Der Weg Richtung Neurohlau – Teil 2

Vom Hechtenteich bis zu den Naatzns Birkla

Vom Hechtenteich aus setzt sich der Weg Richtung Neurohlau fort und führt in einen offeneren Bereich oberhalb des Dorfes. Hier erreicht man die Nazns Birkla, ein Bereich, der sich deutlich von den älteren Dorfstrukturen unterscheidet. Das frühere Birkenwäldchen wurde gerodet und als Baugelände erschlossen. Mit den Häusern Nr. 100, 102, 104 und 106 entstand hier das zuletzt erschlossene Neubaugebiet Pechgrüns. Diese Häuser gehören zu den jüngsten Wohnbauten des Ortes und markieren den letzten geschlossenen Siedlungsausbau vor dem Ortsende. Bereits zuvor waren mit dem Vogelsang sowie dem Furzwinkel neue Wohnbereiche entstanden, jeweils als zusammenhängende Bauabschnitte. Die Nazns Birkla schließen diese Entwicklung ab und bilden den zeitlich jüngsten dieser Neubauzüge.

Weg in Richtung Neurohlau - zweites Teilstück
Weg in Richtung Neurohlau - zweites Teilstück

Der »Hechtenteich« mit den angrenzenden Wiesen gehörte zum »Dåvadn Huaf«. An beiden Seiten des Weges, welcher über den Damm des Teiches führte, gab es Zäune. An den Ufern des »Hechtenteiches« standen Erlen, eine besonders hohe hinter dem »Ficker-Båcker Haus«. Am »Kölwergårtn« zweigte der Weg zum »Wöidichn Ochsn« ab. Das Grundstück zwischen diesem Weg und dem Teich gehörte dem »Ficker-Båcker Kårl«. An der Abzweigung stand innerhalb der Umzäunung ein Marterl und nach etwa 25 Metern das alte »Schmie Haus«, Haus Nr. 50, das so nach seinem früheren Besitzer genannt wurde, es war die ehemalige Beschlagschmiede. Am Haus sah man noch die Eisenringe, an welche die Tiere, Pferde und Zugochsen, zum Beschlagen angebunden wurden. Es war eines von den vielen Kleinbauernhäusern, die es im Dorf gab und es stand etwas vom Weg zurückgesetzt. Anschließend an das Haus war der Misthaufen und eine abgeschrankte Einfahrt zu den Wiesen hinter dem »Hechtenteich«.

Am Hechtenteich gelegenes Haus Nr.50 der Fam. Karl Krieglstein
Am Hechtenteich gelegenes Haus Nr. 50 der Familie Karl Krieglstein

Auf der gleichen Seite des Weges stand das Haus mit der Nummer 99. Es wurde anfangs der dreißiger Jahre gebaut und war einstöckig. Auf jeder Etage gab es eine Wohnküche, ein Schlafzimmer, sowie eine Stube mit Extraeingang. Auch unter dem Dach gab es noch Wohnräume. Hinter dem Haus hatte der Laurer, so hieß der Erbauer, einen schönen großen Gemüsegarten angelegt. An der Einfahrt zum Laurer Grundstück fiel der Weg leicht ab und begann an der Einfahrt zum »Duadan Huaf« wieder anzusteigen. Auf der rechten Seite des Weges gab es die ersten Wiesen, ebenso nach »Laurers« Grundstück auch links des Weges.

Haus Nr.99 der Familien Laurer und Reipold
Haus Nr. 99 der Familien Laurer und Reipold

Die Wiesen links und rechts des Weges hatte mein Großvater vom »Dåvad Bauern« für einen Acker in der »Erlseich« eingetauscht. Damals, noch ehe das »Laurer Haus« gebaut war, gab es auf diesem Grundstück einen Teich. Dieses kleine Gewässer hatte den Namen »Köellerteichl«. Der »Wickn Seff« ließ den Damm abtragen und rekultivierte diesen Teichgrund wieder zu einer Wiese. Der Teil des Dammes, der dem »Duadan Bauern« gehörte, blieb erhalten. Der Nachbar hatte an dieser Stelle die Grundstücksgrenze mit einem lebenden Weidenzaun markiert. Am linken Wegrand einige Meter nach diesem Zaun stand ein Marterl, gleich anschließend gab es einen eingezäunten Tümpel, welcher der »Duadan Mare« zum »Weschflahn« diente. Er war nur 3 x 3 Meter groß. Die Wiesen auf der linken Wegseite reichten dort bis zum Wald. In der Nähe von »Florl Kårls Haus« gab es einen weiteren Tümpel, der etwas größer war als der am Weg. Junge Erlen säumten ihn ringsum ein.

Beim Haus vom »Kreizer Franz« machte der Weg einen Schwenk um 90 Grad. An dieser Stelle führte eine Abzweigung nach links zum Haus Nr. 100 des »Florl Kårl«. Nach dem Erreichen des Waldes, wo später das Haus vom »Dutz Franz« stand, verwandelte sich der Fuhrweg in einen Fußsteig und stieg steil am Rande der »Naatzns Birkla« hinauf zum »Oberen Neibauern«, einem Föhrlwäldchen an. Bevor der Weg auf »Florl Kårls« Grundstück einbog, stand an dem Feldrain, der dort die Wiese von dem angrenzenden Acker trennte, eine schöne, alte und große Birke. Zwischen den »Birklan« und dem »Neibauern« lagen zwei Felder, die ein Rain trennte, auf dem »Dorna- uu ånnara Staun« wuchsen. Das obere Feld gehörte dem Dåvadn«, das untere dem »Eckl«. Von ihm kaufte der »Florl Kårl« die Baustelle direkt am Saum des »Neibauern Wallerla«.

Haus Nr.56 der Fam. Franz Kreuzer
Haus Nr. 56 der Fam. Franz Kreuzer

Dort, wo Wiesen, Felder und Wald aufeinandertrafen, baute der Cousin meiner Mutter ein für damalige Zeiten supermodernes Haus. Auf einer Ausstellung der Gewerbetreibenden aus Chodau und Umgebung »AKUWIA«, hatte der Architekt Nowak ein Haus dieses Typs in natürlicher Größe aufgebaut und zur Besichtigung ausgestellt. Dieses Haus hatte keine allzugroße Grundfläche, aber die Raumaufteilung im Inneren war für dörfliche Verhältnisse ungewöhnlich. So gab es zwischen Wohn- und Schlafzimmer, sowie der Küche mit Eẞplatz, keine Türen. Nur ins Kinderzimmer führte eine Tür vom Wohnzimmer her. Eine gewendelte Holztreppe führte zu den beiden Zimmern im Dachgeschoß. Da das Haus zum Teil in den Hang hineingebaut war, konnte man die Waschküche und die übrigen Kellerräume durch eine Tür vom Freien aus erreichen. Dieses Haus hatte auch eine überdachte Veranda, jedoch in Richtung Dorf nur ein Fenster. Das störte den alten Stohwasser, »Hiacha« (Heger) von Beruf sehr. Weil er der Schwiegervater des Bauherrn war, erlaubte er sich zu sagen: »Du håust dia jå a schäj(n)s Hai- serl baut, owa es siaht aas wej a oa(n)auchata Spietzbou, dea wo ins Dorf ei(n)schaut«. Das erzürnte den »Florl Kårl«, der Porzellanmaler war, und er pinselte kurz entschlossen ein zweites Fenster an die Hauswand.

Warum die »Naatzns Birkla« eigentlich »Birkla« hießen, weiß ich mir nicht zu erklären, denn dieses Waldstück war kaum als Mischwald zu bezeichnen. Man fand dort viel mehr Nadelbäume als Birken. Ein Teil der »Birkla« wurde gerodet und als Bauplätze verkauft, auf denen von links nach rechts der »Dutz Franz«, Haus Nr. 106, der »Sommer Pepp«, Haus Nr. 102 und der »Pejda Rowert«, Haus Nr. 104, noch vor dem Anschluß ans Dritte Reich ihre Häuser bauten. Alle drei standen unmittelbar vor dem steilen Anstieg des bewaldeten Hanges. Der »Rowert« mußte sogar einen Felsen sprengen, damit sein Haus in die Bauflucht paßte. Die angrenzenden Baustellen blieben unbebaut. Die Besitzer konnten, aus welchen Gründen auch immer, nicht mit dem Bauen beginnen. Dafür kultivierten sie ihr Stück Land und bauten darauf Kartoffeln an. Diese drei Häuser waren fast identisch, sie glichen den Häusern des »Wåstl Edawadn« und des »Strunzn Richardn« aufs Haar. Vor den Häusern waren Gemüsegärten, meistens jedoch Kartoffeläcker angelegt. Sie waren ein Teil vom »Wöidichn Ochsn«. Der Davadn Lehrer, Anton Fäustl bezeichnete diesen Ortsteil als »Håinafang«. Mein Vater, der dort auf die Welt kam und lange dort lebte, gebrauchte diese Bezeichnung nie.

Häuser Nr.100 der Fam. Karl Passauer, Nr.106 der Fam. Franz Dutz, Nr.102 der Fam. Josef Sommer und Nr.104 der Fam. Robert Lill
Häuser Nr. 100 der Fam. Karl Passauer, Nr. 106 der Fam. Franz Dutz, Nr. 102 der Fam. Josef Sommer und Nr. 104 der Fam. Robert Lill

Auf der rechten Seite des Weges zum »Wöidichn Ochsn«, beim »Koellerteichlwiesla« stand der »Duadan Huaf«, Haus Nr. 59. Es war ein sehr gepflegtes Anwesen. Das Wohnhaus wurde vermutlich um die Jahrhundertwende gebaut, es war gekennzeichnet von den charakteristischen Merkmalen jener Zeit. Die Vorderseite des Hauses blickte in Richtung Dorfmitte. An seiner linken Giebelseite standen Kastanienbäume in einem schmalen, umzäunten Gärtchen. Auch hinter dem Haus gab es Bäume. Der Stall war getrennt vom Wohngebäude an die Grundstücksgrenze zum »Kreizer Franzn« gebaut. Die Scheune stand im rechten Winkel zum Stall. Sie war nicht mit diesem zusammengebaut und trennte den Hofraum von einem Stück Land, das man getrost als Obstgarten bezeichnen konnte, denn eine große Anzahl von Äpfel- und Birnbäumen sowie viele Zwetschkenbäume, die an der Südseite dieser Wiese einen Zaun ersetzten, wuchsen dort. Auf der rechten Seite der Hofeinfahrt gab es eine Hecke von Schneebeersträuchern, anschließend eine Reihe von Schuppen und eine Wagenremise.

Haus Nr.59 der Fam. Bräutigam
Haus Nr. 59 der Fam. Bräutigam

»Kreuzers« Gartengrundstück begann hinter diesem Hof. In der linken Ecke, an zwei Seiten vom Weg begrenzt, stand das ebenerdige Häuslerhaus. Es hatte weder Stall noch Scheune. Die Ziegen und das Futter für diese befanden sich in einem schuppenähnlichen Bau an der Rückseite vom »Duadan« Stall. Der Streuobstgarten war schmal, aber lang und endete am Zaun des »Ruas Tone« und des »Duadan Bauern«.