Der Weg Richtung Neurohlau – Teil 1
Von der Schule über Kapelle und Hechtenteich bis zur Abzweigung
Der Weg Richtung Neurohlau beginnt an der Schule und führt zunächst nicht auf der kürzesten Verbindung aus dem Dorf hinaus. Es gab auch einen direkteren Anstieg, der ohne Umwege nach oben führte und kaum bebaut war. Der hier beschriebene Weg nimmt jedoch eine Schleife über den Wöidichn Ochsn: Er erschließt die höher gelegenen Häuser am Rand des Dorfes und macht sichtbar, wie sich Pechgrün Schritt für Schritt den Hang hinauf ausdehnte. Erst von dort gelangt man wieder auf den eigentlichen Neurohlauer Weg.
Der Weg nach Neurohlau führte in einem engen Bogen so um die Schule herum, daß er fast eine perfekten Kreis beschrieb. Gleich neben der Brücke beim »Eckl Huaf« stand am Bach eine große »Huulerstaun«. Auf der anderen Seite des Weges gab es am Bachrand zwei Apfelbäume und einen Kirschbaum. Vor der Schule und bei der »Pumpm« verbreiterte sich der Weg. Dann stieg er bis zur Abzweigung in den »Wiezenzen Huaf« leicht an, um dann zwischen dem »Aidana Haus« und dem »Hiacha Richardn« wieder abzufallen. Von dort führte der Weg in einem flachen Linksbogen bis zum »Homer Tone«. Gegenüber der hinteren Einfahrt zum »Eckl Huaf« stand eine alte Birke im »Kölwer Gartn«. Dieser Kölwergarten war etwa 50 m lang und ca. 20 m breit. Noch auf der Ebene grenzte »Hiacha Richards« Obstgarten an. Dieser war gleich lang, jedoch schmäler. Nur am unteren Ende war er um die Breite des »Wiezenzen Gartens« tiefer. Eine »Möhlpamperlhecke« trennte diesen Garten von einem Kartoffelacker, welcher der »Schindler Mare« gehörte. Auch »Wiezenzens« Obstgarten war nur wenige Meter breit, er stieg allmählich an und erreichte beim Haus seine höchste Erhebung.
Ein steiler »Rong«, auf dem »Möhlpamperlstaun« wuchsen, bildete die Grenze zum »Ristinger« Anwesen, Haus Nr. 64. Dieses Haus lag versteckt hinter Stauden und Bäumen und konnte vom »Neurohlauer Weg« aus nicht eingesehen werden. Es war ein altes, »niedastandichs« (niedriges) Haus, hatte keinen Stall, auch keine Scheune. Links und rechts der Haustür gab es eine »Stu(b)m mit Stüwl«. Von der Kapelle führte ein schmaler Weg hin zum Haus. Auch auf einem Fußsteig über »Schindler Marés« Grundstück konnte man zu »Ristingers« gelangen. In diesem Haus wohnte und lebte der »Euin Tone« (Alwinas Vadder) ehe er das Haus Nr. 76 am Meiselsberch gebaut hatte.
Das Haus vom »Hiacha Richard« und der »Bauma Emma«, Haus Nr. 55, stand ein paar Meter vom Weg nach Neurohlau zurückgesetzt. Es war einstöckig und wahrscheinlich um die Jahrhundertwende gebaut. Rechts der Haustür gab es einen Blumen- und Gemüsegarten, in dem ein großer Walnußbaum stand. Von der Haustür bis zur Stalltür verlief eine sehr niedrige »Bruck«. Der Stall war zuletzt eine Garage für ein Motorrad. Im Erdgeschoß gab es neben dem Hausflur eine große Stube, welche die ganze Breite des Hauses einnahm. Darüber war ein Schlafzimmer und neben der Treppe eine kleines, schmales Zimmer, das gelegentlich an Lehrerinnen vermietet war. Auch der Eckl Franz und die »Somma Ölsa« haben dort gewohnt, bevor sie ihr neues Haus bezogen haben. Links des Hauses stieg das Gelände an und am Zaun zum Grundstück der »Hanrich Emma« gab es ein kleines »Schüppl«, in dem der »Kloi Richard« seine »Nusser« und Jungkrähen hegte. Daneben in der oberen Grundstücksecke befand sich ein großer Geräteschuppen. Der Abort war gleich neben der Stalltür ans Haus angebaut. Neben dem »Gårtntürl« stand ein »Möhlbirnbaum«. Das Grundstück war schmal aber mindestens 100 m lang. In diesem langen Obstgarten gab es viele Obstbäume.
Zwischen dem »Schoellberchwech« und der Einfahrt zum »Wiezenzen Huaf« lag das Haus der »Hanrich Emma«, Haus Nr. 52. Es soll früher zum »Hanrich Huaf« gehört haben, bevor »Wiezenzens Vooda« Hofbesitzer wurde. Im Garten meiner Tante Emma stand ein Marterl und ein »Wasserbirnbaum«. Längs des »Schoellberchwechs« gab es im Garten Akazien (Robinien). Das Haus war ebenerdig. Von der »Stu(b)m kam man ins »Stüwl«, das an der Längsseite des Hauses zwei kleine Fenster hatte. Parallel zu diesem Stübchen gab es eine Gerätekammer, durch die man in den Stall kam. Die Scheune stand auf der anderen Seite der zweiten Hofeinfahrt. Die Besitzverhältnisse waren sehr verzwickt und es gab ständig Streitereien. Am Haus entlang, im offenen Innenhof lief eine »Stoa(n)bruck« und ein Weg, der die beiden Einfahrten miteinander verband. Der Misthaufen meiner Tante lag vor den Fenstern des »Wiezenzn Hauses« auf der anderen Wegseite. Daneben waren ihre »Schüppla« und ihr »Huulzplåtz«, dieser lag sogar schon zwischen »Hiachas« Geräteschuppen und dem »Wiezenzens Gårtn«.
Der alte »Hanrich Huaf«, Haus Nr. 44 ist um die Jahrhundertwende abgebrannt. Das neue Haus hat die Baumerkmale dieser Zeit, über der Haustür den Erker mit zwei Fenstern und einen durchgehenden Hausflur, der hier in einen Schuppen führte, der an die Rückseite des Hauses gebaut war. Rechts von Flur gab es eine Stube mit zwei Fenstern zum Misthaufen und zwei Fenstern in den Garten sowie dem obligaten »Stüwl«. Vor der Haus- und der Stalltür wölbte sich die »Bruck«. Etwa einen Meter unterhalb der »Bruck« befanden sich der Misthaufen des »Wiezenzn« und durch ein Steinmäuerchen getrennt, der von der »Hanrich Emma«. Unmittelbar vor der Haustür zwischen den beiden Düngestätten gab es einen Walnußbaum. »Wiezenzns« Misthaufen war sehr groß und die dazugehörige »Oo(d)lsuttl« hatte einen gepflegten Damm. Links vom Haus waren zwei große Scheunen, auf dem schattigen Grundstücksteil dahinter wuchs nur Unkraut. Eine Weißdornhecke und etliche Akazien standen wie ein Schutzwall am Weg zum »Hechtenteich«. Bei der Einfahrt zum »Dåvadn Huaf« begann eine etwa zwei Meter hohe Steinmauer aus Granit, die den Höhenunterschied zum Nachbargrundstück überbrückte. Auf Mauerhöhe führte ein Weg zum »Ristinger Haus«. Das Dach des Schuppenanbaues war etwa gleich hoch wie die Mauer. Zwischen Mauer und Anbau war ein schmaler Durchlaß, der in den Obstgarten führte, welcher sich unterhalb des »Ristinger Hauses« und rechts vom Hof ausdehnte. Der »Wiezenzn Huaf« war eine in sich abgeschlossene Anlage, wenn auch »Emmas Haus« nicht mehr zum Eigentum des letzten »Hanrichbauern« gehörte.
Der Nachbarhof war an einem Hügel gelegen, der vom Neurohlauer Weg über »Schindler Mares« und »Wiezenzns« Grundstücke sanft bis zu einer Höhe von etwa 470 Meter ü. NN anstieg, doch beim »Konnas Haus« steil zur »Long Wies / Bärnhaut Seich« abfiel. Nach Norden senkte sich das Gelände nur allmählich hin zum »Hechtenteich« und dem »Ficker-Båcker Haus«. Der »Dåavadn Huaf«, Haus Nr. 45, war einer der beiden Höfe, die nach Teilung und Verkauf des »Neubauern Hofes« entstanden. Der letzte Besitzer hatte den Hausnamen beim Kauf des Hofes mitübernommen und so blieb es beim »Dåvadn Huaf«. Der Hof wurde begrenzt von den Wegabschnitten zum Hechtenteich, davon abzweigend der Weg zum »Wöidichn Ochsn«, dem Weg zum »Konnas Haus«, »Schindler Mares« Grundstück und dem Weg vom »Ristinger Haus« zur Hofeinfahrt bei der Kapelle. Es war ein schönes Stück Land, welches das Wohn- und Stallgebäude umgab. Von der Einfahrt bei der Kapelle bis zur Einfahrt an der Abzweigung zum »Wöidichn Ochsn« standen eine große Scheune und eine zum Hof offene Remise, sowie »‘s Wåuchhaisl« (amtl Viehwaage). An der Nordseite des Grundstücks war ein »Kölwergårtn« vom offenen Hof durch Planken getrennt, in ihm gab es ein paar Zwetschkenbäume. Auf der rechten Seite der ersten Hofeinfahrt trennte ein Zaun den offenen Hofraum vom Obstgarten. Vor dem Haus gab es eine große, über das ganze Gebäude reichende »Bruck«, unterhalb von ihr war der Misthaufen. Beim Haus am Eingang zum Garten stand auch ein Walnußbaum. Dieser Hof war zur gleichen Zeit wie der »Wiezenzn Huaf« erbaut worden und glich diesem sehr, nicht nur in den Maßen, sondern auch dem Aussehen nach.
Auf einem schmalen Fuhrweg gelangte man zum »Konnas Haus«, Haus Nr. 70, das an der Rückseite des »Dåvad« Grundstücks gelegen war, dort wo diese am höchsten war. Vor dem Haus fiel die Obstbaumwiese steil zur »Seich« ab, die sich bei »Eckls Birkenwäldchen« mit der »Bärnhaut« vereinigte. Von der »Bruck« vor dem »Konnas Haus« hatte man eine schöne Aussicht zum »Wöidichn Ochsn«, den »Naatzens Birklan«, hinauf zum »Huhln Wech« und hinüber zum »Lei(n)berch«, auch nach Poschetzau mit den Schlämmereien konnte man sehen. Hinter diesem Haus, noch auf »Dåvadns« Land standen einige Birken. Das Haus war nicht besonders groß, hatte den Stall nicht im Haus, er war in der Scheune integriert, die im rechten Winkel zur nördlichen Giebelseite des Hauses stand.
Die Pechgrüner Kapelle war nicht der Mittelpunkt des Dorfes. Sie war im 18. Jahrhundert auf dem Grundstück des Stifters erbaut worden und stand in der äußersten, südlichen Ecke des »Gartner Anwesens« am Weg zum »Hechtenteich«. Es war ein schmuckloser, einfacher Bau mit Satteldach und Dachtürmchen, in dem eine hellklingende kleine Glocke hing, die dann geläutet wurde, wenn im Dorf jemand gestorben war. An beiden Seiten der Kapellentür gab es eine steinerne Bank. Wilder Wein rankte am Gemäuer bis zum Türmchen empor.
Der Weg, an dem die Kapelle stand, führte am »Gartner Huaf«, Haus Nr. 7, entlang bis zum Hechtenteich. Ein Graben in dem das Überlaufwasser zum Bach hinfloß, bildete die nordwestliche Hofgrenze. Eine mehrere Meter lange Hecke von Fliederbüschen schirmte den Graben an der Rückseite dieses großen Bauernhofes gegen das »Glöckner« Grundstück ab. In diesem Garten gab es mehrere Apfel- und Birnbäume. Zwischen ihnen waren Leinen zum Wäschetrocknen gespannt. Dort war auch der »Göwl«, der in meiner Erzählung über meinen Freund und Altersgenossen Heinrich eine wichtige Rolle spielte. Die Rückseite dieses einstöckigen Hauses war fast fensterlos, nur zwei Fensterchen brachten ein wenig Licht ins Innere. An der rechten Hausecke, vom Garten aus gesehen, stand eine Lärche, die das Haus um mehrere Meter überragte. An der Giebelseite des Hauses und entlang am Nachbargrundstück bis hin zur Kapelle erstreckte sich der Gemüsegarten mit einigen Mistbeeten, denn irgend ein Mitglied der Haberditzl Familie mußte Gärtner gewesen sein, was der Hausname »Gartner« auch andeutet. Bevor »d’ Gartner« (Haberditzl) den Hof kauften, war es der »Seidl Huaf«. Laut Grundentlastungstabelle von 1848 brauchte die damalige Besitzerin des Hofes, Franziska Seidl, keine Robot und keine Abgaben mehr zu leisten.
Das Haus hatte natürlich auch eine Vorderseite. Unter zwei Kastanienbäumen stand unmittelbar bei der Haustür eine Bank. Im Erdgeschoß gab es eine »Stu(b)m« mit zwei Fenstern zum offenen Hof und drei Fenstern an der Giebelseite, wovon eines die Lichtquelle für das »Stüwl« war. Im ersten Stock gab es Schlafkammern neben dem »Haabuan«, der sich über dem Stall befand. Neben der Haustür war die Tür zum Stall und anschließend das »Sto(d)ltåua«. Was es in keinem Bauernhaus in Pechgrün gab, das gab es beim »Gartnerhaus«. Neben der Scheune gab es an der nordöstlichen Giebelseite noch einen weiteren Wohnbereich mit separatem Eingang. Diese »Stu(b)m« hatte zwei Fenster zum Hof und zwei zum vorbeiführenden Weg. Ein »Stüwl« rechts neben der Haustür diente als Schlafraum. An diese Giebelseite waren »Schüppla« und das gewisse Örtchen angebaut. Dahinter befand sich der Eingang zum »Göwlgårtn«. Das »Brunnahaisl« mit dem Schrägdach zum Weg war Teil der Hofbegrenzung. Hinter der Kapelle im Winkel zwischen Weg und Gemüsegarten war der Misthaufen. Ein uralter »Huulzepplbaam« stand dicht am Weg.