Unteres Dorf
Von Wickns Lo(d)n zum Eckl Huaf
Im unteren Dorf folgt die Beschreibung der Straße in Richtung Chodau. Der Text führt vom Bereich gegenüber Wickns Laden über die dicht bebaute Dorfausfahrt, vorbei an Gemeindehäusern, Handwerksbetrieben und Höfen, bis zum Eckl Huaf und zur Brücke, an der der Bach das Dorf verlässt. Entlang dieser Straße reihen sich kleine Plätze, Werkstätten, Gärten und Hofanlagen, die den Übergang vom Dorfkern zum Dorfrand bilden. Das Luftbild ordnet die Abfolge der Anwesen und macht sichtbar, wie sich Straße und Bach am Ausgang von Pechgrün zunehmend voneinander lösen.
Jetzt möchte ich bei meiner Beschreibung der Straße in Richtung Chodau folgen. Gegenüber Wickns Laden war das Armenhaus, wie es bis zum Anschluß an das Großdeutsche Reich genannt wurde. Dieses Haus, um die Jahrhundertwende gebaut, wurde vom einzigen, wirklich reichen Mann im Dorf der Gemeinde gestiftet. Außer der Gemeindekanzlei und einer Asylantenstube, gab es weitere Stuben im Haus, in ihnen wohnten drei bedürftige Familien. Auf engstem Wohnraum drängten sich bis zu sechs Menschen in einer Stube. Wie und wo diese schliefen, ist mit heute ein Rätsel, aber damals als 15jähriger Junge hatte ich wahrscheinlich nicht den Verstand, die Not dieser Menschen zu begreifen. »‘s Gmoihaisl«, Haus Nr. 46, wie es auch genannt wurde, war ein Gebäude von 12 x 7 m Grundfläche. Es stand etwa 1,5 m höher als die Straße und war um ca. 2 m vom Straßenrand zurückgesetzt. Das Grundstück auf dem es erbaut war, maß ca. vier Ar. Links und rechts des Eingangs standen je ein Kirschbaum, der rechte fiel in den 30er Jahren der Säge zum Opfer. Das Haus war eingeschoßig mit einem Erker über der Haustür, in welchem sich eine Stube mit zwei Fenstern zur Straße befand. Auf dem Satteldach thronte ein Glockentürmchen, in dem bis zum Ersten Weltkrieg eine Glocke hing, sie wurde dem Kaiser gespendet, nach dem Krieg nicht wieder ersetzt. Der Höhenunterschied zwischen Straße und Haus wurde teils durch eine niedrige Böschung, teils durch Stufen überwunden. Durch die Haustüre kam man in einen Flur, der durch das ganze Haus lief und an seinem Ende eine Tür hatte. Nach der Haustür gab es noch drei weitere Stufen, ehe man links in die Gemeindekanzlei kam, welche die Gemeindebücherei beherbergte und spärlich möbliert war. Auf der rechten Seite des Flurs gab es einen langen, schmalen Wohnraum mit einem Fenster zur Straße und einem zum Hinterhof. Die Kanzlei hatte zwei Fenster zur Straße und eines in den angrenzenden Garten. Die Asylantenstube, nach 1938 war sie das Büro des Bürgermeisters, hatte ebenfalls ein Fenster zum Garten und einen separaten Eingang vom Hinterhof her. Im rechten Teil des Hauses war der Feuerwehrstadel untergebracht. Die Pechgrüner freiwillige Feuerwehr besaß eine Handdruckspritze, später sogar eine Motorspritze. In diesem Stadel konnten auch die nassen Schläuche, nach einem Brand oder einer Übung, zum Trocknen aufgehängt werden.
An der Einfahrt zum Hinterhof und Garten stand noch auf »Sahler Kårls« Grundstück ein Marterl. Vom metallenen Votivbild war nicht mehr viel erhalten geblieben, nur ein Vierkanteisen ragte noch aus der 1,5 m hohen Steinsäule. Der Stifter, und auch der Anlaß zur Stiftung waren nicht mehr bekannt. Kurz dahinter, dort wo der Zaun begann, der »Sahlers« Grundstück und das der Gemeinde trennte, stand ein Birnbaum. Damit der Birnbaum nicht bestiegen werden konnte, hatte der »Sahler« Stacheldraht auf die Zaunlatten genagelt. Diese Einfahrt führte direkt zu einer Asche- und Sickergrube. In der Ecke dahinter stand ein kümmernder Apfelbaum. Außerhalb der Umzäunung erstreckte sich »d’ Euins Paint«. Links von dieser Grube bildeten Kohleschuppen die Abgrenzung zur »Paint« (Trockenwiese). Eine Gemeinschaftseinrichtung war das »Leuterhaisl«, ein langer Bau mit Satteldach aus Schindeln. Darin waren längere Leitern untergebracht. Sie konnten bei Bedarf von den Pechgrünern ausgeliehen werden. Dieser zehn Meter lange Bau grenzte an »Wickns Bleuchgårtn« und war Teil der Umzäunung des Gemeindegartens, in dem mehrere Apfelbäume und dicht an der Straße ein Zwetschkenbaum standen. Wickens Bleichgarten war ein eingezäuntes, etwa 1 Ar großes Stück Wiese, das unser Großvater vom »Euinbauern« gepachtet hatte. Die Nachbarwiese war Teil von »Euins Paint« und grenzte an die Straße, aus unerklärlichen Gründen war sie in den zwanziger Jahren nicht bebaut worden.
- Nr. 80: "Masta Mare" Haus der Fam. Marie Lorenz
- Nr. 81: "Howara Tone" Haus der Fam. J. Langhammer
- Nr. 83: "ban Schouster", Haus der Familie Wach
- Nr. 92: "Masta Ernst und Emma" Haus der Fam. Anton Lill
Der »Fuatzwinkl« hatte amtlicherseits bestimmt eine andere Bezeichnung, sie ist mir nicht bekannt und bleibt deshalb unerwähnt. Ob es diesen Weg vor der Bebauung auch schon gab, ist unwahrscheinlich. Links vom Weg standen drei Einfamilienhäuser; sie wurden damals zwar nicht so bezeichnet, aber es handelte sich um solche. Auf der rechten Wegseite gab es ein Zwei- und ein Einfamilienhaus. Es waren einfache Häuser mit drei Räumen: Wohnküche, Schlafzimmer und einer Einliegerwohnküche unter dem Dach. Beim Haus der »Masta Mare«, Haus Nr. 80, wurde später das Dachgeschoß ausgebaut. Ein Erker wurde aufgesetzt, dadurch entstand ein größerer Wohnraum im ersten Stock. Der »Howara Tone«, Haus Nr. 81, es hatte ein mit Eternitplatten gedecktes Satteldach. Vor und hinter diesen beiden Häusern gab es Gärten für Gemüse und Blumen, sowie ein Stück Rasen zum Bleichen der weißen Wäsche, denn das Bleichen der Wäsche war ein unabdingbares Ritual wie auch das »Weschflahn« im Bach. Bei der Aufzählung der Gewerbetreibenden habe ich den »Schouster« vergessen. Weil er ein Original war, sollte man ihn besonders würdigen. Nun, er hatte sein Haus am Ende des »Fuartzwinkls«. Ich kann mir vorstellen, daß er der Urheber dieser Bezeichnung war. Sein Haus war etwas größer als die beiden anderen und beim Haus hatte der Wach, Haus Nr. 83, so hieß der »Schouster«, einen großen Garten mit jungen Obstbäumchen, die erst nach Fertigstellung des Hauses gepflanzt worden waren. Das Erdgeschoß, welches man besser als Hochparterre bezeichnen sollte, erreichte man über fünf oder sechs Stufen. Dort gab es neben der Wohnküche und dem Schlafzimmer die Werkstatt. Mit dieser Werkstatt verbinden mich lebhafte Kindheitserinnerungen.
- Nr. 34: "Möhl Frank Haus" der Fam. Frank, später Wohlrab
- Nr. 82: "Schreibers Haus" Familie Fischer
- Nr. 83: Haus des Schusters Wach
- Nr. 92: "Masta Haus" der Fam. Anton Lill
Das Nachbarhaus war auf die rechte Wegseite gebaut. Es hatte ein Satteldach und war dem Haus des Schusters sehr ähnlich, anstelle der Werkstatt gab es bei »Schreibers Haus«, Haus Nr. 82, einen Ziegenstall. Der Garten war nicht so groß wie der des Nachbarn, Bäume und Sträucher gab es auch nicht, aber es lag höher als das »Wach Haus«.
Daneben hatte der »Masta Ernst« und seine Schwester Emma, Haus Nr. 92, ein Zweifamilienhaus gebaut. Der Ernst, er war Pozellanmaler und Samariter bei der Pechgrüner freiwilligen Feuerwehr, wollte Fabrikant werden. In einem Abau ließ er sich für seine Schmelzmalerei eine »Muffel« (Brennofen) mit einer überhaushohen Esse einbauen. Das Unternehmen ging pleite, dadurch war er gezwungen seine Haushälfte an die Schwester zu verkaufen. Bis dahin hatte das Haus an jeder Giebelseite einen Eingang. Der linke wurde zugemauert, als der Ernst mit seiner Familie aus Pechgrün wegzog. Auch der Schornstein wurde wieder abgerissen. Es blieb nur der flachdachige Anbau erhalten. Die Anwesen im »Fuatzwinkl« waren alle gut eingezäunt.
An dem Weg zu den eben beschriebenen Häusern und der Straße stand das Haus des »Howara Wenzl«, Haus Nr. 40. Es entsprach in seinen Maßen denen des Gemeindehauses. Über eine leichte Böschung gelangte man zu den Stufen, die zur vorderen Haustür führten. Nach der Tür gab es im Hausflur drei Stufen, erst dann befand man sich auf der Ebene des Wohnbereiches. Am Ende des Flurs war die Tür zum Hinterhof. An der Grundstücksgrenze, parallel zum Haus, standen »Schippla« (Schuppen) und der Stall für eine Kuh. Links des Flurs waren Wohnküche und ein Schlafzimmer, rechts ein weiterer, langgestreckter Schlafraum. Im Obergeschoß befanden sich Stuben und Kammern. Neben dem Wohnbereich war die Scheune. Das Haus hatte ein mit Eternit gedecktes Satteldach und einen Erker über dem Hauseingang. Die rechte Zufahrt zum Hinterhof war offen, die linke durch einen Zaun verschlossen.
Der »Werdl Huaf«, Haus Nr. 25, war einstöckig und stand mit der Giebelseite der Scheune direkt an der Straße. Ein Weg führte über eine leichte Steigung am Haus vorbei zum »Kohlanwesen«. Zwischen der Scheune und dem »Howara Haus« war der Göpelplatz. Dieser Platz war aufgeschüttet und eine graue Steinmauer schützte das Erdreich vor dem Abrutschen auf die Straße. Durch die Mauer wurde erreicht, daß der Göpelplatz die gleiche Höhe wie das übrige Grundstück bekam. Außer dem Göpel, einem Antriebsaggregat für landwirtschaftliche Maschinen, stand auf diesem Platz ein großer Laubbaum, eine Ulme. Der Göpel war eine Zusammenfügung von Zahnrädern, welche die langsame Gangart der Zugtiere in rasche Umdrehungen zum Antrieb, beispielsweise einer Dreschmaschine, umformte. Die Kuh oder der Ochse war an einen Balken geschirrt, der mit dem größten Zahnrad des Göpels verbunden war und zog diesen ständig im Kreise gehend um die Mittelachse dieses Apparates. Das Zugtier wurde oft von einem Kind »getrieben«, das auf eine gleichmäßige Gangart achten mußte. Im Anschluß an den Göpelplatz gab es einen Garten mit Obstbäumen, der von »Howaras« Garten und dem Weg zu »Kohles Haus« begrenzt war und am Kohlgrundstück endete. Die Giebelseite des Wohnbereiches war verdeckt durch die Bäume des angrenzenden Gartens. Das Fachwerk dieses schon sehr alten Hofes war durch Putz zugedeckt. Neben zwei Fenstern im Oberstock gab es zwei Holzschläge, Brettertüren über dem Stall und der Scheune. Vom rechten Hauseck bis nach der Stalltür lief eine »Stoa(n)bruck« am Haus entlang, anschließend, jedoch etwas tiefer gelegen, war die »Oo(d)lgroum« mit Holzplanken abgedeckt. »‘s Stodltåua« war in Straßenhöhe. Auf der linken Seite des Weges, der sich zur Straße hin trichterförmig öffnete, lagen noch weitere Einrichtungen, die zum Hofgrundstück gehörten. Ein großer Misthaufen war umgeben von den Grundstücken der »Schöi(n) Sommare« und von Gerbers Tischlerwerkstatt. Auf der dritten Seite dieses offenen Vierecks war eine Wagenremise und ein »Schüppl« sowie der Eingang zu einem weiteren Gartengrundstück mit Obstbäumen.
Das »Kohlanwesen«, Haus Nr. 69, war eine richtige Hofanlage, die um die Jahrhundertwende an den Dorfrand gebaut worden war. Das mindestens 30 Ar große Grundstück grenzte an die Gärten des »Werdl Kårl«, der »Masta Mare«, des »Howara Tone« und des »Wach Schousta«. Das an Haus und Scheune anschließende Wiesenstück war Teil von »Dåvadns Paint« und war von dieser nicht durch einen Zaun getrennt. Nur drei Obstbäume markierten die Grenze. Auf dieser Wiese gab es mindestens 11 Apfel- und Birnbäume, die jedoch mehr in der Nähe des Hauses und dem Nachbargrundstück des Gerber Tischlers standen. Das Haus war nur zum Wohnen eingerichtet. Es hatte ein Satteldach und war mit grauen Betonziegeln gedeckt. Diese Art der Bedachung gab es nur einmal im Dorf. Links und rechts des durchgehenden Flurs befanden sich je zwei Räume, im Dachgeschoß zwei Stuben und vier Kammern in den Dachschrägen. Von der Tür an der Vorderseite des Hauses führten fünf Stufen in den Garten. In den dreißiger Jahren wurde diese Tür zu einem Fenster und ein Teil des Flurs zu einer Küche umgebaut. Die Scheune mit Stall verlief in gleicher Richtung wie das Haus, jedoch um die Breite der Scheune hin zur Wiese versetzt. Stall und Scheune und eine Giebelseite des Hauses bildeten einen Winkel. In dieser Ecke war vor der Stalltür ein Misthaufen. An dieser Giebelseite des Hauses stand zwischen zwei Fenstern des Erdgeschoßes ein Fliederbaum. An der südlichen Ecke der Scheune begann ein Zaun, der auf einer Böschnung längs der Grundstücksgrenze zu einem großen Heuschuppen führte und von dort zum Garten des Schusters. An den Nachbargrundstücken entlang bis zu »Werdls Kårls Gårten« gab es eine sechs Meter breite Grasfläche, die »Bleuchfleeck« und »Gånsånger« zugleich war. Am Zaun zwischen »Sto(d)l« und Heuschuppen standen zwei Eichen. Es waren schon alte Bäume und sie dürften dort schon gestanden haben, noch ehe das Haus erbaut worden war. Längs dieses »Bleuchgårtns« parallel zum Haus gab es einen Ziegenstall woran etwas niedrigere »Huulzschippla« angebaut waren. In meiner Kindheit standen dicht dahinter von Grundstücksgrenze zu Grundstücksgrenze vier riesige Pappeln. Ende der zwanziger Jahre wurden sie gefällt. Zwischen Heuschuppen und Ziegenstall war der Zugang zu einem Rasenstück, in der Verlängerung dazu gab es am Zaun zum Nachbargarten einen Tümpel. Ein Wasserloch, das durch Überlaufwasser von Wachs Brunnen gespeist wurde. Von dort lief das Wasser in einem Graben am Heuschuppen vorbei, und zwar zwischen Scheune und Zaun »aaf d’ Paint« danach weiter zur »Bärnhaut«. Dieses Rasenstück lag etwa einen Meter über dem Niveau des Weges, der von der Straße herkam und in den Hof führte. Unterhalb dieses »Bleuchfleecks«, zwischen »Werdl Kårls« Garten und diesem Schuppentrakt gab es einen »Ascherhaffm« (Ein Platz für die Braunkohlenasche, die als Dünger im Spätherbst auf die Wiesen kam). An der östlichen Giebelseite des Hauses war ein weiterer Schuppen angebaut, der mit seiner Rückseite einen Blumen- und Gemüsegarten begrenzte. Dieser etwa ein halbes Ar großer Garten war durch einen Zaun vom übrigen Anwesen getrennt. Ein Bienenhaus für zehn Bienenvölker stand in diesem Garten, in dem es neben Gemüsebeeten auch Stachel- und Johannisbeersträucher gab. Rechts vom »Bie(n)haisla« stand ein »Kaiserbirnbaum«, er war nicht sehr hoch, aber seine Früchte waren dafür umso größer. Diese an den Ortsrand gebaute Hofanlage war nicht groß, wohl aber geplant und durchdacht gestaltet.
Vom »Kohlwinkel« zurück zur Straße, dort finden wir das Kleinbauernhaus von der »Schäj(n) Sommare«, Haus Nr. 49. Sie muß die dominierende Persönlichkeit in der Familie gewesen sein, denn der Mann, der Wenzl, wurde immer nur nebenher erwähnt. Ein Vorgarten begann an der Haustür und führte an der Nordseite um das Haus. Aus dem einzigen Fenster an der Rückseite des Hauses blickte man auf »Werdl Kårls Miesthaffm«. Die Südseite war an das Tischlerhaus angebaut. Das »Tischlerhaus«, Haus Nr. 26, war einst ein einstöckiges Einheitsbauernhaus das vom Gerber umgebaut worden war. Aus Stall und Scheune wurde die Tischlerwerkstatt geschaffen. Der »Haabuan« und das Obergeschoß der Scheune wurden zu Schlafräumen umgebaut. Die Werkstatt hatte eine Tür auf der Vorderseite und eine zweite auf der Rückseite des Hauses. Um 1930 wurde die Werkstatt in einen Ausstellungsraum für Möbel umgewandelt. Die Werkstatt mit den Schreinermaschinen wurde in das neue Werkstattgebäude verlegt, welches hinter dem Wohnhaus errichtet worden war. Weil die »Kohle« nichts von ihrem Grundstück abgab, bekam das neue Gebäude einen fünfeckigen Grundriß. Die Rückseite der neuen Werkstatt grenzte an »Werdl Kårls Miesthaffm«. Parallel zum Werkstattgebäude stand eine Scheune unmittelbar am Zaun zum Kohlgrundstück.
Haus Nr. 48: "'s Rasier Haisl" Frisör Geschäft der Fam. Rudolf Lorenz
»‘s Rasiererhaisl«, Haus Nr. 48, stand mit seiner Giebelseite direkt an der Straße. Es war ein sehr kleines Haus mit Krüppelwalmdach, das mit geteerter »Doochpåpp« gedeckt war. Es gab eine größere Stube und ein »Stüwl« im Untergeschoß, in diesem war ursprünglich der Frisiersalon eingerichtet. Erst als die Rasierer Familie in ein benachbartes, größeres Haus umgezogen war, wurde die Stube zum Herrensalon und das »Stüwl« zum Damensalon mit Dauerwellenapparat umfunktioniert. Die Straße, »‘s Rasiererhaisl«, das »Tischlerhaus« und das Haus von der »Schäi(n) Sommare« mit seinem Vorgarten begrenzten einen Platz, der mit ganz kurzem Gras an den Stellen bewachsen war, an denen dieser Platz nicht begangen oder befahren wurde. Ein niedriges Steinmäuerchen, einem Feldrain ähnlich, teilte das »Gerbertischler« vom »Sommer« Grundstück. Neben dem »Rasiererhaisla« gab es einen Heuschuppen mit Stall, in dem zwei Ziegen gehalten wurden.
Das »T(ü)lp-Haus«, Haus Nr. 31, war ein typisches Egerländer Kleinbauernhaus und war so nah an das »Rasiererhaisl« gebaut, daß man sich nur mit Mühe zwischen diesen beiden Häusern hindurchzwängen konnte. Es stand mit der Giebelseite seiner Scheune unmittelbar an der Straße. Der Fachwerkgiebel des Wohnbereiches war ins freie Feld gerichtet. Von der Straße kam man über eine kleine Holzbrücke, die den Straßengraben an dieser Stelle überquerte, am »Sto(d)l« und dem Stall vorbei auf einer »Bruck« zur Haustür. Die Steinplatten der »Bruck« waren in den Boden eingelassen. Nach der Haustür war der grasbewachsene Hof durch ein »Gårtntürl?« abgeschlossen. Die Wohnstube war ein dunkler Raum. Das sich daneben befindende »Stüwl« war noch düsterer, weil das einzige Fenster an der Rückseite des Hauses kaum Licht in den Raum ließ, denn das »T(ü)lp Haus« stand ganz nahe am Nachbarhaus. Die Stube bekam nur Licht durch zwei kleine Fenster an der »Schöißnseitn« des Hauses, denn eine Wagenremise war zu nahe an das Haus gebaut, sodaß auch durch die Fenster an der Vorderseite nur wenig Licht in die Stube kam. Der »T(ü)lp« betrieb eine Frächterei. Mit zwei Pferden beförderte er Kohlen und andere Güter. Vor der Wagenremise und dem Haus von der »Werdl Luis« gab es einen Platz zum An- und Ausspannen der Pferde. Über eine Rampe aus Holzbalken konnten die Fuhrwerke auf die Straße fahren.
An dieser Stelle vereinigte sich die Straße mit dem Weg, der an der Brücke bei »Wickńs Loon« begann und links am Bach entlang, an der Schule vorbei und beim »Eckl Huaf« wieder über den Bach führte. An dieser Stelle stand wie ein Wächter, das zweite Wahrzeichen von Pechgrün, eine hohe, schlanke Pappel. Sie gehörte zum »Girgn Anwesen«.
Auf dem durch Bach und Straße begrenzten Areal standen, wie auf einer Insel, dorfaufwärts sechs Häuser. Es waren dies »‘s Girgns« und »‘s Sommers«, das Haus vom »Siema Wenzl« und »‘s Boochheinzls«, das später vom Rasierer (Lorenz) erworben und bewohnt wurde. Dann folgte der Neubau vom »Möhlfrank« und das »Wicknhaus« mit Laden. Wenige Meter nach dem Laden trafen der Bach und die Straße wieder aufeinander.
Das »Girgn Haus«, Haus Nr. 39, war nur Wohnhaus, der Stall war in einem Schuppen untergebracht, welcher im Winkel an das Haus angebaut war und von der Straße und »Sommas« Garten begrenzt wurde. Das Haus lag etwas tiefer als die Straße. Es führten ein paar Stufen zum eingezäunten Vorplatz. Links und rechts der Haustür gab es je zwei Fenster und über der Tür einen Erker, ebenfalls mit zwei Fenstern. Einen solchen Erker gab es auch auf der Rückseite des Hauses. An der Giebelseite lag ein kleiner Blumen- und Gemüsegarten. Ein Hofraum umgab das Haus, an der Straße war er schmal, auf der Rückseite etwas breiter. Hinter dem Haus gab es »Schüppla« fürs Brennmaterial und die Hasenställe vom »Girgn Peppm« (Dorschner). Am südöstlichen Ende der »Schüppla« neben dem hinteren Garteneingang, stand »d’ Poopl«, das Wahrzeichen Pechgrüns im »Itan Dorf«. Man konnte sie von weitem, noch ehe man das Dorf sah, sehen. Wie ein erhobener Zeigefinger ragte sie in den Himmel. Der Durchmesser ihres Stammes maß an der Basis gut und gerne 70 cm. In einer Ecke zwischen Haus und Stallschuppen, am Zaun zum »Sommagrundstück« hatte sich »‘s Girgl« eine Hütte als Arbeitsraum eingerichtet. In ihm fertigte er »Peitschenriemen« aus Leder an. Eigentlich war »‘s Girgl« »Pfaafleischa« (Roßschlächter) stammte aus Doglasgrün und hieß Georg Fuchs. Nebenbei gerbte er Tierhäute, die dann mit Steinen beschwert oft tagelang im fließenden Wasser des Baches lagen. Als ich ihn bewußt erlebte, war er schon 85 Jahre alt, er war am gleichen Tag, dem 7. März 1850, wie der erste Staatspräsident der Tschechei Thomas G. Masaryk geboren. (Aus dem Protokollbuch der Gemeinde Pechgrün vom 29. Mai 1902: Als Georg Fuchs um die Jahrhundertwende von Doglasgrün nach Pechgrün umzog, hatte er Streit mit der Gemeinde wegen eines Grundstücks, daraufhin hat ihm der Gemeinderat per Beschluß die Heimatzuständigkeit / Heimatrecht in Pechgrün verweigert). Ein Fußweg verlief zwischen dem Bach und den angrenzenden Grundstücken bis zum »Boochheinzl Haus«. Er endete an »Möhlfrankens« Grundstück bei einem Vogelbeerbaum, der hinter »Boochheinzls« Abort wuchs.
Ein Graben lief längs der Straße auf der Ebene von »Somma Seffns« Grundstück, am »Girgn Anwesen« entlang; er führte schmutziges, stinkendes, fast schwarzes Wasser zum Bach. Hinter dem »Girgn Haus« bis zur Einmündung bei der Brücke war der Graben unter der Erde verlegt.
- Haus Nr. 25: Scheune des "Werdl Huaf" der Fam. Karl Heinzl
- Haus Nr. 35: "Siema Wenzl Haus" der Fam. Wenzl Köhler
Das »Sommer-Lima« Grundstück, Haus Nr. 36, lag gut einen Meter unter Straßenniveau gegenüber dem »Tischlerhaus« und dem der »Schäi(n) Sommare«. Es war ca. vier Ar groß, die Hälfte davon war Garten. Ein Weg, von der »Kohle« kommend, führte beim »Siema Wenzla« vorbei zu dieser uralten Steinbrücke bei der »Pumpm«. Das Haus war parallel zur Straße gebaut, es stand aber näher am Bach als an der Straße. Ein Anbau war vermutlich das ehemalige »Aaszugshaisl« (Ausgedingehaus). Dieses Haus stand direkt am Weg zur »Pumpm«. Man kam übergangslos in den Flur dieses einstöckigen Häuschens, das an die nördliche Giebelseite des »Sommer Hauses« angebaut war. Die Stube im Erdgeschoß und der Schlafraum im ersten Stock hatten Fenster zum Weg und zur Straße. Neben dem Hausflur war ein Stall, der eigenartigerweise eine Tür an der Rückseite des Anbaues hatte. Das »Sommer-Lima Haus« war ebenerdig. Im Wohnbereich gab es eine große Stube mit zwei Fenstern zur Straße und einem an der Giebelseite. Ein »Stüwl« war vom durchgehenden Flur aus zu betreten, es hatte zwei Fenster zum Bach. Der sonst übliche Erker über der vorderen Haustür war bei diesem Haus an der Rückseite. Vom Weg aus kam man durch ein »Türl« im Zaun in den Garten und von dort an der »Stooltia« vorbei zum Vordereingang, über diesem gab es auf dem Dach ein »Arkerl«. Das Dach war mit hellgrauem Eternitschiefer gedeckt. Der Hofraum wurde durch Schuppen und einer Scheune mit einem flachen Schrägdach gebildet. Direkt an der alten Steinbrücke war der Misthaufen, der von einem niedrigen aber ordentlichen Bretterzaun umgeben war. Daneben war ein Holzschuppen und ein Abort. Ein Apfelbaum stand an der Ecke des Schuppens. Dort kam man durch ein »Türl« zur »Weja« im Bach. Neben diesem Zugang bildete ein kurzer Lattenzaun die Grenze zwischen dem Grundstück, einem Fußsteg und dem Bach. Hinter diesem Zaun befand sich der »Aschahaffm«, es folgten zwei »Schippla« und der Sto(d)l«, der die südöstliche Ecke zum Nachbargrundstück bildete. Im Garten, der das Haus zur Straße hin umgab, hatte er zwei oder drei Birnbäume (Muschkatella). In der Mitte des Gartens, nahe der Straße gab es ein »Brunnahaisl«, in dem »d’ Somma Anna« ihre Milchtöpfe zur Kühlung einschwemmte.
Der Weg, der das »Sommer« vom »Siema« Grundstück trennte, war an der Straße mit einem Betonrohr untertunnelt, damit das Regenwasser im Straßengraben ungehindert weiterfließen konnte. Beim Austritt dieses Rohres, auf der »Somma Seite« der Straße, war ein »Wåssaluach« aus Granitquadern in die Straße hineingebaut. Dieser Brunnen hatte immer sauberes und frisches Wasser. Er war herrenlos. Niemand erhob Besitzansprüche. Es war auch nicht leicht, daraus Wasser zu entnehmen.
Das Grundstück vom »Siema Wenzl«, Haus Nr. 35, war von allen Seiten von Wegen umgeben. Es war kleiner als das »Sommer/Lima« Grundstück. Die Giebelseite und der Wohnteil dieses typischen Kleinbauernhauses war in einer Linie mit den Nachbarhäusern gebaut und etwa fünf Meter von der Straße entfernt. Von der Haustür führte ein Zaun zum Weg zur »Pumpm« und an diesem entlang zur Straße, dann längs der Straße bis zur Einfahrt zum Nachbar, dem »Boochheinzl« Haus und endete an einem schuppenähnlichen Anbau an der Rückseite des Hauses. Dieser eingezäunte Raum war weder Hof noch Garten. Der Boden war festgetreten wie eine Tenne, dennoch standen dort zwei hohe, alte Birnbäume. In der Ecke zwischen Weg und Straße war ein Schuppen hineingebaut, mit einem Satteldach, was sehr selten vorkam. Vor dem Haus im eingezäunten Teil des Gartens war ein Gemüse- und Blumenbeet. Am Eingang stand ein niedriger Apfelbaum. Vom Weg bis zur Haustür und am Haus entlang gab es eine »Bruck« aus Steinplatten, die beim »Sto(d)ltåua« endete. Diese Bruck rahmte den Misthaufen ein, der längs des Weges und an seiner Bachseite mit einem ordentlichen Bretterverschlag umgeben war. Vor dem »Sto(d)ltåua« gab es einen freien festgefahrenen Platz, der in den Weg überging, der am Bach entlang führte. Über der Haustür gab es ein überdachtes »Doochfenzerl«, das Licht für den »iawan Buan« spendete.
- Haus Nr. 24: "Wickn Lo(d)n" der Familie Adolf ud Frieda Heinzl
- Haus Nr. 34: "Möhl Frank" Haus der Fam. Frank, später Wohlrab
- Haus Nr. 37: " 's Boochheinzl" Haus der Fam. Rudolf Lorenz
- Haus Nr. 40: "Howara Wenzl" Haus der Fam. Wenzl Lochschmidt
- Haus Nr. 42: "Schouster Mares und Såhler Karls Haus" der Fam. Karl Kraus
- Haus Nr. 46: Gemeinde- / Armenhaus ("Gmoihäisl")
»‘s Boochheinzl Haus«, Haus Nr. 37, welches der »Rasierer« erworben hatte und von ihm und seiner Familie bewohnt wurde, war fast baugleich mit dem »Siema Haus«; es war jedoch deutlich später gebaut, denn die »Stuum« war wesentlich höher und das Dach mit Naturschieferplatten gedeckt. Der umzäunte Garten vor dem Haus und an dessen Giebelseite war noch kleiner als der des Nachbarn. Die rückwärtige Seite des Hauses bildete die Grenze zum »Möhlfranken Anwesen«, Das Haus stand mit der Giebelseite nur noch 3 Meter von der Straße entfernt. Es hatte keine Bruck. Zur Haus- und zur Stalltür führten jeweils zwei Stufen. An der rechten Ecke des Hauses war der Abort. Nahe dabei stand ein Vogelbeerbaum am Rande des Baches. Dort endete auch der Fußweg, der am Bach entlang von der »Ecklbruck« herführte. Die Bachmauer auf der Seite vom »Boochheinzl Haus« war wesentlich niedriger, als die gegenüberliegende, die Teil des »Strunzen Hauses« war.
Das nächste Haus dorfaufwärts war das vom »Möhlfrank«, Haus Nr. 34. Es stand längs der Straße, etwa drei Meter zurückgesetzt. Das Grundstück dürfte ca. drei Ar gemessen haben. An seiner breitesten Seite, unmittelbar am Haus vom »Boochheinzl« waren es zwischen Straße und Bach sicher 15 Meter. Das alte »Möhlfranken Haus«, es brannte 1932 ab und wurde später durch ein einstöckiges Wohnhaus ersetzt, das bei meinem letzten Heimaturlaub 1942 und auch bei der Einschüttung immer noch ohne Außenverputz war, allerdings schon seit vielen Jahren bewohnt wurde. Das alte Haus war ein Kleinbauernhaus mit Abort und »Schüpplan« auf der Rückseite. Zum Haus gehörte ein verhältnismäßig großer Blumen- und Gemüsegarten, an dessen Zaun zur Straße drei Fichten standen, eine weitere Fichte stand an den »Staffalan« zum »Wåssaluach«. In der Ecke zwischen Straße und »Wickns Sto(d)l« stand ein alter »Huulzbianbaam«; seine Birnen waren sehr klein, aber er trug jedes Jahr eine Unmenge davon. Sie waren kaum genießbar. Wahrscheinlich hat »Möhlfrankens ålta Gonsara« und seine Gänseschar die Birnen alle gefressen.
Auf das letzte Grundstück in der Reihe zwischen Straße und Bach, meinem Geburtshaus, werde ich am Ende der Beschreibung näher eingehen.
Die Brücke, die zwischen der »Poopl« und dem »Eckl Huaf« den Bach überquerte, hatte offiziell keinen Namen. Es war die letzte, bevor der Bach das Dorf verließ, man nannte sie einfach »d’ Bruck ban Eckla«. Über diese Brücke führte der Weg nach Neurohlau, von dem einer zum »Gasthaus Bohrturm«, ein anderer über den »Schöllbach« zum »Hechtenteich« und dem »Huhln Wech« bzw. zum »Wöidichn Ochsn« abzweigte.
Der »Eckl Huaf« war ursprünglich der Hof des Gründers von Pechgrün, er müßte eigentlich Hanrich oder Huinzl Huaf heißen. Anfang des 19. Jahrhunderts heiratete ein Sättler, aus der großen Sättlerfamilie von der »Ecklmühle« in diesen Hof ein, der Hausname »Eckl« setzte sich im Laufe der Zeit bei der Bevölkerung durch. Dieser Stammsitz bestand eigentlich aus zwei Höfen, sie bekamen bei der Hausnummerierung die Nummern 1 und 2. Nummer 2 muß der Hof des »Neibauern« gewesen sein. In diesem Hof sind alle mir bekannten Hanrichvorfahren bis zurück ins Jahr 1766 geboren. Diese beiden Höfe standen sich gegenüber und waren einstöckige Egerländer Einheitsbauernhäuser mit reichlich Fachwerk. Die Scheunen dieser beiden Höfe standen im Winkel zum Wohn- und Stallgebäude und bildeten einen großen, zum Bach hin offenen Hof. Das Haus Nr. 2 wurde 1875 an die Gemeinde verkauft, es wurde die erste Pechgrüner Volksschule darin untergebracht. Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts wurde das einstöckige Schulgebäude der zweiklassigen Volksschule gebaut. Es war im Winkel an den ehemaligen »Neubauernhof« gebaut. Ein Teil des offenen. Hofraums wurde zum Schulgarten umfunktioniert und ein Zaun trennte von nun an die beiden Stammhöfe der Nachkommen des »Hedenricus de Pethgrün«. Das Haus Nr. 1 der »Eckl Huaf« stand mit seiner Rückseite nach Süden. Die Giebelseite hatte reichlich Fachwerk, bis dieser 1932 mit Eternitplatten verdeckt wurde. Zur gleichen Zeit wurde das Strohdach durch ein Eternitschieferdach ersetzt. Damals war ich Schüler im 4. Schuljahr und der Unterricht fand in der zweiten Klasse statt. Durch die beiden rückwärtigen Fenster des Klassenzimmers konnte man die Arbeit der Dachdecker gut beobachten. Neben einem großen zweiflügeligen Tor führte noch ein »Gårtntürl« in den Hofraum. Vom »Türl« bis zur Scheune gab es eine breite »Stoa(n)bruck«, sie war niveaugleich mit dem Hofraum. Gegenüber der Haustür führte im »Brunnahaisla« eine »Sttoa(n)stejch« hinab zur »Grou«, Neben dem Brunnenhäuschen gegenüber der Stalltür war der Misthaufen. Die Doppelscheune hatte zwei große »Sto(d)ltåua«, man konnte vom Hof als auch vom Neurohlauer Weg aus hineinfahren. Neben der Scheune und der Umzäunung der Schule gab es ein zweites Tor, durch das man in den Hof gelangen konnte. Hinter dem Haus durch den Bach begrenzt, begannen die Wiesen, die zum Anwesen gehörten. Unmittelbar am Haus gab es einige Obstbäume, längs des Baches standen Erlen. Im Winkel zwischen Haus und Bach gab es Jahr für Jahr einen großen »Strouhaffm«.
Im Haus Nr. 2 war die Wohnung des Schulleiters; wir nannten ihn »Oberlehrer« und man brauchte schon einige Phantasie, um sich vorzustellen, daß früher in den Gewölben, in denen das Brennmaterial für die Schulheizung lagerte, Kühe und Kälber gehalten wurden. Im oberen Stockwerk befanden sich Wohn- und Schlafräume. Vor der Fertigstellung des angebauten, einstöckigen Schulgebäudes wurde in diesen Räumen Schule gehalten. Das Schulhaus selbst war einstöckig und hatte an der Gartenfront neben der Doppeltür vier Fenster. Im ersten Stock waren es fünf. Das erste in der Reihe brachte Licht ins »Kabinett«. In diesem Raum wurden Lehr- und Lernmittel, wie: Landkarten, ausgestopfte Tiere, in Spiritus konservierte Kreuzottern und Frösche sowie zwei physikalische Demonstrationsgeräte aufbewahrt. Der besondere Stolz war eine »Induktionsmaschine«. Mit ihr konnte man statische Elektrizität erzeugen und kleine Blitze simulieren. Mit Hilfe dieses Gerätes konnte man auch bei dazu geeigneten Schülern elektrische Funken aus der Nasenspitze ziehen. Die Klassenzimmer waren hoch und hell. 1929 bekam das untere, 1932 das obere Klassenzimmer elektrisches Licht. Zwischen dem alten und neuen Schulhaus in einem Winkel, gab es einen sogenannten Turnplatz, auf dem früher einmal ein Reck aus Holzpfosten stand. Dieser Platz lag wesentlich tiefer als der vorbeiführende Weg und maß im günstigsten Fall drei mal vier Meter. Am Zaun des Schulgartens entlang standen Apfel- und Birnbäume, es gab auch Beerensträucher. Während der Erntezeit hatte der Oberlehrer mehr Mühe, die Kinder von seinen Sträuchern fernzuhalten, als ihnen das ABC beizubringen. Vom »Eingangstürl« bis zur Schulhaustür war der Weg mit Granitplatten gepflastert. Vor der »Schoelltür« gab es eine »Bruck«, von der führte eine Stufe ins neue und zwei Stufen ins alte Schulhaus. Ein schmales Beet lief am Hause entlang. Auf ihm konnte deshalb nichts wachsen, weil es von den Kindern beim Verlassen der Schule als Trampelpfad benutzt wurde. Den Erstklässlern erzählte der Oberlehrer immer, daß er in dieses Beet »Nahnåu(d)lsåuma« gesät hätte und daß es streng verboten sei, das Beet zu betreten.
Hinter der Schule fiel der Weg zum »Eckl Huaf« etwas ab. In diese Erhöhung war das »Äidana Haus«, Haus Nr. 65, teilweise hineingebaut. Dieses Häuslerhaus hatte zu irgendeiner Zeit einmal einen Stall, den der »Wickn Seffn« vor der Jahrhundertwende zu einem Laden umgebaut hatte, denn in diesem Haus gründete und betrieb er sein Gemischtwarengeschäft. Die Scheune mit Ziegenstall stand an der Rückseite der Schule und ganz nah am hinteren Tor des »Eckl Hofes«, Der letzte Besitzer dieses Hauses war der »Äidana Seff«, er handelte mit Milch. Er brachte die Milch in einem Handwagen, den er selbst ziehen mußte, nach Chodau, wo er sie an seine Stammkunden verkaufte.