü(l)zns Garten«, daneben waren »d’ Schüppla«, die zum Haus der »Schindler Berta« gehörten. Sie grenzten mit ihrer Rückseite an diesen Garten. An die »Schüppla« war ein Abort angebaut, der nicht nur von den Bewohnern des Hauses Nr. 53 benutzt wurde, er war fast als öffentliche Bedürfnisanstalt zu bezeichnen. Ein Zaun trennte diese Schuppen vom Holzplatz und verhinderte, daß man in den Wassergraben, der vom Hechtenteich kam, trat oder fiel. Am Ende dieses Zaunes, in der Nähe dieses Hauses verschwand dieser Graben im Untergrund und mündete zwischen »Bud« und Brücke in den Bach.
Stand man auf der Brücke, hatte man drei Kleinbauernhöfe im Blickfeld. Es waren dies das »Wewerhaus«, Haus Nr. 5, rechts davon »d’ Möhl Mare«, Haus Nr. 4, und links dahinter, auf einer leichten Anhöhe »‘s P(ü)lz Haus«, Haus Nr. 8. Vor der Brücke zweigte ein Weg ab, der am Bach entlang zur Schule beim Eckl Hof über den Bach führte, um sich wenige Meter danach mit der Straße zu vereinigen. Das »Wewerhaus« dominierte den Platz links neben dem Bach. Es war mit seiner ganzen Länge von 15 m in »P(ü)lzns Berch« hineingebaut. Zwei Fenster, die Haus- und die Stalltür sowie das »Stodltoua« (Scheunentor) waren zum Bach gerichtet. Ein großes, mit schwarzer »Dooch påpp« gedecktes Dach überspannte die Front dieses Hauses. Auf seiner Rückseite schloß dieses Dach mit dem Erdboden ab und begrenzte den Hofraum vom »P(ü)lz Anwesen«. Ein uralter Birnbaum stand am linken Hauseck und überragte das Haus um einige Meter. Ein offener Bretterschuppen schützte den Hauseingang vor rauhen Winden aus Richtung »Steicherhaisl« und »P(ü)lzns Berch«. An der Giebelseite hatte das Haus drei Fenster im Erdgeschoß, das dritte war das »Stüwlfenster«. In seiner Nähe gab es eine Turnstange auf einem Fleckchen Erde, das man nicht als Vorgarten bezeichnen konnte, denn es war tennenhart von vielen Kinderfüßen festgetreten. An ihr produzierten sich Mädchen und Knaben. Manche hatten es zu großer Meisterschaft an diesem Gerät gebracht. Knie-, Bauch- und Sitzwellen wurden im Wettstreit unzähligemal wiederholt. Vor dem Haus überspannte den Misthaufen mit »Oo(d)lsuttl« die obligatorische »Stoabruck«. Sie begann an der Haustür und endete an der rechten Hausecke, wo ein paar Stufen zum Abort führten, der am Fuß eines »Rongs« (Abhang) mit mindestens 60% Gefälle stand.
- Nr. 8: "Pü(l)zns" Haus der Fam. Anton Bauer
- Nr. 24: "Wickns Lo(d)n": Gemischtwarenladen der Fam. Adolf und Frieda Heinzl
- Steigerhaus: 6 Meter hohe Holzkonstruktion der Feuerwehr zum Trocknen der Schläuche
Am »Steicherhaisl« begann der »P(ü)lzn Berch«. So nannte man den Weg zu »P(ü)lzns Haus«, Haus Nr. 8. Er war höchstens 25 m lang, mußte aber eine Steigung von ca. 30% überwinden, obwohl der Höhenunterschied zwischen Bach und »P(ü)lzns« Haustür höchstens 6 m betrug. Hinter dem Steigerhaus begann der Garten, der hinter dem Haus vorbei bis zu »Gartners« (Haus Nr. 7) und »Måtzn Mares« (Haus Nr. 6) Grundstücken reichte. Im größten Teil des Gartens bei den Nachbargrundstücken standen mehrere größere und ältere Obstbäume. Das Haus war eines dieser Kleinbauernhäuser, nur muß es in den zwanziger Jahren umgebaut worden sein, denn es hatte den typischen Erker über der Haustür, allerdings gab es einen solchen auch auf der Rückseite des Hauses. Der »Stoo(d)l stand im rechten Winkel ein paar Meter vom Haus entfernt. Der Hofraum zwischen »Wewers Dooch« und der Scheune stieg ein wenig zum benachbarten »Måtzn Haus an.
Das »Måtzn Haus«, Haus Nr. 6 (siehe Abb. 101), stand frei und ohne Zaun mit seinem. Giebel zum Bach an der Ausfahrt von »P(ü)lzns« Hofraum zum »Kutscherberch«. Direkt am Haus, jedoch am Absturz zu »Wewers« Abort stand ein »Huulzbianbaam«. Wie ich jetzt erst erfahren habe, hatte dieses Haus eines der schönsten Fachwerke im Dorf. Bei Bauarbeiten am Dachstuhl wurde dieses schöne Fachwerk zerstört. Das Haus selbst war baugleich mit vielen alten Häusern in Pechgrün. Vor dem Haus war ein freier Platz, gebildet vom Weg, der vom »Schoellberch« kam und der Auffahrtrampe des »Kutscherberchs«.
- Nr. 4: Haus der Frau Marie Heinzl ("Möhl Mare") mit Stroh gedeckt
- Nr. 4a: Haus des Heinrich Heinzl ("Möhl Hanrich")
- Nr. 5: "Wewer" Haus der Familie Wenzl Scherbaum
An der Flanke dieser Auffahrt stand der uralte »Huulzbianbaam« (Holzbirnbaum), den es dort schon viele Jahrzehnte gab; er war vermutlich schon mehr als hundert Jahre alt, dennoch blühte er jeden Frühling schöner als je ein Obstbaum im Dorf geblüht hatte. Der »Kutscherberch«, daß heißt der Weg dorhin, begann an »Wewers Oo(d)lsuttl« und endete an der Einfahrt zum »Wiezenzen Huaf«. Entlang des Weges dort wo dieser sagenhafte Birnbaum stand, wuchs nichts außer »Dornastaun« und doch ist es ein Stückchen Heimat, an das ich mich gern erinnere. Zum »Måtznhaus« gehörte auch ein Garten mit Obstbäumen, der bei der Kapelle an das Grundstück vom »Gartner« grenzte.
Ein Fußweg, beginnend bei dem Platz vor dem »Bohrturm«, führte vorbei an der »Trafik«, dem »Steicherhaisl«, zwischen »Wewers, Oo(d)lsuttl« und »Wåsserluach« hindurch zur »Pumpm« und dem Schulhaus. Auf dem Weg zur »Pumpm« passierte man die Häuser von der »Möhl Mare« (Nr. 4) und dem »Strunzn Peppm« (Nr. 38), ehe man zum »Kutscherbauernhaus« (Nr. 3) und der alten Steinbrücke über den Bach kam. Zwischen der Brücke beim »Wickn« und »Strunzns« Misthaufen standen am Bachrand zwei Kirschbäume, einer vor und der größere nach »Möhl Mares Wasserluach«. Einen Birnbaum gab es wenige Meter vom »Strunzn Haus« entfernt.
Das Haus der »Möhl Mare«, Haus Nr. 4, war mit der Rückseite in den »Kutscherberch« hineingebaut. Dort, wo der Weg zum »Kutscherberch« am Haus vorbeiführte, reichte das rückwärtige Dach fast bis zur Erde. Der Platz vor dem »Måtzen Haus« lag in gleicher Höhe wie der First von »Möhl Mares« Dach. Das Haus hatte wie die meisten alten Häuser die Scheune, den Stall und die »Stu(b)m mit Stüwl« im Erdgeschoß. Unter dem Dach gab es Kammern und über dem Stall den Haabuan. Die »Bruck« begann an der Stalltür und endete am Eingang zum Garten mit einigen Obstbäumen. Am Gartenzaun entlang befanden sich »Möhls und Strunzns Hulzplåtz«. Der Garten endete beim »Kutscherbauern«. Ein steiler Steig führte von dort am Zaun entlang zum »Kutscherberchwech«. An der Rückseite des Gartens gab es einen gemauerten Schuppen, der die gleiche Richtung wie das Haus hatte und war ebenfalls mit der Rückwand in den Berg gebaut. In den dreißiger Jahren hatte sich der »Hüttl Emil« und die »Möhl Ella« in ihm eine Wohnung eingerichtet. Der »Möhl Heinrich« hatte sich ein Häuschen mit zwei Räumen an die Rückseite des Daches gebaut. Der Eingang zu diesem Häuschen befand sich auf halber Höhe zum »Kutscherberch« und lag unmittelbar gegenüber von dem schon beschriebenen »Hulzbianbaam«. An der Vorderseite des Hauses, zwischen Weg und Bach gab es einen Misthaufen und ein Gemüsegärtchen, beide waren etwa gleich groß. Das Gemüsegärtchen umgab ein Lattenzaun und der Misthaufen war mit Bretterschwarten auffallend ordentlich umgeben. Zur Stalltür hin war diese Umzäunung offen. Am Zugang zu »Möhls Weja« stand der schon erwähnte Kirschbaum, in seiner Nähe war ein riesengroßer Rohlaquåckern (ein in Jahrtausenden rund und glattgeschliffener Granitblock) in den Weg eingebettet, der nur mit einem kleinen Teil seiner wirklichen Größe aus der Erde ragte.
Von dort bis zu »Strunzns Haus«, Haus Nr. 38, war nur ein Katzensprung. Es war dicht an den Bach gebaut, der an dieser Stelle einen leichten Bogen machte. Dadurch entstand ein Plätzchen auf der Bachmauer, das grasbewachsen und nur über das »Küchnfenza« erreichbar war. Als Bub wäre ich zu gerne einmal durch das Fenster hinausgestiegen auf dieses Fleckchen Erde, welches etwa 2 m über dem Wasserspiegel des Baches lag und gleich am Fenstersims begann. Das Haus war auch eines dieser Häuslerhäuser, nur der Stall war nicht dort, wo er bei den anderen Häusern dieses Typs sonst war; er lag in der Fortsetzung des Hausflurs, an der Rückseite des Hauses, zwischen »Stu(b)m u Küchn«. Was früher Stall gewesen sein mußte, wurde zum »Stüwl«, bzw. einer Küche umgebaut. Es war ein langer, schmaler Raum mit einem Fenster zum Weg und einem zweiten zum Bach. Daneben war ein 3 m breiter Stadel mit Gewölbe für Kartoffeln und andere Vorräte. Der letzte Besitzer, der »Strunzn Pepp« hatte das schöne Giebelfachwerk in den zwanziger Jahren gegen eine stabile Mauer ausgewechselt, um die Räume im Dachgeschoß bewohnbar zu machen. Ein »Arkerl« (kleiner Erker) über dem »Stüwlfenza« brachte Licht ins Dunkel unter dem Dach. An die rechte Giebelseite war ein Schuppen mit flachem Dach für Brennmaterial angebaut. Der Abort war in den Misthaufen hineingebaut, seine Tür öffnete sich zum Weg. Der Misthaufen war mit einem niedrigen Bretterzaun umgeben. Vor der Haustür waren Granitplatten als Bruck, wie ein Pflaster in den Weg eingelassen. »‘s Trietscheiferl«, die Schwelle, über die man das Haus betrat, war niveaugleich wie der am Haus vorbeiführende Weg. Der anschließende Blumengarten war zum Teil auch »Bleuchfleeck«. Ein großer Fliederbaum stand nahe beim Haus, direkt am Rande des Baches. Der Weg zur Schule und zur Dorfpumpe führte dicht am Haus und Garten vorbei. »Strunzns Wåsserluach« mit der »Weja« lag zwischen dem Garten und einer uralten Brücke, die bestimmt Teil eines alten Handelsweges war (siehe Pechgrünbuch Seite 207).
- Nr. 3: "Kutscherbauernhaus" der Theresia Bauer
- Nr. 4: Haus der Maria Heinzl ("Möhl Mare")
- Nr. 6: "Måtzn" Haus der Familie Anton Frank
Wenn man das »Strunzn Haus« passiert hatte, weitete sich der Weg zu einem Platze aus, der links vom »Kutscherbauern Haus«, Haus Nr. 3, rechts vom Bach mit der uralten Steinbrücke und dem Weg zum »Schoellberch« mit dem Zaun des Schulgartens begrenzt wurde.
Gegenüber der Brücke vor dem Garten des »Kutscherbauern Hauses« stand »d’ Pumpm«, um die sich vor und nach dem Unterricht die Schulkinder tummelten. Diese Pumpe holte aus einem tiefen Brunnen das Wasser für die Familien, die keinen eigenen Brunnen im Hause oder beim Grundstück hatten. Die Pumpe diente der Trinkwasserversorgung des »Intan Dorfs«. Natürlich wurde mit der Pumpe auch allerhand Unsinn getrieben. »D’ Pumpm« war früher ein übermanngroßes, verrostetes Exemplar das, nachdem es seinen Geist aufgegeben hatte, durch eine neue, leistungsfähigere, blau angestrichene, aber kleinere Pumpe ersetzt wurde.
Das »Kutscherbauern Haus« war mit seiner Rückseite in den Abhang des »Kutscherberchs« gebaut. Es war eines jener einstöckigen Kleinbauernhäuser mit reichlich Fachwerk im Giebel des Wohnteils. Bei diesem war das Fachwerk jedoch mit Kalkfarbe zugeschmiert. Im anschließenden Garten standen ein alter Apfelbaum und am Zaun zur Schule hin ein großer Fliederbusch. Eine Mauer an seiner Rückseite bewahrte den Garten davor, daß der Berg nicht in den Garten rutschte. Diese Mauer zierte ein Zaun, der bis zu einem Anbau reichte. Von ihm war fast nur das Dach oberirdisch. Die beiden Fenster einer Wohnschlafküche waren nur wenige cm oberhalb des Erdreiches und schauten zum Weg, der sich dem »Schoellberch« hinaufwand. Die Haustür führte fast unmittelbar in die »Stu(b)m«. Der First dieses Anbaues und der des Hauses waren auf gleicher Höhe. Das Dach war mit schwarzer Teerpappe gedeckt. Neben der Tür waren einige Stufen in den Hang gegraben und mit Brettern und Pflöcken gegen das Abrutschen geschützt. Über diese Stufen erreichte man den Weg, der den »Schoellberch« heraufkam. Von dort kam man über den »Kutscherberchwech« zur Brücke bei der »Bud« und zur Straße.