Affenfelsen

Schulausflugsziel, Erinnerungsort und wiederentdeckter Fels oberhalb des Schwarzebachs

Affenfelsen

Der Affenfelsen war ein markanter Felsvorsprung oberhalb des Schwarzebachs, nordwestlich von Pechgrün gelegen. Er befand sich zwischen dem Bachlauf und dem steil ansteigenden Hang des Robesbergs und lag unmittelbar am Weg, der von Pechgrün zur Wehrmühle und weiter nach Kösteldorf führte. In den Erinnerungen der ehemaligen Bewohner wird der Affenfelsen mehrfach erwähnt und eindeutig in diesen Landschaftszusammenhang eingeordnet.

Schulausflug auf den Affenfelsen – Gruppe von Pechgrüner Schulkindern

Schulausflug auf den Affenfelsen. Der Fels war ein beliebtes Ziel für die Kinder aus Pechgrün.

Der Felsen ragte aus dem bewaldeten Hang heraus und bot einen freien Blick über das Bachbett sowie die angrenzenden Wald- und Wiesenflächen. Er war kein offiziell benannter Punkt auf topografischen Karten, sondern ein im Dorf gebräuchlicher Ortsname, der sich aus der alltäglichen Nutzung und Wahrnehmung heraus entwickelte.

Bedeutung im Dorfleben

Für die Kinder von Pechgrün war der Affenfelsen ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders Schulausflüge führten hierher, wie historische Fotografien zeigen, auf denen Gruppen von Schulkindern auf und um den Felsen versammelt sind. Der Affenfelsen war damit kein entlegener oder geheimnisvoller Ort, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil der dörflichen Umgebung und des kindlichen Alltags.

A ganze Schlinglbande – lauter freche Buben auf dem Affenfelsen. Die Aufnahme zeigt den Ort als Spiel- und Erlebnisraum, nicht als Denkmal.

„A ganze Schlinglbande“ – lauter freche Buben auf dem Affenfelsen. Die Aufnahme zeigt den Ort als Spiel- und Erlebnisraum, nicht als Denkmal.

In den überlieferten Fotografien ist auch Erich, der spätere Chronist Pechgrüns, als Schulkind auf dem Affenfelsen zu sehen. Die Bilder bestätigen nicht nur die Existenz und Gestalt des Felsens, sondern auch seine Rolle als gemeinschaftlich genutzter Ort.

Karten, Erinnerung und Lagebestimmung

Der Affenfelsen war nie Bestandteil offizieller topografischer Karten. Es existiert jedoch ein handgezeichneter Ortsplan, in dem der Felsen eingezeichnet ist. Dieser Plan belegt die allgemeine Lage des Ortes, erlaubt jedoch keine exakte Bestimmung von Koordinaten.

Handgezeichneter Ortsplan von Pechgrün mit eingezeichnetem Affenfelsen

Ausschnitt aus dem handgezeichneten Pechgrüner Ortsplan von Karl Redelbach mit Eintragung des Affenfelsens.

Gerade diese fehlende kartografische Genauigkeit führte dazu, dass der Affenfelsen später nur noch aus Erzählungen und Fotografien bekannt war. Seine genaue Position im Gelände blieb lange unklar, insbesondere nachdem sich das Landschaftsbild durch Abraumaufschüttungen stark verändert hatte.

Wiederauffindung des Ortes

Die genaue Lage des Affenfelsens ließ sich lange Zeit nicht eindeutig klären. Zwar existierten schriftliche Erinnerungen, Fotografien sowie der handgezeichnete Ortsplan, doch blieb offen, ob der Felsen die späteren Veränderungen des Geländes überhaupt überstanden hatte.

Bekannt war, dass sich das Landschaftsbild im Laufe der Jahre stark verändert hatte. Historische Luftbilder aus der Zeit nach dem Krieg zeigen, wie die Halde Schritt für Schritt in Richtung des vermuteten Standorts vorrückte. Bild für Bild wird sichtbar, dass der Abraum dem Affenfelsen immer näherkam und schließlich auch diesen Bereich erreichte. Ob der Felsen dabei vollständig verschüttet worden war oder ob noch Reste erhalten geblieben sein könnten, blieb jedoch lange unklar.

Erst durch eine genauere Auswertung von Karten und Luftbildern ließ sich die Suche weiter eingrenzen. Auf dieser Grundlage wurden schließlich Koordinaten festgelegt, die bei einer Begehung vor Ort überprüft werden sollten – ohne die Gewissheit, dort tatsächlich noch etwas vorzufinden.

Der Besuch im Gelände im Mai dieses Jahres brachte schließlich Klarheit. An der errechneten Stelle ragte tatsächlich ein Felsen aus dem Abraum heraus. Der Schutt war bis an den Felsen herangeschoben und teilweise darüber hinweggeführt worden, hatte ihn jedoch nicht vollständig überdeckt.

Damit konnte erstmals bestätigt werden, dass der Affenfelsen noch existiert – und zwar genau an dem Ort, an dem er aufgrund der vorausgegangenen Auswertung von Bildern, Karten und Geländestrukturen vermutet worden war. Die folgende Kartenanalyse zeigt, wie sich diese Lage im Detail nachvollziehen lässt.

Lagebestimmung des Affenfelsens

Die folgende Beschreibung erläutert Schritt für Schritt, wie sich die Lage des Affenfelsens mithilfe von Karten und Luftbildern rekonstruieren ließ. Ausgangspunkt war die Kartenplattform des tschechischen Vermessungsamts, die eine aktuelle topografische Karte mit einem orthofizierten historischen Luftbild aus dem Jahr 1950 kombiniert.

Das dazugehörige interaktive Karten-Overlay am Ende dieses Abschnitts ermöglicht es, die hier beschriebenen Schritte nachzuvollziehen und die verwendeten Karten miteinander zu vergleichen. Dabei werden die amtlichen Kartenfunktionen durch eine zusätzliche Überlagerung ergänzt, um die Veränderungen des Geländes im Detail sichtbar zu machen.


1. Luftbild 1950 ansehen

Zunächst ist das Luftbild von 1950 sichtbar.
Achte auf die markierte Stelle (Oval) oberhalb des Schwarzebachs, auf dem Weg von Pechgrün zur Wehrmühle.

An dieser Stelle ist im Luftbild eine unbewaldete Felsstruktur zu erkennen. Sie ist die einzige offene Felsstelle in diesem Bereich und entspricht der Lage, wie sie in den Erinnerungen beschrieben wird. Das ist der Ausgangspunkt der weiteren Untersuchung.


2. Auf „Topo heute“ umschalten

Schalte nun auf „Topo heute“ um.

Du siehst, wo die markierte Stelle heute im Gelände liegt. Eine Halde ist in der aktuellen topografischen Karte an dieser Stelle nicht ausdrücklich eingezeichnet. Auffällig ist jedoch eine Abbruchkante, die genau durch diesen Bereich verläuft.

Entlang dieser Abbruchkante liegt das Gelände heute insgesamt höher als früher und steigt nur noch sehr sanft nach oben. Das zeigt sich daran, dass die Höhenlinien weiter auseinanderliegen – ein Hinweis auf einen flachen, gleichmäßig ansteigenden Hang.

Aus späteren Luftbildern ist jedoch bekannt, dass die Halde im Laufe der Zeit immer weiter in diesen Bereich vorgedrungen ist und schließlich auch den Bereich des Affenfelsens erreicht hat. Dass diese Veränderung in der heutigen topografischen Karte nicht vollständig dargestellt ist, macht einen Vergleich mit älteren Karten notwendig.


3. Topografische Karte von 1964 einblenden

Bewege nun den Regler für die Karte von 1964 langsam nach rechts.

Dabei wird sichtbar, wie das Gelände früher ausgesehen hat. An der Stelle, an der heute die Abbruchkante verläuft, befand sich damals ein deutlich steilerer Hang, der weit nach unten ins Tal hinabreichte. Die Höhenlinien liegen hier enger beieinander und ziehen sich deutlich tiefer talwärts als in der heutigen Karte.

Wenn du den Regler wieder zurückbewegst, wird der Unterschied unmittelbar sichtbar:
Der frühere Steilhang existiert heute nicht mehr. Stattdessen liegt das Gelände höher und steigt nur noch flach an. Diese Veränderung lässt sich nur dadurch erklären, dass Abraum schrittweise nach oben geschoben und das Gelände aufgefüllt wurde.


Schlussfolgerung

Der Abraum wurde bis über den ursprünglichen Standort des Affenfelsens hinweg geschoben, hat ihn jedoch nicht vollständig überdeckt. An der heutigen Abbruchkante musste daher ein Teil der ursprünglichen Felsstruktur erhalten geblieben sein.

Genau dort wurden die Koordinaten festgelegt.

Bei der Begehung vor Ort bestätigte sich diese Annahme:
An dieser Stelle ragt tatsächlich ein Felsen aus dem Abraum heraus. Damit konnte der Standort des Affenfelsens erstmals eindeutig bestimmt werden – nicht mehr in seiner ursprünglichen Form, aber klar identifizierbar.

Karten-Overlay

Basiskarte: Topografische Karte heute Basiskarte: Luftbild 1950 Overlay: Topografische Karte 1964
Luftbild 1950 Topo heute
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Wer sehen möchte, wie der Affenfelsen heute aussieht und was bei der Begehung vor Ort festgehalten wurde, findet eine ausführliche Dokumentation auf einer eigenen Seite.