Durch Pechgrün gehen

Eine virtuelle Dorfbesichtigung mit Erich Heinzl

Im Buch „Pechgrün am Fuße des Erzgebirges – ein verschüttetes Dorf. Geschichte und Erinnerungen“, Band 2 (1993), herausgegeben von Anton Strunz und Karl Redelbach, hat mein Onkel Erich Heinzel in einem über hundert Seiten langen Beitrag mit dem Titel „Meine Erinnerungen an unser Heimatdorf Pechgrün – wie es mir im Gedächtnis erhalten blieb“ ausführlich beschrieben, wie sein Heimatdorf ausgesehen hat, welche Häuser es gab, wer darin gewohnt hat und wie der Ort in die umgebende Landschaft eingebettet war.

Dieses Dorf existiert heute nicht mehr. Es ist unter einer riesigen Abraumhalde verschwunden. Auch die meisten Menschen, die dort einmal gelebt haben, sind inzwischen verstorben. Mein Onkel selbst lebt ebenfalls nicht mehr.

In diesem Bereich meiner Website möchte ich den Leser zu einer virtuellen Dorfbesichtigung einladen. Der Text von Erich Heinzel dient dabei als eine Art Tourguide. Ich habe versucht, seine Erinnerungen durch Karten, Luftbilder und Fotografien räumlich nachvollziehbar zu machen und besser verständlich aufzubereiten.

Um den Einstieg zu erleichtern, habe ich den ursprünglichen Text in elf in sich geschlossene Wege unterteilt. Jeder dieser Wege beschreibt einen bestimmten Abschnitt des Dorfes oder eine bestimmte Route. Der Leser kann so auswählen, welchen Weg er mit meinem Onkel gehen möchte, ohne den gesamten Text von Anfang bis Ende lesen zu müssen.

Das Luftbild auf dieser Seite dient als Orientierungshilfe. Es deutet an, welche Bereiche des Ortes im jeweiligen Weg begangen werden. Mit einem einfachen Klick wird man achtzig oder mehr Jahre zurück „teleportiert“, und der Weg durch diesen Teil von Pechgrün kann beginnen.

Eine kurze Übersicht über die angebotenen Wege soll es ermöglichen, gezielt eine Tour auszuwählen. Vielleicht probiert man zunächst einen der Wege aus. Wenn er gefällt, kann man jederzeit zurückkehren und sich weitere Teile von Pechgrün zeigen lassen.

Die elf Abschnitte

  1. Die Pechgrüner Straße war mehr als nur der Weg ins Dorf. Sie verband Pechgrün mit Chodau, führte durch Felder, Teiche und offene Landschaft und reichte bis an den Rand des alten Dorfkerns. Die folgende Beschreibung folgt dieser Straße Schritt für Schritt, so wie sie in den Erinnerungen meines Onkels überliefert ist: vom Aufstieg zur Leitn über das Teichgebiet bis ins untere Dorf von Pechgrün, dort, wo der eigentliche Dorfkern begann.

  2. Diese Seite folgt dem linken Weg vom Konsumhaus im oberen Dorf Pechgrün über die Wehrmühle in Richtung Kösteldorf. Es ist jener Weg, der an Höfen, Linden, Teichen und Waldgrenzen vorbeiführt und im Text nicht als durchgehende Strecke, sondern als Abfolge vertrauter Orte beschrieben wird.

    Der Bericht setzt voraus, dass man diese Landschaft kennt oder sich zumindest vorstellen kann. Um diese Vorstellung zu erleichtern, steht am Anfang eine topografische Karte, die das obere Dorf mit seinen Wegen, Höhenzügen und Flurnamen zeigt. Sie bildet den räumlichen Rahmen für das Folgende.

    Der rechte Weg nach Kösteldorf – über die Spitzseich – wird hier bewusst ausgeklammert und an anderer Stelle behandelt.

  3. Diese Seite beschreibt den Weg vom Konsumhaus im oberen Dorfteil von Pechgrün nach Kösteldorf über die Spitzeich. Während die Schilderung „Oberes Dorf – Über die Wehrmühle nach Kösteldorf“ den Raum des oberen Dorfes als Landschaft und Gefüge vertrauter Orte beschreibt, folgt der Text hier Schritt für Schritt dem Weg selbst. Das Luftbild am Anfang der Seite zeigt den eingezeichneten Weg mit Hausnummern und Hausnamen und dient als Orientierung für die folgende Wegbeschreibung.

  4. Diese Seite versammelt die drei Wirtshäuser von Pechgrün, wie sie im Erinnerungsbericht meines Onkels beschrieben werden. Sie lagen nicht zufällig im Dorf verteilt, sondern markierten zentrale Punkte des gemeinschaftlichen Lebens – Orte des Feierns, der Versammlung, der Politik und des Alltags. Die Übersichtskarte zeigt ihre Lage im Dorfgefüge und dient als Orientierung für die folgenden Beschreibungen, die jeweils an den einzelnen Häusern ansetzen.

  5. Diese Seite beschreibt den Weg vom Dorf Pechgrün in Richtung Stelzengrün und Neuhäuser sowie den Ortsteil »Vuaglsång«. Der Text folgt dem Verlauf dieses Weges aus dem Dorf hinaus und zeichnet dabei einen Raum nach, in dem sich Dorf, neue Siedlung, Abzweigungen und Teichlandschaft überlagern. Neben den einzelnen Häusern und Höfen werden auch infrastrukturelle Einrichtungen, Blickbeziehungen und landschaftliche Übergänge beschrieben. Das einleitende Luftbild zeigt den Wegverlauf und die Lage des Ortsteils »Vuaglsång« im Verhältnis zum Dorf und dient als Orientierung für die folgende Beschreibung.

  6. Im mittleren Dorf bildet der Bach die eigentliche Achse: an ihm liegen Wasserlöcher, Brücken, kleine Plätze und die eng gestaffelten Höfe, von denen der Text erzählt. Zwischen Friedls Weja, Sahler Kårls Wåsserluach und dem Platz bei Wickns Lo(d)n verdichtet sich Pechgrün zu einem Geflecht aus Straße, Ufermauer, Stegen und kurzen Wegabzweigen. Der Dorfanger mit Steigerhaus, Trafik und den Aufgängen zu P(ü)lzns Berch und Kutscherberch erweitert diesen Raum um eine zweite Ebene. Das Luftbild ordnet die Lage der Häuser und macht die räumlichen Sprünge der Beschreibung nachvollziehbar.

  7. Im unteren Dorf folgt die Beschreibung der Straße in Richtung Chodau. Der Text führt vom Bereich gegenüber Wickns Laden über die dicht bebaute Dorfausfahrt, vorbei an Gemeindehäusern, Handwerksbetrieben und Höfen, bis zum Eckl Huaf und zur Brücke, an der der Bach das Dorf verlässt. Entlang dieser Straße reihen sich kleine Plätze, Werkstätten, Gärten und Hofanlagen, die den Übergang vom Dorfkern zum Dorfrand bilden. Das Luftbild ordnet die Abfolge der Anwesen und macht sichtbar, wie sich Straße und Bach am Ausgang von Pechgrün zunehmend voneinander lösen.

  8. Der Weg Richtung Neurohlau beginnt an der Schule und führt zunächst nicht auf der kürzesten Verbindung aus dem Dorf hinaus. Es gab auch einen direkteren Anstieg, der ohne Umwege nach oben führte und kaum bebaut war. Der hier beschriebene Weg nimmt jedoch eine Schleife über den Wöidichn Ochsn: Er erschließt die höher gelegenen Häuser am Rand des Dorfes und macht sichtbar, wie sich Pechgrün Schritt für Schritt den Hang hinauf ausdehnte. Erst von dort gelangt man wieder auf den eigentlichen Neurohlauer Weg.

  9. Vom Hechtenteich aus setzt sich der Weg Richtung Neurohlau fort und führt in einen offeneren Bereich oberhalb des Dorfes. Hier erreicht man die Nazns Birkla, ein Bereich, der sich deutlich von den älteren Dorfstrukturen unterscheidet. Das frühere Birkenwäldchen wurde gerodet und als Baugelände erschlossen. Mit den Häusern Nr. 100, 102, 104 und 106 entstand hier das zuletzt erschlossene Neubaugebiet Pechgrüns. Diese Häuser gehören zu den jüngsten Wohnbauten des Ortes und markieren den letzten geschlossenen Siedlungsausbau vor dem Ortsende. Bereits zuvor waren mit dem Vogelsang sowie dem Furzwinkel neue Wohnbereiche entstanden, jeweils als zusammenhängende Bauabschnitte. Die Nazns Birkla schließen diese Entwicklung ab und bilden den zeitlich jüngsten dieser Neubauzüge.

  10. Jenseits der Nazns Birkla führt der Weg in den obersten Wohnbereich von Pechgrün. Hier lösen sich die geschlossenen Dorfstrukturen zunehmend auf: Die Häuser stehen weiter auseinander, das Gelände wird offener, und der Blick reicht ins Umland. Der Abschnitt beschreibt diesen Übergang bis an das Ortsende – dorthin, wo Pechgrün endet und man beim Abstieg wieder auf die kürzere Verbindung trifft, die weiter Richtung Neurohlau hinausführt.

  11. Haus Nr. 24 war für Erich Heinzel die Dorfmitte: das Plätzchen zwischen Straße und Bach, an dem Wege zusammenliefen. Es ist der Ort, den er sich für den Schluss aufgehoben hat.