Zurück nach Pechgrün
Eine imaginäre Zeitreise in das verschwundene Dorf
Was wäre, wenn wir heute noch einmal nach Pechgrün fahren könnten? Nicht zu der Abraumhalde, unter der das Dorf verschwunden ist, sondern zurück in eine Zeit, als die Häuser noch standen, der Bach durch das Dorf floss und die Wege zu den umliegenden Feldern, Teichen und Wäldern führten.
Diese Zeitreise ist natürlich nicht möglich. Die Bilder auf dieser Seite versuchen trotzdem, sie für einen Augenblick Wirklichkeit werden zu lassen. Ich habe sie auf Grundlage historischer Fotografien und anderer überlieferter Ansichten mit Hilfe künstlicher Intelligenz erzeugt und dabei versucht, mich so eng wie möglich an die historischen Vorlagen zu halten.
Ich selbst habe Pechgrün nie gekannt. Meine Vorstellung des Dorfes entstand aus alten Fotografien, Erzählungen und Büchern und aus der intensiven Beschäftigung mit Pechgrün in den vergangenen Monaten. Ich meine, dass wir mit diesen Bildern der Wirklichkeit erstaunlich nahe gekommen sind.
Vor uns liegt Pechgrün. Die Häuser stehen, die Felder werden bewirtschaftet, und ein Weg führt hinunter zum Dorf.
Wir folgen der Straße am Kastenteich. Noch liegt das eigentliche Dorf ein Stück vor uns.
Wir kommen durch die „Luft“, einen Pechgrün vorgelagerten Ortsteil. Seinen Namen soll er dem Wind verdankt haben, der hier besonders kräftig wehte. Vor uns rückt das Dorf immer näher.
Hinter der großen Pappel beginnt Pechgrün. Wir gehen zu Fuß weiter.
Die ersten Häuser begleiten die Straße. Gärten, Zäune, Obstbäume und Wirtschaftsgebäude gehören ganz selbstverständlich zum Bild. Hinter der Pappel erkennt man das Schulgebäude.
Jetzt sind wir mitten in Pechgrün. Straße und Bach ziehen gemeinsam durch das Dorf. Links steht das Pleierwirtshaus, rechts das Wirtshaus zum Grünen Baum. Kleine Brücken und Stege verbinden die Häuser und Grundstücke auf beiden Seiten.
Und natürlich wären wir hier nicht allein. Auf der Straße begegnen uns Menschen, die nicht wissen können, dass ihr Dorf für uns längst Vergangenheit ist.
Wir erreichen Fellners Kolonialwarenladen. Für Erich Heinzel war hier die eigentliche Dorfmitte – das kleine Plätzchen zwischen Straße und Bach, an dem mehrere Wege zusammenliefen.
Ein Stück weiter steht die kleine Kapelle. Sie entstand im 18. Jahrhundert und wurde von der Familie Haberditzl vom Bauernhof Nr. 7 errichtet und gepflegt, auf deren Grundstück sie sich befand. Vor der Kapelle sehen wir einige Mitglieder der Familie.
Wir lassen die Kapelle hinter uns und gehen am Kutscherberch weiter hinauf zum Haus Nr. 56, das Ignaz Roßmeisl gebaut hatte.
Weiter geht es zum Brandner-Haus am Weg nach Kösteldorf. Wohnhaus, Stall, Schuppen, Garten und Obstbäume gehörten hier ganz selbstverständlich zusammen.
Zu den schönen Fachwerkhäusern des Dorfes zählte auch das Kåthrina-Häusl der Familie Kunzmann, Hausnummer 18.
Unsere Zeitreise hält sich nicht an den Kalender. Schnee liegt vor dem Kutscherbauernhaus, und für die Kinder ist die Straße zum Spielplatz geworden.
Wieder eine andere Jahreszeit. Im oberen Dorf begegnet uns ein Junge mit einer Kamera. Für einen Augenblick schaut nun jemand aus dieser vergangenen Welt zurück auf uns.
Wir steigen höher. Nach den engen Straßen und den einzelnen Häusern öffnet sich der Blick wieder über Pechgrün und die Landschaft ringsum.
Am Vogelsang wird die Bebauung lockerer. Häuser, Wiesen, Felder und Wald gehen fast unmerklich ineinander über.
Am Rand des Dorfes befindet sich der alte Matzlhof mit seinen drei Linden, die dort schon seit dem Dreißigjährigen Krieg standen.
Von dort führt der Weg zur Wehrmühle am alten „Hiacha-Haus“, dem Haus des Hegers, vorbei.
Wir gehen weiter. Auf einer Waldlichtung erreichen wir schließlich die Wehrmühle.
Ein weiterer Zeitsprung bringt uns wieder mitten ins Dorf – diesmal im Winter. Schnee liegt auf Straßen, Dächern und Gärten. Menschen sind unterwegs, Kinder spielen draußen.
Unsere Zeit in Pechgrün ist vorbei.
Vom Meislberg schauen wir ein letztes Mal zurück auf die Häuser, Gärten, Felder und Teiche. Für die Menschen dort ist all das Gegenwart. Sie wissen nicht, was kommen wird.
Wir schon.