Oberes Dorf
Der Kösteldorfer Weg über die Spitzseich
Diese Seite beschreibt den Weg vom Konsumhaus im oberen Dorfteil von Pechgrün nach Kösteldorf über die Spitzeich. Während die Schilderung „Oberes Dorf – Über die Wehrmühle nach Kösteldorf“ den Raum des oberen Dorfes als Landschaft und Gefüge vertrauter Orte beschreibt, folgt der Text hier Schritt für Schritt dem Weg selbst. Das Luftbild am Anfang der Seite zeigt den eingezeichneten Weg mit Hausnummern und Hausnamen und dient als Orientierung für die folgende Wegbeschreibung.
Müllers eingezäunter Obst- und Bleichgarten begann am Ende der Straße. Der Zaun lief entlang des Weges bis zur Abzweigung vor der Brücke und dann im rechten Winkel auf das Haus zu. Er endete an der »Bruck«; sie war ein gemauerter Vorplatz, quasi eine Veranda und überwand den Höhenunterschied zwischen Weg und Hauseingang. Bei diesem Haus, Haus Nr. 29 (»Siema«) war der Höhenunterschied beträchtlich. Sechs oder gar sieben Stufen führten auf dieses ca. 2 m breite Plateau. Es begann an den Stufen vor der Haustür und führte am rechten Hauseck über eine steile, steinerne Stiege hinab zum stillen Örtchen. Der Unterschied zu anderen Kleinbauernhäusern war der, daß es keinen Stall im Hause hatte. Es wäre auch sehr schwierig gewesen, eine Kuh oder auch nur eine Ziege auf die »Bruck« zu bekommen. Von der Haustür kam man in den Flur und danach in »Müllermuttas Stüwl« (kleine Stube). Durch das »Stüwlfenza« schaute man auf eine Wiese, die dem »Läi(n)bauern« gehörte. Der Wiesenboden und der Fenstersims lagen fast in gleicher Höhe. Unmittelbar hinter dem Haus stieg das Gelände an und fügte sich in den »Lauchrong« ein.
Dort wo der »Rong« (Hang) steil zur »Låuch« abfiel, standen einige schlanke Erlen. Von dieser Stelle aus, hatte man den besten Ausblick auf das schönste, erhalten gebliebene Fachwerk vom »lawan Dorf«. Die vom Alter und Wetter dunkelbraun gewordenen Balken des Fachwerkes und die weißen Füllflächen verliehen dem »Kåthrina-Haisl«, Haus Nr. 18 (früher Kutscherhaus) sein verträumtes Aussehen. Von der »Lauch« kommend wand sich ein Nebenarm des Baches durch »Kåthrinas« Garten und bildete die Grenze zum »Siema« (Müller)-Anwesen. In das Wasser dieses Grabens hinein hatten die »Kåthrinaboum« ein Wehr und einen Fischkasten gebaut, darin verwahrten sie die mit den bloßen Händen im Bach gefangenen Forellen bis sie verkauft oder verzehrt wurden. Direkt am Gartenzaun plätscherte das Wasser über das Wehr. Der Graben unterquerte den Weg und mündete danach in den Bach. Das Bachbett war an dieser Stelle breit und seicht. Das »Kåthrina-Haus« war ein typisch Egerländer Häuslerhaus. Nur sein guterhaltenes Fachwerk, hob es aus der Menge vieler ähnlicher Häuser in Pechgrün, heraus. Vor der Haustür gab es weder Stufe noch »Bruck«. Gegenüber vom Haus am Rande des Baches war der »Huulzplåtz« mit »Håckstuack« (Hackstock) und »Straahaffn« (Haufen von Astholz).
Anschließend stand ein Schuppen zwischen Weg und Bach, der schuhon den »Duadan Seffn« gehörte. Das »Duadan (Mörtl)-Haus«, Haus Nr. 16 war ein einstöckiges Kleinbauernhaus. Durch Putz verdeckt, war das Fachwerk nicht mehr zu sehen. Der »Stoo(d)l« (Scheune) stand im rechten Winkel zum Haus an dessen Südseite. »Kåthrinas Miesthaffn« bildete die Grenze zum »Duadan- Anwesen«.
Das »Kreizer/Bauma-Haus« stand mit der linken Giebelseite zur »Låuch« und mit der rechten zum Bach. Es umschloß zusammen mit dem »Duadan-Haus« und dem Bach ein dreieckiges Plätzchen. Von einer Hausecke zur anderen lief eine niedrige »Stoa(n)bruck« an diesem Doppelhaus entlang. Von ihr führten noch 2 »Staffala« (Stufen) zu den Haustüren und ein Treppchen zum Bach. Das »Kreizer/Bauma-Anwesen hatte, obwohl es ein Doppelhaus war, nur eine Hausnummer, die Nr. 32. Es war nur für Wohnzwecke gebaut. Ziegenstall und »Haaschuppm« (Heuschuppen) waren hinter dem Haus. Zum Abort mußten die »Baumaleit« auf einem schmalen Steig, der am Bach entlang führte, hinter das Haus; »d' Kreizers« mußten durch den »Bleuchgårtn« links ums Haus herum.
In diesem Garten zwischen Haus und »Låuch« betrieb der Zettl Ernst, der Schwiegersohn vom »Kreuzer Karl« (Budkårl), in einer Bretterbude nach Feierabend das Handwerk eines Schmieds. Hinter diesen Häusern und am Bach entlang erstreckte sich die »Låuch« bis in »d' Weja«.
- Haus Nr. 84 der Familie Anton Lorenz ("Schneider Lottes")
- Haus Nr. 97 der Familie Ebert ("Schneider Huaf").
Der Weg nach Köstldorf über »d' Spitzseich« war die Fortsetzung der Straße und überquerte beim »Schneider-Huaf« (Haus. Nr. 97) den Bach. Zwischen dem Bach und dem »Schneiderwallerla« lag der Obstgarten des Hofes. Am Bach entlang säumten ihn einige alte »Huulerstaun« (Holunderstauden) und ein Streifen Land. Dieser Streifen konnte zur Not als Fuhrweg benutzt werden und führte bis vor das Gartentor der »Schneider Lotte« (Haus Nr.84). Dazwischen zierte das linke Bachufer eine große Erle, wie überhaupt Bäume und Wald Pechgrün seinen Charme verliehen.
Der Weg von der Brücke zum »Gloanat« war Teil des »Schneiderhuafs«, Haus Nr. 97 (siehe Abb. 39, 40). Das Gelände, in das der Hof gebaut war, stieg vom Bach bis zum Waldrand stetig an. Im Wald ging es dann jedoch steil bergauf. Das Schneideranwesen, später Ebert, erstreckte sich rechts vom Weg auf einer Länge von mindestens 200 Metern. Von der Einfahrt am »Gloanat« bis ans Ende des Obstgartens war es am Wald gelegen. Hier drang der Wald bis zur Mitte des Dorfes vor.
Das alte Schneiderhaus, hatte seinen Namen von einem Angehörigen der alten, großen Dürrschmidtfamilie, von Joseph Dürrschmidt, »Schneidergesell«, laut Trauschein geboren 1803 im Haus Nr. 12 (Mußl), es war in Holzblockbauweise errichtet und wurde leider abgerissen. Es stand mit seiner Vorderseite zum Weg und zum Bach. Mit seiner Rückseite war es in den Hang hineingebaut. Dieses eingeschoßige Egerländer Bauernhaus hatte ein selten schönes Fachwerk. Leider war der Giebel mit diesem Fachwerk vom Weg her nicht einzusehen. Der Ersatzbau war im Stil der späten 20er Jahre gestaltet, dennoch war der Stall in das Wohnhaus integriert. Der neue Hof stand mit seinem Wohnbereich an der Giebelseite zum Weg und zum Bach. Damit der Stall errichtet werden konnte, mußte ein Stück Abhang und Wald geopfert werden. Die Scheune stand parallel zum neuen Haus, ließ aber Platz für die Zufahrt vom »Gloanat« her. Erhalten blieb vom alten Hof nur »d' Bruck« und der darunterliegende »Miesthaffn« (Düngerstätte), modernisiert durch eine »Oo(d)lpumpm« (Jauchepumpe). Gegenüber dem Misthaufen, unmittelbar am Bachufer, stand eine neue Wagenremise.
Sie grenzte an das Grundstück von der »Schnitzer Thülda« und vom »Krausn Franz«, Haus Nr. 17. Das Haus der beiden schaute mit seiner Vorderseite auf die Brücke und der Straße entlang ins »Intara Dorf«. Der Garten lag direkt am Bach, das Ufer säumten ein paar Bäume und Sträucher. Auf der Rückseite des Hauses gab es einen Schuppen mit Ziegenstall, Asche-, und Misthaufen sowie eine schöne alte Eiche. Dieser Hinterhof entstand durch das Ineinanderlaufen zweier Wege, dem Köstldorfer- und dem Weg der über die Brücke beim »Duadan« kam. Das Haus der »Gloser Thülda« wurde anfangs der 20er Jahre gebaut und unterschied sich kaum vom Egerländer Kleinbauerneinheitshaus; allerdings fehlte der Stall und die Scheune. Das Dach war mit Schiefer (Eternit) gedeckt. Gegenüber der Giebelseite begann die eineinhalb Meter hohe »Gloanatmauer«. Sie war aus Granitrohlingen aufgerichtet. Eine »Möhlpamperlstaun« (Weißdornstrauch) unterbrach die Reihe der Birken, die auf dem »Gloanat« längs der Mauer wuchsen. Die letzte Birke in dieser Reihe stand dort, wo das »Brandneranwesen« und der Anstieg des Köstldorfer Weges begann.
Der Bach beschrieb hinter dem Brandnerhaus, Haus Nr. 30 einen Bogen und bildete mit dem Ausläufer der »Rinnlwies«, die Fläche auf der neben Brandners auch das »Schmiehaus« erbaut war. Das Land hinter dem Brandnerhaus war am Bach durch eine Mauer abgestützt. Gegenüber dieser Mauer standen mehrere Erlen am Bach entlang. Das Haus selbst war das typische Egerländer Häuslerhaus, mit »Stu(b)m«, »Stüwl«, »Stool« und »Sto(d)l« im Erdgeschoß, unter dem Dach waren Kammern und »da Haabuan«. Gedeckt war das Haus mit geteerter Dachpappe. Das Auffallendste war allerdings das Fachwerk des Giebels, oder wie man bei uns daheim sagte, der »Schöißn«. Das Nachbarhaus (Schmie, Haus Nr. 15) war unauffällig, es war sicher zu irgendeiner Zeit um- oder wieder aufgebaut worden, denn es reihte sich nahtlos in die Hausnummerierung von 1735 ein (siehe Abb. 45). Nach dem »Schmiehaus« waren Wiesen, hinter beiden Häusern gab es Obstbäume und am Bach entlang Erlen.
Gegenüber dem »Schmiehaus« an der Ausfahrt vom »Gloanat« begann »Mußls« Garten, in dem ein hoher, alter Birnbaum stand. Das »Mußlhaus« war mit seiner Rückseite in den Berg hineingebaut und unterschied sich von den anderen alten Einheitshäusern durch einen Anbau an der »Schejßn-(Giebel)seite. Das Fachwerk war übertüncht, denn es hob sich vom übrigen Gemäuer nicht so ab, wie dies beim »Brandner und Kåtharinahaus« der Fall war. Ein Schuppen, die Werkstatt vom »Mußlmoa«, er war Zimmerer, bildete mit dem Garten einen kleinen Vorplatz, der zum Weg hin offen war. Längs des Hauses bis zur Haustüre gab es eine, wenn auch niedrige, »Bruck« aus Steinen. Beim Bau des Hauses war ein Backofen eingebaut worden. Als er nicht mehr gebraucht wurde, konnte man ihn nicht herausreißen, wollte man nicht gefahrlaufen, daß das Haus einstürzen könnte. Die letzten Meter vom »Mußlberch«, so wurde dieser Anstieg genannt, liefen schon am Garten des Nachbarn entlang.
Das »Matzlhaus«, Haus Nr. 13 war ebenfalls in den Hang hineingebaut, auch dieses mußte um die Jahrhundertwende um- oder wieder aufgebaut worden sein. Ein Erker über der Haus- und der Stalltür schuf Raum für eine Stube mit zwei Fenstern zum Weg. Solche Erker waren anscheinend um 1900 große Mode. Diese Bauweise schuf den Wohnraum für die Arbeiter in den Fabriken und Bergwerken, die in den alten bäuerlichen Anwesen nicht mehr untergebracht werden konnten. Beim »Matzlhaus« hörte die Steigung auf, der Weg verlief fast eben bis zu den »Wejahaisern«. Auf der linken Seite des Weges gab es eine steile Böschung zur Wiese hinunter. Ein Zaun sollte Abstürze von Fußgängern und Fahrzeugen verhindern. Dieser Zaun führte über die Böschung hinunter zum »Schmie-Haus« und trennte die »Rinnlwies« von einem Stück Niemandsland, auf dem sich ein »Brunnahaisl« (Holzhäuschen zum Schutze eines Brunnens) befand. »Brunnshaisla« gab es noch viele, sie dienten zur Wasserversorgung jener Dorfbewohner, die keinen eigenen Brunnen besaßen.
Gleich nach dem »Matzlhaus« begann der »Rinnlwald«, eine Fichtenschonung die direkt an den Weg grenzte. Das »Rinnl« (siehe Abb. 48) war eine Quelle, ihr Wasser plätscherte über eine bemooste Holzrinne neben dem Weg in den Sand. Seit Menschengedenken floß diese Quelle ununterbrochen, auch in den heißen Jahreszeiten, ja selbst in Dürrejahren. Wie man sagte, war dieses Wasser das beste, das es weit und breit gab.
- Nr. 41: "Krebsn" Haus der Fam. Robert Fischer
- Nr. 43: Haus der Fam. Ernst Scherbaum.
Die letzten Häuser des Dorfes in Richtung Köstldorf waren die »Wejahaiser« (Haus Nr. 41 u. 43). Sie standen auf der linken Wegseite zwischen den Wiesen und dem Wald. In ihrer unmittelbaren Nähe begann das geschlossene Waldgebiet des »Stohwasser- und Rouwasberchs« (Robesberg). Das am Weg stehende »Scherbaum-Haus« war ein ebenerdiges Wohnhaus und hatte einen Erker über der Haustür. Ein Garten mit Obstbäumen grenzte das Haus zu den Wiesen hin ab.
Dicht dahinter war »'s Krebsn-Haus« fast an das Ufer des Baches gebaut. Neben diesen beiden Häusern gab es eine Wiese. Sie war vom Bach, vom Wald und vom Weg eingerahmt. An der Abzweigung eines schmalen Steiges, der zum »Krebsen« führte, stand in der Ecke dieser Wiese ein mächtiger, hoher Ahornbaum. Das Haus hatte ein mit Eternitplatten gedecktes Satteldach, und war eingeschoßig.
Bevor man nach wenigen Metern zur Wiese kam, auf der das neue »Hiachahaus«, Haus Nr. 75 stand, säumte rechts ein schmaler Waldstreifen den Köstldorfer Weg. Diese Wiese war längs des Weges beschrankt. Auf etwa 1,20 m hohen Pfählen waren mehrere Meter lange Stangen aufgenagelt. Am Rande dieser Wiese wuchsen ein »Vuaglkerschtenbaam« (Wildkirsche) und wenige Meter weiter eine Blaufichte. Dort wo dieser Kirschbaum stand, teilte sich der »Spitzseichwech«. In dieser Wegegabel wuchs eine »Dornastaun« (Heckenrosenstrauch). Fast auf Höhe des Baches führte die linke Abzweigung längs des Waldes zum »Affnfölsn«. Die rechte stieg erst leicht, beim ersten »Råsta« beginnend, steiler an. Die »Råsta« waren Mulden im Weg, die der Wasserableitung, in erster Linie jedoch den Fuhrwerken zum Rasten dienten. Die Fahrzeuge wurden bei der Bergfahrt mit den Hinterrädern in diese Raster gestellt, was den Zugtieren das Wiederanfahren erleichterte. »D' Spitzeich«, im unteren Teil »Stohwåsserberch« genannt, stieg steil und kurvenreich bis zu einer Ebene empor. Die Raster, die es auf dem unteren Stück des Berges gab, machten uns Buben beim Schlittenfahren viel Spaß, denn man wurde mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter und höher den Berg hinabgeschleudert. Beim ersten Raster stand links vom Weg die Scheune des Hegers; noch ein Stück weiter bereits im dichten Unterholz, war ein Brunnen mit einem Bretterhäuschen überbaut, er diente der Hegerfamilie zur Wasserversorgung. Im Winter bei Schnee und Eis war es sehr beschwerlich, das Wasser eimerweise ins »Hiachahaus« zu bringen.
Die Schilderung des »lawan Dorfs« kann nicht beendet werden, ohne vom Konsum Haus und den dahintergelegenen Höfen zu schreiben. Das Konsum Haus, (Haus Nr. 33), war ein einstöckiges Wohnhaus mit einem Laden und den dazugehörenden Lagerräumen. Es hatte etwas Revolutionierendes. Die Aborte konnten vom Treppenhaus aus betreten werden. Es hatte den schon öfter erwähnten Erker über der Eingangstür. Das Dach war mit Teerpappe gedeckt. Vor dem Haus war eine beachtliche »Stoabruck«. Dies war kein Wunder, denn der Bauherr war ein Steinmetzmeister. Die Giebelseite schaute nach Südosten und in dieser Richtung erstreckte sich ein kleiner Garten mit zwei oder drei Obstbäumen. Er wurde zum Bleichen und Trocknen der Wäsche genutzt.
- rechts das Wohnhaus, links der "Sto(d)l"
- dazwischen Austraghaus und "Sto(d)l" des "Matzl-Huaf".
Hinter diesem Haus lagen zwei große Höfe. Der Hof vom »Läin«, Haus Nr. 20, grenzte unmittelbar an das Konsumgrundstück. Etwas weiter entfernt, auch wesentlich höher gelegen finden wir den »Matzl-Huaf«. Diese beiden Höfe wurden vermutlich zur gleichen Zeit gebaut, weil die Maße und das Aussehen der Wohn- und Stallgebäude sich genau glichen. Beim »Matzl« war über der Haustür die Jahreszahl 1648 in einen Stein gemeißelt. Das »Läin-Haus« wie auch das Haus vom »Matzl« war einstöckig, es hatte ein mit Naturschiefer gedecktes Krüppelwalmdach. Parallel zum Wohngebäude stand der »Sto(d)l« (Scheune). Der so gebildete Hofraum war nach Nordwesten und Südosten offen. Der angrenzende Weidegarten für das Jungvieh reichte bis an die Straße. Obstbäume gab es nur in der Nähe des Hauses. Der Misthaufen, der den Hof zum Garten hin abschloß, war nicht bloß ein Haufen. Er war eher schon ein Objekt, wie man heute solche Machwerke in der Kunst bezeichnet. Der »Mühlfrånz«, der Bauer auf diesem Hof, war bei der Errichtung dieser Haufen bestimmt mit der Wasserwaage und Richtschnur am Werk gewesen.
Der »Matzl-Huaf«, Haus Nr. 19, war von der Straße her nicht gut einzusehen. Einen besseren Eindruck von seiner Geschlossenheit bekam man vom »Wejamühl-Köstldorfer Wech« aus. Von dort hatte man das Haus mit dem gemauerten Tor und die Giebelseite der Scheune vor sich. Über die mit der Scheune und dem Hofgebäude festverbundene Tormauer hinweg konnte man einen Teil des »Aaszughaisls« sehen, welches mit der Scheune und dem Tor einen kleinen Hofraum einrahmte. Vor dem Haus gab es eine breite »Stoabruck«, von der man über Obstgarten und Wiesen hinaussehen konnte zum »Euin-Huaf«, dem Transformatorenhaus, zum Seeteich mit dem »Teichwewer-Haus (Dotzauer). Von der Einfahrt zum »Läin-Huaf« war vom »Matzl-Huaf« nur der »Sto(d)l« zu sehen. An der Rampe zum »Sto(d)ltåua« (Scheunentor) und der Durchfahrt zwischen den Scheunen vom »Läin« und »Matzl« stand eine große »Huulerstaun« (Holunderstaude).
Die Verlängerung des Weges von den Linden her führte direkt in den Bach. Dort war von altersher eine Furt, warum und weshalb ist schlecht zu erklären. Zwischen der Furt und dem Konsumweja hatte Schneider Lottes Mann eine Brücke gebaut. Diese Balkenbrücke ohne Geländer ermöglichte die Zufahrt zu Lottes Haus. Es wurde immer nur von Lottes Haus, Lottes Mann gesprochen, kaum jemand nannte ihn bei seinem Namen Anton Lorenz. Das Haus war anfangs der 20er Jahre in den verlängerten Obstgarten des »Schneider Huafs« gebaut worden. Es war anderthalb geschoßig gebaut, d.h.: die eine Hälfte hatte ein Obergeschoß, die andere nur Wohnraum unter der Dachschräge. Lottes Garten war zum Bach, gegen das »Ruas« Grundstück und zum Meiselberch eingezäunt.
Über eine schmale Holzbrücke ohne Geländer kam man gegenüber vom Konsumhausgarten auf das »Ruas-Grundstück. Die Holzbohlen der Brücke waren vom Alter schon dunkelbraun geworden und an den Seiten mit Moos bewachsen. Das alte »Ruas-Haus«, Haus Nr. 10 (siehe Abb. 59), stand 15 m vom Bach entfernt und war ein typisches Kleinbauernhaus. Von der Brücke zum Haus führte ein festgetretener Fußsteig an einem Zaun entlang. Dort stand nahe beim Haus ein sehr hoher Birnbaum. In den 30er Jahren fiel er zusammen mit dem Haus einem Brand zum Opfer. An die Stelle des abgebrannten, alten Hauses bauten meine Cousins, sie waren beide Maurer, ein neues einstöckiges Haus. Das Grundstück war längs des Baches nicht eingezäunt, denn der Bach lief an dieser Stelle schon zwischen festen Ufermauern. An der Grenze zum Nachbargrundstück stand auf einem Hügel ein einmaliges Bauwerk. Dieses sogenannte Kellerhaus hatte keine Fenster, es hatte nur eine Tür. Auf dicken, niedrigen Steinmauern saß ein Satteldach, das über der Tür nicht zugemauert war. Unter dem Dach wurde Heu und Stroh gelagert. Von der Tür führte eine Treppe in den kleinen Kellerraum, in dem die Kartoffeln für den Winter und »Dorschen« (Rüben) für die Ziegen gelagert waren. In einer Ecke, neben der Treppe, gab es eine »Grou« (Grube, Brunnen), die auch in der heißesten Zeit des Jahres kühles Wasser enthielt.
Weder zum »lawan« noch zum »Intan« Dorf gehörte der »Meisel Huaf«, Haus Nr. 76. Dieses Gehöft lag etwa 150 m links vom Bach am Fuße des »Meiselberchs« und in der Nachbarschaft vom »Hechtenteich«. Diesen Teich konnte man getrost Dorfsteich nennen, auch wenn er etwas außerhalb der Dorfmitte lag. Es darf angenommen werden, daß dieser Teich der Wasserspeicher (Mühlteich) für die früher im Anwesen Nr. 27 betriebene Getreidemühle war. Im Sommer war er ohne jede Bedeutung, doch im Winter, wenn er zugefroren war, war er für die Dorfkinder von ganz besonderer Wichtigkeit. Das »Meiselhaus« mit integriertem Stall war zum Teil in den Hang hineingebaut, die Scheune stand im rechten Winkel dazu. Es war eines jener Häuser, welches über der Haustür einen Erker hatte.
Die Frontseite schaute ins Dorf, vorbei am »Wåstlwirtshaus« (Nr. 9) bis hin zum »Euin Huaf« (Nr. 21). Zwischen diesem Anwesen und dem Bach lag vor dem Haus eine Streuobstwiese. Die steinerne »Bruck« sowie ein Misthaufen vor der Tür und das schwarze Teerpappdach durften bei einem »Egerländer Kleinbauernhaus« nicht fehlen. Rechts vom Haus standen am »Huhln Wech« eine stattliche Eiche und ein paar kleinere Vogelbeerbäume. Ein Weg führte vom Hof zu einer kleinen, nicht mehr betriebenen Sandgrube, die mit dornigem Gestrüpp überwuchert war. Oberhalb dieser Grube erstreckten sich Eberts Äcker. Einige Bäume und ein Fußsteig trennten diese vom Meiselgrundstück. Anschließend an dieses Grundstück hatte der »Wåstl Edawad«, nur wenige Meter vom Bach entfernt, das Haus mit der Nr. 11 gebaut. Eigentlich hätte dieses Haus - es wurde in den frühen 30er Jahren erbaut - die Nr. 102 erhalten müssen. Durch den Abriß des alten Schneiderhofes war die Nr. 11 freigeworden und konnte an diesen Neubau vergeben werden. Das Haus war im Stile dieser Zeit errichtet. Das Krüppelwalmdach war mit rotem Eternitschiefer gedeckt, es hob sich kontrastreich von den dahinter liegenden Wiesen ab. Über den Bach führte eine Brücke zum Haus. Ein Zaun begrenzte die Grundstücke vom »Wåstlwirtshaus« und das vom »Edawad«. Durch die Bachregulierung im Jahre 1938 entstand zwischen Zaun und Bach ein ungenutzter 3 m breiter Streifen, der früher Gänsanger war, aber bis zur Vertreibung nicht wieder begrünt wurde.