Die Osmose
Das Kaolinwerk bei Poschetzau – von den Pechgrünern „d’Schlemm“ genannt
Für viele Bewohner von Pechgrün war die Osmose, das Kaolinwerk bei Poschetzau (Božičany), über Jahrzehnte ein wichtiger Arbeitsplatz. Hier wurde Kaolin gewonnen und aufbereitet, früher auch unter Tage. Im Volksmund hieß der Betrieb „d’Schlemm“. Heute betreibt das Unternehmen Sedlecký kaolin hier einen großen Tagebau.
Auf den Spuren von Claus’ Großvater
Im Sommer 2026 waren Claus und ich auf dem Rückweg von Voigtsgrün nach Anzing. Als wir an Poschetzau vorbeikamen, erzählte Claus, dass sein Großvater hier zwischen den Weltkriegen gearbeitet hatte, zeitweise sogar unter Tage. Er würde sich das Werk gerne einmal ansehen und irgendwann fragen, ob man hineinkommen könne.
„Warum irgendwann? Warum halten wir nicht gleich an und fragen?“, entgegnete ich. Also drehten wir um und fuhren zum Werk.
Es war Sonntag. An der Einfahrt blickten wir in die gewaltige Grube mit ihren hellen, stufenförmig abgetragenen Schichten. Ein geschlossenes Tor oder eine Absperrung war nicht zu sehen. Also fuhren wir auf das zunächst menschenleere Betriebsgelände.
Bei den Gebäuden trafen wir schließlich einen jungen Mann. Claus versuchte zu erklären, dass sein Großvater früher hier gearbeitet hatte und er gerne ein Stück Kaolin als Erinnerung mitnehmen würde. Doch auf Deutsch kamen wir nicht weiter. Auch ein älterer Kollege verstand uns zunächst nicht. Erst als Claus in einer Kiste einige weiße Brocken entdeckte und auf einen davon zeigte, wurde klar, was er wollte. Die beiden erlaubten ihm, ein Stück mitzunehmen. Claus bedankte sich mit einigen Euro.
Hinunter in die Grube
Anschließend gingen wir auf unterschiedlichen Wegen in den Tagebau hinunter. Claus wollte versuchen, noch ein Stück direkt aus der weißen Kaolinschicht zu lösen. Ohne Werkzeug war das jedoch unmöglich. Ich betrachtete unterdessen die hellen und dunklen Erd- und Gesteinsschichten.
So blieb es bei dem Kaolinstück, das Claus von den beiden Arbeitern erhalten hatte. Später fotografierten wir es bei ihm zu Hause.
Die Pechgrüner und die Osmose
Wie eng das Werk mit Pechgrün verbunden war, zeigt ein historisches Gruppenfoto aus den Jahren 1914 bis 1918. Während viele Männer im Krieg waren, übernahmen Frauen aus Pechgrün ihre Arbeit in den Poschetzauer Schlämmereien. Das Foto erinnert daran, dass die Osmose in den Kriegsjahren auch für Frauen aus dem Dorf ein Arbeitsplatz war.
Auch in persönlichen Erinnerungen begegnet uns die Osmose. Erich Lill, 1927 in Kösteldorf geboren, brachte als Kind seinem Vater, der im Kaolinbergwerk arbeitete, das Mittagessen. Sein Weg führte ihn dabei durch Pechgrün.
Rudolf Wildner, geboren 1934 in Chodau, beschreibt, wie sein Vater bei der Osmose arbeitete, wo sowohl Kaolin als auch Braunkohle gewonnen wurde. Als Kind brachte auch er seinem Vater das Mittagessen. Besonders in Erinnerung blieben ihm die Bergleute, die auf einem Grubenwagen aus dem Bergwerk kamen, von Kopf bis Fuß mit weißem Kaolin bedeckt. Ihre Mittagspause verbrachten sie in einer einfachen Bretterbude, ohne Tisch, Stühle oder Waschgelegenheit.
Als Claus und ich vor dem heutigen Tagebau standen, war von dieser früheren Arbeitswelt kaum noch etwas zu erkennen. Für Claus war es dennoch ein besonderer Besuch: Er hatte den Arbeitsplatz seines Großvaters gesehen und ein Stück Kaolin als Erinnerung mit nach Hause genommen.