Neues Kreuz auf der Pechgrüner Halde

Im August 2026 von der Stadt Chodov aufgestellt

Am 18. August 2026 besuchte Jaroslav Karban den Standort des neuen Kreuzes und nahm dieses Video auf. Es zeigt das Kreuz und seine unmittelbare Umgebung wenige Tage nach der Aufstellung.

Ein zunächst provisorischer Standort

Nach Auskunft des zweiten Bürgermeisters Luděk Soukup hatte die Stadt Chodov den ehemaligen Einwohnern von Pechgrün seit Jahren die Aufstellung eines großen Kreuzes auf der Halde versprochen. Das dafür vorgesehene Holzkreuz ist längst fertiggestellt, wird jedoch in Chodov gelagert, da der Grundstückseigentümer Sokolovská uhelná (Falkenauer Kohlenbergbau-Gesellschaft) die erforderliche Genehmigung bislang nicht erteilt hat.

Zugestimmt wurde schließlich einer kleineren, versetzbaren Lösung. Dieses Metallkreuz wurde am 14. August 2026 auf die Halde gebracht und aufgestellt. Es steht auf einem Betonsockel, der nicht fest im Boden verankert ist. Es ist damit zunächst ein Provisorium und kann bei Bedarf wieder entfernt oder an einen anderen Standort versetzt werden.

Das Kreuz selbst trägt keine Inschrift. Auch ein Hinweis auf Pechgrün oder die verschwundene Gemeinde ist nicht angebracht.

Hinter dem Vorhaben stand auch das langjährige Engagement ehemaliger Pechgrüner und ihrer Nachkommen. Helga Kubánková, die heute die jährlichen Pechgrüner Gedenkfeiern bei Bílá Voda mitorganisiert, hatte bereits im Vorjahr gemeinsam mit drei weiteren Frauen und Bürgermeister Patrik Pizinger die Halde besucht. Bei dieser Ortsbesichtigung wurde die Aufstellung des Kreuzes auf der Halde geplant.

Rund 300 Meter vom ehemaligen Dorf entfernt

Als ich erfuhr, wo das neue Kreuz aufgestellt worden war, hat mich die Wahl des Standortes zunächst überrascht. Ich hatte erwartet, dass es über dem ehemaligen Ortskern Pechgrüns stehen würde, vielleicht sogar an der Stelle der früheren Kapelle. Tatsächlich befindet es sich rund 300 Meter davon entfernt, über einem Gelände, auf dem sich vor der Aufschüttung der Halde eine Feuchtwiese außerhalb des Dorfes befand.

Satellitenbild der Pechgrüner Abraumhalde mit dem Standort des neuen Kreuzes

Der Standort des neuen Kreuzes auf der heutigen Abraumhalde.

Historische Karte von Pechgrün mit dem Standort des neuen Kreuzes

Auf die historische Karte übertragen liegt der Standort rund 300 Meter von der ehemaligen Kapelle und dem Ortszentrum entfernt.

Luděk Soukup zufolge wurde der Platz auf der Halde unter anderem wegen seiner Zugänglichkeit gewählt. Außerdem sollte das Kreuz vom Badesee Bílá Voda aus sichtbar sein.

Die Gedenkfeier am 15. August

Am Vormittag des 15. August begann die alljährliche Pechgrüner Gedenkfeier wie in den vergangenen Jahren am Erinnerungsort bei Bílá Voda. Diesmal wurde sie anschließend auf der Abraumhalde fortgesetzt. Dort waren das neue Kreuz und die originale Pechgrüner Glocke bereits aufgestellt; auch die Geländefahrzeuge der Feuerwehr standen bereit.

Teilnehmer des Besuchs am Erinnerungsort bei Bílá Voda
Neues Kreuz und Pechgrüner Glocke auf der Abraumhalde

Der Standort des Kreuzes ist normalerweise nur zu Fuß erreichbar. Für diesen besonderen Besuch stellte Sokolovská uhelná einen geländegängigen Transporter zur Verfügung, der die etwa 20 Teilnehmer einen Teil des Weges auf die Halde brachte. Auf dem Foto fällt mir auf, dass der Transporter offenbar ganz in der Nähe der Stelle gehalten hat, unter der Pechgrüns Kapelle heute begraben liegt und an der Claus und ich im Jahr zuvor eine kleine Gedenktafel aufgestellt haben.

Teilnehmer neben dem geländegängigen Transporter von Sokolovská uhelná

Für das letzte Stück zum Kreuz setzte die Feuerwehr kleine geländegängige Fahrzeuge ein. Sie brachten die Teilnehmer im Pendelverkehr noch eine Ebene höher zum Standort des neuen Kreuzes.

Geländefahrzeug der Feuerwehr auf der Abraumhalde

Auch die originale Pechgrüner Glocke wurde zu diesem Anlass auf die Halde gebracht. Sie befand sich in einem mobilen hölzernen Glockenstuhl und wurde während der Zusammenkunft am neuen Kreuz geläutet.

Teilnehmer am neuen Kreuz mit der Pechgrüner Glocke

Die Teilnehmer schmückten das Metallkreuz mit Blumen. Auf den Betonsockel legten sie größere Steine, auf die sie ihre Namen geschrieben hatten – eine schöne Geste, wie ich finde.

Beschriftete Steine auf dem Betonsockel des neuen Kreuzes

Eine dankenswerte Initiative – und eine verpasste Gelegenheit

Dass die Stadt Chodov auch 80 Jahre nach dem Ende Pechgrüns an das verschwundene Dorf und seine ehemaligen Bewohner erinnert, ist alles andere als selbstverständlich. Umso mehr schätze ich die Initiative der Stadt und aller Beteiligten, mit einem Kreuz auf der Halde ein weiteres Zeichen der Erinnerung an Pechgrün zu setzen.

Ob das Kreuz dabei genau über dem ehemaligen Dorf steht, ist für mich nicht entscheidend – es kann auch an seinem jetzigen Standort symbolisch für Pechgrün stehen. Schön finde ich auch, dass die originale Pechgrüner Glocke bei der Gedenkfeier am neuen Kreuz wieder geläutet wurde. Eine besondere Gelegenheit blieb dabei allerdings ungenutzt: Nur rund 300 Meter entfernt liegt unter der Halde die ehemalige Kapelle, zu der diese Glocke einst gehörte.

Bei einer künftigen Erinnerungsfeier könnte auch dieser historische Ort einbezogen werden. Das neue Kreuz müsste dafür nicht versetzt werden – es kann an seinem jetzigen Standort weiterhin als Gedenkort dienen. Die Stelle der ehemaligen Kapelle ist bereits durch eine kleine Gedenktafel markiert und leicht erreichbar; sie befindet sich ganz in der Nähe der Stelle, an der die Teilnehmer diesmal vom großen Transporter in die kleineren Geländefahrzeuge umstiegen. Die Pechgrüner Glocke auch dort einmal erklingen zu lassen, genau über dem Ort, an dem sie früher hing, wäre für mich eine besonders passende Form des Erinnerns.

Fotos: Helga Kubánková und Josef Moder.